Huawei-Gründer Ren Zhengfei bricht das Schweigen

Ren wehrt sich gegen Spionage-Vorwürfe, lobt Trump und findet, Huawei sei so klein wie ein Sesamkorn.
 
Der 74-jährige Gründer des chinesichen Telekom-Riesen Huawei, Ren Zhengfei, tritt selten vor die Presse. Gestern nun hat er sein Schweigen gebrochen und sich in Shenzen mit Reportern getroffen. Im Gespräch mit Journalisten des 'Wall Street Journals' und der 'Financial Times' wies Ren Vorwürfe, Huawei baue Spionage-Software oder -Chips in die Telekommunikations-Hardware ein, weit von sich. Solche Vorwürfe werden seit Jahren vor allem von US-Behörden erhoben. Beweise, die von neutralen Instanzen überprüft werden könnten, gibt es aber nicht.
 
"Huawei ist eine unabhängige Firma. Geht es um Cybersecurity, stehen wir auf der Seite unserer Kunden, deren Daten wir schützen. Wir werden nie einer Nation oder einer Person Schaden zufügen," zitiert die 'Financial Times' aus dem Gespräch. Ausserdem gebe es kein Gesetz in China, das Firmen verpflichte, Hintertüren in ihre Produkte einzubauen. Ren habe aber auch nicht gesagt, wie er reagieren würde, wenn chinesische Behörden die Aushändigung von Kundendaten verlangen würden, kommentiert das 'Wall Street Journal'.
 
Ren, der einst im Ingenieurcorps der chinesichen Armee gearbeitet hat, sagte, er unterstütze die kommunistische Partei Chinas weiterhin, äusserte sich aber ansonsten sehr diplomatisch über die USA, Präsident Trump und die kanadische Justiz. Diese hat bekanntlich Huaweis Finanzchefin und Tochter Ren Zhengfeis, Meng Wanzhou, aufgrund eines internationalen Haftbefehls der USA verhaftet. US-Behörden werfen ihr Verstösse gegen Sanktionen gegen den Iran vor. Manche halten den Haftbefehl gegen Meng als Manöver im Handelskrieg zwischen den USA und China. Ren sagte nun: "Ich vertraue den Rechtssystemen von Kanada und den USA." Erst wenn Beweise öffentlich seien, könne er beurteilen, ob Meng verhaftet wurde, weil sie seine Tochter sei oder nicht. Er vermisse sie sehr. Selbst für Präsident Trump fand Ren lobende Worte. Er lobte die Steuersenkungen und sagte Trump sei ein "great President".
 
Klein wie ein Sesamkorn
Ziemlich abgebrüht scheinen Rens Bemerkungen zum chinesisch-amerikanischen Handelskrieg und dazu, dass einige Länder bewusst keine Huawei-Produkte für den Bau von 5G-Infrastrukturen einsetzen. "Wenn eine kleine Zahl von Ländern keine Huawei-Podukte einsetzen, so konzentrieren wir uns darauf, den Ländern, die mit unseren Produkten zufrieden sind, besseren Service zu bieten."
 
Ausserdem sei Huawei nicht börsenkotiert und "schöne Bilanzen" interessierten wenig. "So lange wir die Angestellten ernähren können, glauben wir, dass es eine Zukunft für Huawei gibt," sagte er gemäss dem 'Wall Street Journal'.
 
Der Handelskrieg zwischen den USA und China habe Huawei bisher nicht stark getroffen. Seine Firma erwarte für 2019 ein Wachstum des Umsatzes um 20 Prozent. "Huawei ist nicht gross. Wie kann ein kleines Sesamkorn von einem Konflikt zwischen den Grossmächten USA und China betroffen sein?", fragte Ren. Zu denken, auf den Huawei-Produkten sei Ideologie aufgedruckt, sei so dumm, wie das Zerstören von Textilmaschinen im 19. Jahrhundert.
 
Auf die Frage, wem Huawei gehört, sagte Ren, keine externe Institution sei am Technologie-Konzern beteiligt. Aktienbesitzer seien er und gegen 97'000 der total 180'000 Angestellten. (hc)