Was das Outsourcing des Bundesamts für Informatik bedeutet

Das BIT muss fokussieren und sparen, das resultiert in einem 146-Millionen-Auftrag an Swisscom. Inside-it.ch hat nachgefragt.
 
Das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) sourct zwei Geschäftsbereiche an Swisscom aus. Das Unternehmen hat sich in einer öffentlichen Ausschreibung namens "NSB" ("Next Step BIT") im Dialogverfahren den Zuschlag gesichert. Die Leistungen würden in den nächsten Monaten an Swisscom übergeben werden, schrieb das BIT in einer Mitteilung.
 
Mit wievielen Firmen das BIT den Dialog geführt hat, muss offen bleiben: "Zu inhaltlichen Details der Beschaffungsverfahren dürfen wir aus beschaffungsrechtlichen Gründen keine Details angeben", so BIT-Mediensprecherin Sonja Uhlmann-Haenni auf Anfrage.
 
Konkret übernimmt Swisscom zum einen den Bereich Content Delivery Services / CMS (Content Management System) für 80,2 Millionen Franken wie auf Simap ersichtlich ist. Geht es dabei um das CMS Bund? "Die Ausschreibung hat sich auf die aktuell durch das BIT (nicht für die gesamte Bundesverwaltung) erbrachten CMS-Leistungen bezogen. Sofern diese heute erbrachten Leistungen in Zukunft Teil des neu zu definierenden Standarddienstes werden, würde dieses Outsourcing auch automatisch Teil des Standarddienstes werden. Diese Frage wird jedoch später entschieden", antwortet die BIT-Sprecherin.
 
Ist das ein neues Business für Swisscom, oder haben wir eine Bildungslücke? "Ja, die Leistungen sind Bestandteil unseres Portfolios", antwortet Swisscom-Sprecher Armin Schädeli auf Anfrage, dasselbe gelte für den zweiten Zuschlag, die Software-Paketierung. Für diese verlangt Swisscom 65,6 Millionen Franken.
 
Auch dies gehöre zum existierenden Angebot, so Schädeli. "Sei es als Einzelservice wie im vorliegenden Fall oder auch bei Full-Outsourcing-Geschäften, wo Software-Paketierung integraler Bestandteil von Arbeitsplatzsourcing-Leistungen ist. Im Bereich von Content Delivery Services bieten wir diese Leistungen aus unserem Portfolio auch anderen Kunden an". Als da wären? "Im Bereich Paketierung gibt es etliche Kunden, welche diese Leistungen von Swisscom nutzen. Schliesslich müssen die 120'000 Arbeitsplätze, welche Swisscom betreuen darf, mehrmals pro Jahr mit einem Software-Release bedient werden. Im Bereich von Content-Delivery-Leistungen ist es identisch – wir bedienen nebst www.swisscom.com und www.bluewin.com weitere Plattformen mit unseren Services. Konkrete Kundennamen dürfen wir keine nennen", führt der Swisscom-Sprecher aus.
 
Zehn Jahre Laufzeit: Warum?
Der Grundauftrag ist bei beiden auf 48 Monate ausgelegt und kann verlängert werden. Bei CMS ist die Laufzeit 120 Monate für die optionalen Verlängerungen, ebenso für die Paketierung. Auf zehn Jahre hinaus sich festlegen? Warum? " In diesen Outsourcings geht es nicht nur um Technologiekomponenten, sondern vielmehr um die Delegation betrieblicher Leistungen. Die über zehn Jahre optional zu beziehenden Leistungen sind so gewählt, weil der Partner sich typischerweise das Wissen in diesen Bereichen aufbaut und das optimale Zusammenspiel erst nach einer gewissen Zeit eintritt. Es handelt sich bei dieser Ausschreibung jedoch um keine Ausnahme – diese Praxis wird insbesondere bei Ausschreibungen verfolgt, wo ein Wechsel eines Providers einen unverhältnismässig hohen Aufwand mit sich bringen würde", antwortet Uhlmann-Haenni.
 
Während diese beiden Bereiche zur Zufriedenheit des BIT outgesourct werden können, ist das anders beim dritten Bereich. Ausgeschrieben war überdies auch das Outsourcing "IBM-Mainframe". Bei diesem Los erfüllte gemäss BIT aber kein Anbieter die geforderten Kriterien: 36 Monate nach Vertragsunterzeichnung für den Grundauftrag, 60 Monate für die optionalen Verlängerungen.
 
Was nun? "Für das nicht zugeschlagene Los wird das BIT einen Antrag für die entsprechenden Stellen im Rahmen des Voranschlags 2020 stellen", heisst es aus Bern. Und wieviele Stellen muss man nun beantragen? "Wir werden nun die genaue Rechnung machen", antwortet die Sprecherin.
 
Die Gründe und die personellen Konsequenzen
Das BIT hatte die Auslagerung der Leistungen im März 2017 angekündigt und das Outsourcing sei in diesem Rahmen nun abgeschlossen. Nötig geworden sei dies wegen IT-Grossvorhaben. Genannt werden die Projekte "DaziT" der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV), oder "SUPERB23", der SAP-Generationenwechsel beim Bund.
 
Zudem hat das BIT Budgetkürzungen vorzunehmen. Insgesamt wollte das BIT 32 Vollzeitstellen einsparen. Die Outsourcing-Firma sollte dabei die betroffenen Mitarbeitenden übernehmen. Von der Auslagerung an Swisscom sind wegen den seit der Ankündigung zu verzeichnenden Abgänge aktuell nur noch neun Mitarbeitende betroffen, wie es weiter hiess. "Für die natürlichen Abgänge wurde zwischenzeitlich externes Personal temporär beschäftigt, welches nun durch die Swisscom abgelöst wird", ergänzt die BIT-Sprecherin.
 
Und der Swisscom-Sprecher seinerseits sagt, die Grossaufträge könne man ohne weitere Neu-Einstellungen bewältigen: "Mit dem Zuschlag der beiden Lose werden auch Mitarbeitende des BIT übernommen. Entsprechend gibt es eine Verstärkung der Teams. Wir wären jedoch grundsätzlich auch ohne Verstärkung in der Lage, die Leistungen zu erbringen, weil es eben unserem Kerngeschäft als Full-ICT-Provider entspricht." (Marcel Gamma, mit Material von sda)