Mit welchen Blockchain-Projekten IBM Marktführer werden will

(Foto: Harald Weiss)
An der "Think" präsentierte IBM das Blockchain-Projektportfolio. Ein Vorzeigeprojekt dürfte scheitern.
 
Einer der Schwerpunkte auf IBMs globalem Kunden-Event "Think" in San Francisco war die Blockchain-Technologie, bei der IBM auf dem besten Wege ist, einer der führenden Anbieter zu werden. So gaben in einer Untersuchung von Juniper Networks 65 Prozent der Befragten an, dass für sie IBM der beliebteste Blockchain-Anbieter sei. Mit über 500 Kundenprojekten sieht sich IBM als Speerspitze der Blockchain-Technologie auf Enterprise-Ebene. Allein im vorigen Jahr konnte man über 45 Kunden für diese neue Technologie hinzu gewinnen.
 
IBM gab hierzu einen Überblick über den gegenwärtigen Stand der Dinge, der zwar viele Erfolge aufweist, aber auch Rückschläge zu verzeichnen hat.
 
Ganz aktuell meldete die kanadische Tochtergesellschaft von Boehringer Ingelheim, dass man IBMs Blockchain-Technologie zur Evaluierung im Bereich von Arzneimittel-Entwicklung und deren Klinik-Tests einsetzen will. Dieses soll auf der in Toronto installierten IBM-Blockchain eingerichtet werden.
 
Doch das ist nur ein Fall aus einer besonders breiten Branchen- und Anwendungsvielfalt der gegenwärtigen Pilotprojekte. Beispielsweise will man beim Schmuckhandel die Schattenseiten dieser Glitzerbranche bekämpfen. Hierzu gehören der illegale Abbau, Betrug mit gefälschten Materialien sowie Diebstahl.
 
Einem Bericht der Marktforscher von Nielsen zufolge sind zwei Drittel der Verbraucher bereit, für ein Produkt mehr Geld auszugeben, wenn es aus einer nachhaltigen Quelle stammt. Rückverfolgung und Transparenz sind ein Weg, um das dafür notwendige Vertrauen der Kunden zu gewährleisten.
 
Hierzu haben mehrere Unternehmen der Gold- und Diamantenbranche zusammen mit IBM "TrustChain" gegründet. Es ist die erste branchenübergreifende Initiative, die Blockchain nutzt, um die Herkunft fertiger Schmuckstücke über die gesamte Lieferkette hinweg bis zum Ursprung zurückzuverfolgen.
 
Ein anderes Beispiel ist Blockchain in der Öffentlichen Verwaltung. So gibt es in Dubai die weltweit erste Blockchain-Plattform für alle Regierungs-Systeme, die ebenfalls von IBM betrieben wird. Hier bieten die Vereinigten Arabischen Emirate "Blockchain-as-a-Service" an. "Smart Dubai 2021" heisst das Projekt, mit dem man bis dahin völlig papierlos sein will. Und auch bei der Nahrungs-Lieferkette kommt IBMs Blockchain-Technologie zum Einsatz. Im Projekt "Food Trust" wurde eine Blockchain-Plattform für die Nahrungsmittel-Kette erstellt. Carrefour, Wal-Mart, Nestle und Unilever gehören hier zu den grossen Partnern.
 
"Andernfalls haben wir kein Produkt"
Doch nicht alle gross angekündigten Blockchain-Projekte verliefen erfolgreich. So gaben Maersk und IBM Im Januar 2018 bekannt, dass man eine neue Blockchain-Plattform einrichten will, um den Welthandel sicherer und effizienter zu gestalten, dessen Kosten jährlich rund 1,8 Billionen Dollar betragen. Mit Blockchain sollten sich diese Kosten um bis zu zehn Prozent senken lassen.
 
Im August 2018 wurde dann unter dem Namen TradeLens ein entsprechendes Joint-Venture gestartet. Doch nach über einem Jahr überwiegt der Frust bei den Partnern. Der Grund: Der Welthandel ist ein Geflecht aus vielen Beteiligten mit ineinander verschachtelten Prozessen und nur wenn ein Grossteil dieser Unternehmen bereit ist, an dem Projekt mitzuarbeiten kann es gelingen. Doch das zeichnet sich nicht ab.
 
Die Logistikriesen CMA/CMG und Hapag-Lloyd haben schon offiziell abgesagt und andere hüllen sich in Schweigen. "Um es klipp und klar zu sagen: Wir brauchen die anderen Carrier an Bord, andernfalls haben wir kein Produkt", sagt TradeLens-Chef Marvin Erdley.
 
Fünf Rechenzentren für Blockchain
Alle Blockchain-Angebote von IBM basieren auf dem Hyperledger-Projekt der Linux Foundation – gehören also in die Kategorie Open Source und Enterprise-Blockchain (permissioned Blockchain). Das oben erwähnte Blockchain-Projekt in Toronto gehört zu einem von fünf Rechenzentren, auf denen IBM diese Anwendungen installiert hat. Die anderen vier befinden sich in Tokio, London, Dallas und Sao Paulo. Demnächst soll auch noch ein sechstes in Australien ans Netz gehen. (Harald Weiss)
 
(Interessenbindung: Der Autor wurde von IBM an die Konferenz nach San Francisco eingeladen.)