5G: Huawei offeriert Source-Code-Kontrolle in Deutschland

Nach dem Motto "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser" hat Huawei unter anderem in Indien und in Deutschland ein Sicherheitslabor eröffnet. In Bonn können das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI) und Netzbetreiber selbst den Quellcode der chinesischen Produkte überprüfen.
 
In Australien hatte Huawei laut 'eScecurity Planet' schon 2012 Zugang zum Quellcode und zur Hardware offeriert. Das Angebot hat den Chinesen aber nicht geholfen, in Australien ist Huawei vom 5G-Business ausgeschlossen.
 
Wie umfassend diese Quellcode-Inspektionen sind, ob Hardware-Kontrollen mitgemeint sind und ob die Überprüfung völlige Klarheit schaffen können, ist basierend auf den vorliegenden Medienberichten nicht zu beurteilen. In den einschlägigen Foren ist man sich auch uneinig.
 
Daneben wurden deutsche Journalisten nach China eingeladen, um ein Cyber-Sicherheitslabor zu besichtigen, steht doch Huawei auch in Deutschland unter verschärfter Beobachtung der Öffentlichkeit.
 
Liang Hua, Huawei-Verwaltungsratspräsident, sagte am Rande des WEFs in Davos zudem, dass westliche Regierungen zur Inspektion von Huawei-Produktionsstätten willkommen seien.
 
Wegen Spionage-Vorwürfen findet sich Huawei heute schon vom US-Netzwerk-Markt ausgeschlossen, andere Länder könnten folgen. Das sind gerade im Hinblick auf den 5G-Ausbau schlechte Geschäftsperspektiven, obwohl Beweise für die Vorwürfe seit langem fehlen.
 
So lancierte der chinesische Konzern auch eine PR-Offensive und Gründer Ren Zhengfei gab sein erstes Interview seit 2015 plus neun weitere dazu. In diesen wies er Backdoor-Vorwürfe zurück und sagte, Huawei habe niemals eine Anweisung von der chinesischen Regierung erhalten, "unangemessene Informationen zur Verfügung zu stellen", wie Medien meldeten. Die Definition von "unangemessen" ist nicht klar und in China müssen Firmen bei "Gefahr für die nationale Sicherheit" Auskunft geben. Diese Gefahr könne relativ breit interpretiert werden, melden Medien und Agenturen.
 
Huawei und US-Hersteller und was nun?
Ebensolche Backdoor-Vorwürfe gibt es aber seit einiger Zeit auch gegen Huawei-Konkurrenzhersteller aus demokratischen Ländern wie den USA. Manche Experten wollen sogar Beweise dafür haben.
 
Huawei verteidigt sich auch mit dem Argument, dass man keine Daten speichere, sondern nur die Netzwerkausrüstung liefere. Daten hätten nur die lokalen Betreiber der Netze.
 
Unbestritten ist wohl, dass die Sicherheit von 5G-Infrastruktur nicht allein von deren Komponenten abhängen sollte und dass End-to-End-Verschlüsselung des Datenverkehrs sowie Open-Source-Code wohl das angeschlagene Vertrauen in 5G erhöhen könnten. (mag)
 
(Update 22.1.2019: Der Text wurde um das Statement von Liang Hua ergänzt)