Barracuda übernimmt Teile von Avast

Barracuda Networks steigt ins Geschäft für Remote Monitoring und Management (RMM) ein und kauft dazu von Avast das Managed-Workplace-Geschäft. Die Ende 2017 von der Private-Equity-Firma Thoma Bravo übernommenen Spezialisten für Security und Data-Protection werden die Plattform weiterentwickeln, um ihren MSP-Partnern RMM-Lösungen anzubieten, teilte der tschechische Anbieter letzte Woche mit.

Ausserdem werde Barracuda Vertriebspartner für die Antivirus-Produkte, die Business CloudCare und die Management-Console von Avast, heisst es weiter. Hierzulande vertreibt Avast seine Software über Tech Data.
 
Den Kauf begründet man bei Barracuda damit, den eigenen MSP-Partnern mit der RMM-Lösung eine Möglichkeit zu bieten, die Cyber-Sicherheit fest im Arbeitsalltag verankern zu können. So ergänze man das eigene Security-Portfolio, das im MSP-Modell bereits E-Mail-Schutz, Cloud-Generation-Firewalls, Trainings für das Sicherheitsbewusstsein und anderes mehr umfasse.
 
Die Newsplattform 'Channelpartner' hält die Begründung von Barracuda für nachvollziehbar. Überrascht zeigt man sich hingegen darüber, dass Avast diesen Bereich abgibt und sich künftig ganz auf die Weiterentwicklung seiner Antivirus- und IT-Sicherheitsprodukte mit Fokus auf den KMU-Markt konzentrieren will.
 
Seien doch gerade die Tools und Technologien für die Verwaltung von Arbeitsplätzen wesentlichen Gründe für den Kauf von AVG durch Avast im Sommer 2017 für immerhin 1,3 Milliarden Dollar gewesen.
 
Laut dem Bericht habe Avast allerdings betont, seine Managed-Workplace-Partner würden von der speziellen Expertise von Barracuda und von Support profitieren. Die Vereinbarung sei ausserdem so ausgearbeitet, dass der RMM-Bereich weiterhin in einem Partnermodell bedient werde.
 
Avast werde also weiter mit seinen bisherigen Partnern zusammenarbeiten. Wenn diese in der gleichen Bestellung Managed-Workplace und Endpoint-Security ordern, wird auch letztere von Barracuda im Rahmen des Master-Reseller-Agreements unterstützt, lässt sich Kevin Chapman, General Manager von Avast Business, zitieren.
 
Vielleicht lässt sich der Verkauf aber auch ganz anders lesen. Denn in der Mitteilung charakterisiert sich Avast selbst damit, seine Business-Sicherheitslösungen würden auf dem weltweit grössten Netzwerk zur Bedrohungserkennung basieren und sie würden mehr als 400 Millionen Endpunkte umfassen. Zudem sei sie bei über 700'000 Unternehmen auf der Welt im Einsatz.
 
Stellt sich die Frage, ob die Bedeutung dieser Security-Software nicht auch interessant für Barracuda respektive die Barracuda-Mutter Thoma Bravo ist. Die ist jedenfalls dabei, einen Security-Konzern zusammenzuschustern, der dann an die Börse gebracht und verkauft werden soll. Aufgekommen war das Gerücht schon letztes Jahr. Und zuletzt wurde es kolportiert, als die Beteiligungsfirma Interesse am Kauf von Symantec angemeldet hat. (vri)