Hyperscaler und der Channel: Wer mit wem (nicht) und warum?

Blitzumfrage zeigt: Der Markt treibt die Schweizer Service-Provider in die Arme der grossen Cloud-Anbieter. Doch diese müssen am Vertrauen arbeiten.
 
Mit welchem Hyperscaler arbeiten Sie heute und in Zukunft zusammen? Welche Kriterien sind für die Wahl des Partners ausschlaggebend? Warum sind Sie in den Public-Cloud-Markt eingestiegen und was spricht dagegen? Was ist ihre Cloud-Strategie? Diese Fragen stellten wir diese Woche unseren Lesern.
 
Trend zu Multicloud
Die Antworten auf die erste Frage, überraschen nicht: Wenn Schweizer ICT-Dienstleister mit einem Hyperscaler zusammenarbeiten, dann am ehesten mit Microsoft. Über ein Drittel der Teilnehmer an der Umfrage arbeitet mit Microsoft zusammen. 17 Prozent nennen Google, 10 Prozent Amazon und immerhin fast ein Fünftel arbeitet mit mehreren de Hyperscaler zusammen.
 
Der Trend geht eindeutig in Richtung Multi-Cloud. Denn in Zukunft wollen noch mehr (30 Prozent) ICT-Dienstleister mit mehreren Public-Cloud-Anbietern zusammenarbeiten. Viele Schweizer Service-Provider, gerade Dienstleister, die sich früher als "Outsourcer" definierten, bauen einerseits eigene Cloud-Infrastrukturen, arbeiten aber auch mit den Hyperscalern zusammen. "Wir haben eine eigene Cloud gebaut ...aber scheuen uns nicht, sie mit definierten Cloud-Services von Hyperscalern zu kombinieren," so Remo Fleischli von ITPoint.
 
"Ich denke, Office 365 nutzen die meisten, dennoch wird nicht zwingend alles von Microsoft genommen – ausser wenn Microsoft dann in der Schweiz Standorte hat und zum Beispiel Azure anbietet. Wir arbeiten auch mit Amazon," schreibt ein ICT-Dienstleister der nicht genannt sein möchte. Er arbeitet lokal übrigens auch mit Swisscom zusammen.
 
Marge ist irrelevant, der Zugang zur Technologie am wichtigsten
Was sind die wichtigsten Kriterien für die Wahl eines Hyperscalers als Partner. Die Marge ist es nicht, nur gerade ein Teilnehmer hat sie genannt. Viel wichtiger ist der Zugang zu Technologie (75 Prozent), das Vertrauen ins Partnermodell (67 Prozent) und Datensicherheit (50 Prozent).
 
Wie leicht (oder eben nicht) die Zusammenarbeit mit einem Hyperscaler aufgegleist werden kann, ist für den Channel enorm wichtig. Stephan Mahler von ProCloud schreibt zum Thema Onboarding: "Microsoft macht das sehr gut, AWS kommt langsam. Bei Google haben wir mehrere Anläufe genommen. Das Interesse am Partner-Onboarding ist unvorstellbar
tief."
 
Die Umfrage zeigt, wie stark das Thema Cloud in der Schweizer Firmenwelt angekommen ist. Zwei Drittel der Teilnehmer nannten den Druck des Marktes als wichtigsten Grund, mit einem Hyperscaler zusammenzuarbeiten. "Es gibt Cloud-Produkte von Hyperscalern (wie z.B. Office 365), die tolle, clever integrierte Tools bereitstellen. Solche Tool-Kits selber zu bauen, ist kaum wirtschaftlich möglich," illustriert Fleischli die Marktsituation.
 
Die drei nächstmeist genannten Antworten liegen nahe zusammen. Neue Business-Chancen, die Einfachheit der Zusammenarbeit mit Cloud-Providern und die Möglichkeit, Managed Services zu entwickeln, werden ebenfalls als Treiber genannt.
 
Anything goes
Interessant ist die Vielfalt der Antworten auf die einfache Frage: "Was ist ihre Cloud-Strategie" Ein gutes Drittel der Teilnehmer hat eigene Cloud-Strukturen gebaut, einige arbeiten mit Swisscom zusammen und immerhin 37 Prozent sagen, dass sie sich ausschliesslich auf einen oder mehrere Hyperscaler verlassen.
 
Deutlich wird, dass es lokale Cloud-Provider schwer haben werden, sobald die Hyperscaler eigene Infrastrukturen in der Schweiz aufgebaut haben. Nur einer der Teilnehmer sagt, dass seine Firma auch mit lokalen Providern (ohne Swisscom) zusammenarbeite.
 
Nicht repräsentativ aber…
Zugegeben: Die Resultate unserer Blitzumfrage unter Schweizer ICT-Service-Providern zu ihrem Verhältnis zu den "Hyperscalern", also den drei Cloud-Riesen AWS, Microsoft und Google, sind nicht repräsentativ. Doch die knapp 20 Teilnehmer der Umfrage vertreten durchaus relevante Player unter den Schweizer ICT-Serviceprovidern und ihre Antworten zeigen ein aktuelles Bild des Verhältnisses zwischen Hyperscalern und dem Schweizer ICT-Channel. (Christoph Hugenschmidt)