New Business: Paneuropäisch gegen Fachkräfte-Dürre

Kai Grunwitz, EMEA-Chef von NTT Security, im Gespräch.
 
Der Markt für Cyber-Security boomt. Privatpersonen, Firmen und Behörden aller Art sehen sich immer professionelleren Angriffen durch Kriminelle und Staaten ausgesetzt. Doch der Markt für ICT-Security-Spezialisten ist völlig ausgetrocknet.
 
Einige spezialisierte Anbieter von ICT-Security-Dienstleistungen bauen deshalb paneuropäische Strukturen auf. Einer davon ist NTT Security. Wir haben die Gelegenheit genutzt, und mit NTT Security EMEA-Chef Kai Grunwitz anlässlich eines Redaktionsbesuchs ein Hintergrundgespräch geführt.
 
"Qualifizierte Mitarbeitende zu finden ist eine Herausforderung. Deshalb streben wir bewusst ein europäisches Ressourcen-Modell an. In jedem Land bauen wir unterschiedliche Kompetenzbereiche auf, die wir in anderen Ländern zur Verfügung stellen." So begründet Grunwitz die paneuropäische Strategie von NTT Security. Es sei unmöglich, in jeder einzelnen Niederlassung eine genügend grosse Anzahl von Spezialisten für jedes Thema zu haben, sagt Grunwitz.
 
Grunwitz spricht von "virtual community" und "local delivery". "Projekte in der Schweiz werden von Schweizer Mitarbeitenden umgesetzt, die auf Kompetenzen in anderen Ländern zugreifen können". Dies gelte zum Beispiel für Security im SAP-Umfeld. Das Kompetenzzentrum für SAP-Security befindet sich aus naheliegenden Gründen in Deutschland. "Der Bedarf nach Security-Dienstleistungen für SAP-Umgebungen ist überraschend gross", sagt Grunwitz. "Offenbar kommunizierten innerhalb eines Unternehmens die SAP-Abteilung nur wenig mit der Security-Abteilung", interpretiert Grunwitz den Markt. Ein anderes Bespiel sind Projekte für "Privileged User Management". Da die grössten Projekte zu diesem Thema in Frankreich entstanden sind, gibt es dort ein Kompetenzzentrum. Dies hiesse aber keineswegs, dass es in der Schweiz nicht auch kompetente Fachleute zum Thema gebe.
 
Insgesamt gibt es im EMEA-Raum elf Kompetenzbereiche. In der Schweiz ist die Führung des Teams für Cyber Defence angesiedelt. Dazu kommen zehn SOCs (Security Operation Centers) weltweit.
 
70 Prozent des Geschäfts von NTT Security in Europa wird mit Beratungsdienstleistungen erzielt. Der grösste Teil davon wird über die NTT Group Unternehmen Dimension Data, NTT Communication und NTT DATA vermittelt. Grunwitz: "In Deutschland, UK und Frankreich verkaufen wir nur noch zehn Prozent der Dienstleistungen direkt. 90 Prozent des Umsatzes werden über unsere Schwesterfirmen erzielt.
 
"Der KI-Hype kreiert ein falsches Sicherheitsgefühl"
Interessant sind Grunwitz' Bemerkungen zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz. "Wenn man die wichtigsten Hausaufgaben wie Patch- oder Identity-Management nicht gemacht hat, muss man nicht über KI sprechen."
 
NTT Securtiy kombiniere die Erkenntnisse von Partnern mit eigener Forschung und Forensik. Die Erkenntnisse aus der eigenen, vor 12 Jahren in Schweden entwickelten Engine für "Threat Detection", werden gemäss Grunwitz mit der Erfahrung der Spezialisten angereichert. Das System von NTT Security sei ein Alleinstellungsmerkmal, sagt Grunwitz und ergänzt: "Den Hype um KI sollten wir aber entmystifizieren und uns die Grenzen der Technologie bewusstmachen. Blindes Vertrauen in KI ist unangebracht und kreiert ein falsches Sicherheitsgefühl."
 
"Der Schweizer Markt ist noch nicht gesättigt
NTT Security verfolgt eine zweispurige Wachstumsstrategie. Einerseits möchte der japanische Konzern im Security-Bereich durch gezielte Übernahmen in überproportional wachsenden Marktbereichen wachsen. Grunwitz nennt IoT, Digital Workforce oder Application Security als Beispiele. Als "Startup innerhalb eines Grosskonzerns" habe NTT Security den Vorteil, nicht auf Risikokapital angewiesen zu sein.
 
Andererseits wolle der paneuropäische Security-Dienstleister auch durch Weiterentwicklung der Teams wachsen. Fachleute hätten bei NTT Security die Möglichkeit, auch einmal in anderen Ländern oder zu anderen Themen (oder beides) zu arbeiten, so der Manager.
 
Der Schweizer Markt ist für Grunwitz übrigens noch keineswegs gesättigt: "Wir müssen in der Schweiz wachsen, um den Anforderungen der Kunden gerecht werden zu können." Neben dem Wachstum hat der Manager ein zweites Ziel. NTT soll in der Schweiz vermehrt als Gruppe auftreten. (Christoph Hugenschmidt)
 
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