Prominente Google-Ingenieurin nimmt enttäuscht den Hut

"Ich habe Google diesen Januar verlassen", schreibt Liz Fong-Jones, die elf Jahre beim Konzern war und zuletzt im Site Reliability Engineering (SRE) arbeitete. Sie war unter anderem Leiterin des New Yorker SRE-Teams für Cloud Bigtable der Google Cloud Platform. Auf ihrem Gebiet war die MIT-Absolventin eine "herausragende Figur", so zumindest beschreibt sie sich selbst in einem Beitrag auf 'Medium'. Zu Bekanntheit gelangte die transgender Frau aufgrund ihrer Aktivitäten in Sachen Ethik und Rechte von Arbeitnehmern.
 
Fong-Jones verlässt den Konzern aus Enttäuschung. "Google trägt als eines der einflussreichsten Unternehmen Verantwortung, aber es hat seine Macht missbraucht, um Gewinne über das Wohlbefinden der Menschen zu stellen", so die ehemalige Angestellte. Die Vorwürfe: Zurückhaltung gegenüber China, das Blockieren von kritischen Stimmen sowie die Zunahmen von Belästigungen und "Hate Speech" innerhalb des Konzerns.
 
Besonders erschüttert habe sie die Abfindung von 90 Millionen Dollar für Andy Rubin, der nach Vorwürfen wegen sexueller Belästigung das Unternehmen bereits 2014 verlassen hatte, so Fong-Jones. Sie verweist auf Klagen von Google-Aktionären, laut welchen die Zahlung dazu gedient haben soll, Informationen über Belästigung durch weitere Führungskräfte zu unterdrücken.
 
Fong-Jones spendet nun ihre letzte Auszahlung von 100'000 Dollar seitens Googles, um jene zu unterstützen, die weiterhin im Konzern um bessere Gouvernance bemüht sind. "Es gibt jetzt Dutzende von Arbeitsorganisatoren bei Google, die die Mitarbeiter ermutigen, ihre Anliegen und Erfahrungen auszutauschen, die in den Büros des Unternehmens weltweit verbreitet sind", so die Ingenieurin.
 
Erst im Dezember 2018 hatten die "Contractors" für bessere Bedingungen protestiert. Davor kam es bereits zu Protesten gegen die Beteiligung an militärischen Projekten, gegen sexuelle Belästigung und gegen die zensierte Google-Suche für China. Auch in Zürich gingen im November 200 bis 300 Angestellte gegen die Arbeitskultur bei Google auf die Strasse. (ts)