Exklusiv: Kleiber, Fitzpatrick und Golliez gründen eigene Daten-Firma

Tom Kleiber, Giulia Fitzpatrick, André Golliez (v. links).
Die Marktnische: Daten erfolgreich nutzen, aber verantwortungsvoll.
 
Gleich drei bekannte Persönlichkeiten aus der Schweizer ICT-Szene gründen zusammen eine neue Firma: Dies sind Tom Kleiber (ex-GL-Mitglied von Microsoft Schweiz), André Golliez (Berater, Dozent und Präsident der Swiss Data Alliance) sowie Giulia Fitzpatrick (Verwaltungsrätin von PostFinance AG und Worldline).
 
Die Firma heisst Zetamind und bietet Services für einen kommerziell erfolgreichen und gleichzeitig "verantwortungsvollen Umgang mit Daten".
 
"Die Zukunft liegt in datenbasierten Geschäftsmodellen", sagt Tom Kleiber im Gespräch. Und er meint damit Daten, welche auf Personen zurückgeführt werden können.
 
Genau hier liege die Marktnische für Zetamind: Die Datenspezialisten nehmen eine Ist-Analyse in Sachen Daten vor und unterstützen Auftraggeber anschliessend bei der Erarbeitung von Use Cases und Strategien zur erfolgreichen Nutzung. Auch bei der technologischen Umsetzung könne man anbieterneutrale Services bieten, beispielsweise im Analytics-Bereich und nicht zuletzt in Sachen Change Management.
 
Dabei richtet sich Zetamind sowohl an Firmen als auch an die öffentliche Hand, beispielsweise aus der Bildung oder dem Energiesektor, erklärt Kleiber.
 
Die Schweiz habe ein veraltetes Datenschutzgesetz, das könnte die kommerzielle Datennutzung hemmen. Ausserdem, so Kleiber, können Datenschützer nur die gesetzliche Basis berücksichtigen. Doch es lauern auch Reputationsrisiken im Daten-Business, wie das Beispiel von Facebook zeigt. So geht es bei Zetamind nicht nur isoliert um juristische oder technische Aspekte, sondern es gilt auch gesellschaftliche Normen und ethische Fragen zu berücksichtigen.
 
"Heute herrschen weltweit die Gesetze des Wilden Westens", sagt Kleiber. Aber die Zivilisation müsse Einzug halten, wenn datenbasierte Geschäftsmodelle erfolgreich sein sollen.
 
So will Zetamind mit Auftraggebern auch moralische Fragen diskutieren, die im Markt Probleme bereiten können. Darunter fallen natürlich mögliche Vor- und Fehlurteile, die in Algorithmen einprogrammiert werden. Und was bedeuten Begriffe wie "Transparenz" oder "selbstbestimmt" im kommerziellen oder Behördenkontext genau? Diese Fragen könne man mit Auftraggebern ebenso diskutieren wie ein Change-Management, das Daten in den Mittelpunkt neuer Geschäftsmodelle stellt.
 
"Nur wenn Werte wie Fairness, Privatsphäre und Transparenz aufrechterhalten werden, steht die Reputation des Unternehmens langfristig auf einem soliden Fundament", glaubt Ex-Microsoft-Manager Kleiber. Er hat übrigens bei unserem Digital-Ethik-Kolumnisten, Professor Markus Christen von der Universität Zürich, einen entsprechenden Abschluss gemacht. (Marcel Gamma)