SAP reorganisiert sich

Unter dem Strich will SAP neue Stellen schaffen. Einer Reorganisation aber fallen 4400 Mitarbeitende weltweit zum Opfer.
 
Zum ersten Mal seit 2015 werde SAP ein unternehmensweites Restrukturierungsprogramm umsetzen, um die Prozesse und Strukturen im Unternehmen zu vereinfachen, schreibt das Unternehmen im Rahmen der Präsentation des Bilanzergebnisses 2018. Man wolle sicherstellen, dass Organisationsstruktur und Ressourcenzuordnung auch weiterhin den sich verändernden Kundenanforderungen gewachsen seien.
 
"Es geht nicht darum, Kosten zu sparen. SAP ist ein Wachstumskonzern", sagte Firmenchef Bill McDermott an der Bilanzkonferenz. Ende 2018 beschäftigte SAP weltweit 96'500 Mitarbeitende, im Verlauf von 2019 soll die Zahl auf über 100'000 anwachsen.
 
Aber Mitarbeitende werden der Reorganisation zum Opfer fallen. Derzeit gehe man davon aus, dass im Rahmen des Restrukturierungsprogramms weltweit etwa 4400 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen werden, sagte Stephanie Freise, Unternehmenssprecherin von SAP Schweiz, auf Anfrage der Nachrichtenagentur 'AWP'. "Wo neue Arbeitsplätze entstehen, planen wir, zuerst SAP-Mitarbeiter zu berücksichtigen", so Freise.
 
Die grössten Auswirkungen würden in Deutschland und in den USA erwartet. Hinzu kämen das restliche Europa und Amerika sowie Afrika, Asien sowie Australien und Neuseeland. "In Deutschland, den USA, Frankreich und Kanada sind Vorruhestandsregelungen geplant, ergänzt in Deutschland und weiteren Ländern um Freiwilligenprogramme", so SAP auf unsere Anfrage.
 
Die Gespräche mit den Sozialpartnern hätten gerade erst begonnen, daher könne sie zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Details nennen, auch nicht heruntergebrochen auf einzelne Länder wie die Schweiz, sagte die SAP-Schweiz-Sprecherin weiter. Auch welche Abteilungen oder Jobprofile konkret betroffen sein könnten, kann die Schweiz-Sprecherin auf Anfrage von inside-channels.ch nicht sagen. Man habe klare Wachstumsbereiche definiert. Welche dies sind, werde zum jetzigen Zeitpunkt nicht kommuniziert.
 
Reorganisation schlägt im Q1 zu Buche
Die Restrukturierungskosten werden laut Mitteilung voraussichtlich zwischen 800 Millionen Euro und 950 Millionen Euro betragen. Sie sollen überwiegend im ersten Quartal 2019 ausgewiesen werden.
 
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Bild: SAP
Berücksichtigung der Restrukturierungskosten wird erwartet, dass mit dem Programm 2019 ein geringfügiger Kostenvorteil und ab 2020 jährliche Kosteneinsparungen von bis zu 850 Millionen Euro erzielt werden.
 
SAP steigert Umsatz um elf Prozent
Der Jahresumsatz von SAP kletterte 2018 währungsbereinigt um elf Prozent auf 25,96 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis wuchs um zehn Prozent auf 7,48 Milliarden Euro.
 
Im vierten Quartal büssten die für das zukünftige Geschäft entscheidenden neuen Cloud-Bookings an Dynamik ein. Sie stiegen nur noch um 23 Prozent, nachdem es im Vorquartal noch zu einem Plus von 37 Prozent gereicht hatte. "Fluktuation ist absolut normal", sagte Finanzchef Luka Mucic. McDermott sagte: "Wir können keinen Gegenwind ausmachen."
 
Im laufenden Jahr will SAP im Bereich Cloud und Software einen Umsatz zwischen 22,4 Milliarden und 22,7 Milliarden Euro erzielen (2018: 20,66 Milliarden). SAP erwartet, dass der Umsatz 2019 stark steigen wird, auch durch die Übernahme von Qualtrics, die am 23. Januar abgeschlossen wurde.
 
2023 will das Unternehmen einen Umsatz von über 35 Milliarden Dollar erzielen, geht weiter aus der Mitteilung hervor. Bis dahin soll auch der Anteil der "besser planbaren" Umsätze auf bis zu 80 Prozent angewachsen sein. Dies umfasst die Erlöse aus Cloud-Subskriptionen und -Support sowie Softwaresupport. Im Vergleich zu 2018 strebt SAP für 2023 ausserdem eine Verdreifachung der Cloud-Subskriptions- und -Supporterlöse an. (Katharina Jochum/sda)