Exklusiv: Schweizer Veritas-Chef schon wieder weg

Stimmen die Zahlen nicht? Gab es Konflikte mit Partnern? Inside-channels.ch hat nachgefragt.
 
Thomas Benz, Managing Director Switzerland & Austria von Veritas, geht nach knapp einem Jahr wieder. Dieses Gerücht bestätigten Benz, der Schweizer Interims-Chef Thomas Luchetta und DACH-Chef Roger Scheer auf Anfrage von inside-channels.ch. "Leider hat sich Thomas Benz entschieden, Veritas zum 31. Januar 2019 zu verlassen. Wir bedanken uns für seinen wichtigen Beitrag als Country Manager in der Schweiz und Österreich", so Scheer, der sich in Schweizer Tagesgeschäft einbringen wird, bis ein Nachfolger nominiert ist.
 
Dabei seien nicht die Schweizer Veritas-Zahlen ausschlaggebend, so Benz über seinen raschen Abgang. Noch sei eine neue Strategie oder Forderungen des Eigentümers, dem Private Equity Investor Carlyle Group, dafür verantwortlich. Er sei erfolgreich gewesen, so Benz, das würden die letzten Quartalszahlen unter seiner Führung zeigen, und die Pipeline sei gut. Und er habe ein neues Veritas-Team auf die Beine gestellt.
 
Der Storage-, Backup- und Datenmanagement-Software-Hersteller zählt in der Schweiz heute 18 Mitarbeiter primär im Presales- und Sales-Bereich, so Luchetta.
Der Grund für den Wechsel sei, so Benz, dass er die Möglichkeit erhalte, beim ETH-Spinoff Avrios den Sales-Bereich zu übernehmen und wieder viel unternehmerischer tätig zu sein.
 
Es sei eine einvernehmliche Trennung, bestätigt Luchetta, "Es war sein Entscheid, wir gehen nicht im Bösen auseinander." Nun wird ein Nachfolger gesucht.
 
Ist dies alles? Der 48jährige Benz kam von Oracle zu Veritas. Wollte er basierend auf dieser Erfahrung bei Veritas Business machen? "Ich weiss von Oracle her, wie Hersteller funktionieren und was man ändern kann und was nicht", antwortet Benz.
 
Mehr Direktgeschäft als Ziel?
Zu reden gab im Veritas-Umfeld letztes Jahr zudem das Thema Direkt-Deal versus Partner-Deal. "Wir stehen 100 Prozent zu den Partnern", sagt Luchetta, und dies werde so bleiben, auch wenn sich die Channel-Welt ändere. "Alles andere wäre sehr kurzsichtig." Veritas mache in der Schweiz einen oder zwei Direktdeals pro Jahr. "Wir dürfen das und tun dies nur, wenn es der Kunde wünscht". Auf Wunsch eines Schweizer Kunden habe man 2018 tatsächlich ein grosses Direktgeschäft gemacht, bestätigt er ein weiteres Gerücht.
 
Auch Roger Scheer, DACH-Chef von Veritas, bestätigt, es habe sich nichts geändert im Partnergeschäft und werde sich nichts ändern: "Partner sind extrem wichtig, wir werden das Partnergeschäft im DACH-Raum forcieren."
 
Nun muss Veritas gegen Commvault, Veeam oder HPE bestehen und gilt manchenorts seit längerem vage als "altmodisch".
 
Das weiss auch Luchetta, der neben dem Imageproblem auch mit Margenerosion konfrontiert ist (was wiederum ein Argument für mehr Direktgeschäft sein kann). "Der Entscheid läuft über das Produkt, nicht über den Preis", sagt Luchetta. "Wir streben keine Preisführerschaft an." Aber es stimme, dass Veritas darunter gelitten hat, dass der Eindruck entstand, es werde in alles Mögliche investiert, ausser in das Kernprodukt, Backup.
 
Dies habe sich geändert, und mit Neubesitzer Carlyle habe man aufgeholt, sagt Luchetta. "2018 ist sehr viel passiert und auch die Schweizer Zahlen sind gut. Wir haben die vorgegebenen Steigerungsraten übertroffen". Details lässt er sich nicht entlocken. Er glaubt aber, man sei im Enterprise-Segment und bei grossen Datenmengen nun sehr gut positioniert. Gerade wenn es um das Einhalten regulatorischer Vorgaben (GDPR) gehe. (Marcel Gamma)