So wird das Channel-Jahr 2019 (Folge IV)

Enablement kann ihre Gesundheit gefährden
 
Die Prophezeiung: An der globalen Channelkonferenz des Herstellers XXY kommt es im Sommer 2019 zu einem ungewöhnlichen Vorfall: Nach anderthalb Stunden Keynote des CEO steigen rund zwei Dutzend der anwesenden Partnervertreter plötzlich auf ihre Stühle und stürzen sich wortlos kopfvoran wieder hinunter. Einige landen am Boden, die meisten mehr oder weniger unsanft auf ihren Sitznachbarn. Glücklicherweise sind die Verletzungen, abgesehen von ein paar blauen Flecken, einem angeknacksten Handgelenk und einem gebrochenen Schlüsselbein minim. Einige Zeugen geben an, dass es fast so aussah, als ob die Betroffenen glaubten, fliegen zu können. Diese selbst können sich später an nichts erinnern.
 
Was ist hier geschehen? Ursprünglich vermutet man einen seltsamen Fall von Lebensmittelvergiftung, möglicherweise verursacht durch die eher zweifelhaften fetten Würstchen beim Frühstücks-Catering. Diese stellen sich aber als zwar unappetitlich aber clean heraus.
 
Eine Analyse der Videos der Veranstaltung gibt dann den ersten Hinweis, dass etwas anderes vor sich ging: Offensichtlich waren nur Anwesende betroffen, die tatsächlich zuhörten, statt auf Smartphones, Tablets oder Notebooks herum zu tippen. Eine weitere Analyse führt schliesslich zu einem aufsehenerregenden Resultat: Der Entdeckung des "Toxic Word Syndrome" (TWS). Mit gewissen Wörtern, so stellt sich heraus, verhält es sich ähnlich wie mit Medikamenten: Sie haben Nebenwirkungen und, im Übermass gebraucht, können sie Körper und Geist gefährden.
 
Im vorliegenden Falle hypnotisierte die 114-fache Verwendung des Worts "Enablement" innerhalb von nur 12 Minuten die Zuhörer so sehr, dass sie zuletzt glaubten, alles tun zu können, inklusive fliegen. Und wer hat nicht in so einer Veranstaltung insgeheim mal davon geträumt, einfach davonzufliegen.
 
Wie Forscher in der Folge herausfinden, gibt es auch weitere toxische Wörter in Vorträgen. "Commitment" führt beispielsweise ab 0,5 TWpm (Toxic Word per minute) zu Kontaktscheue und in noch
höheren Dosen zu Paranoia. "Blockchain" verursacht ab 0,2 TWpm psychosomatische Verdauungsstörungen und langwierige Verstopfungen, "Kryptowährung" und "Initial Coin Offering" ab 0,1 TWpm Halluzinationen und Grössenwahn. "Transformation" führt ab 0,3 TWpm zu Albträumen und, vor allem in Kombination mit "Digitalisierung" in einer ähnlichen Dosis, akuten Angstzuständen.
 
Das "giftigste" toxische Wort ist allerdings "Quantencomputing". Schon nach einmaliger Anwendung bewirkt es beim Zuhörer das dumpfe Gefühl "Ich bin einfach zu dumm, um das zu verstehen". Wenn ein Redner dann versucht, den Zuhörern das Thema doch noch verständlich zu machen, verlassen schliesslich im Schnitt 99 Prozent der Anwesenden den Saal mit schweren Minderwertigkeitsgefühlen und dem Drang, sich am Abend zu betrinken.
 
Nach diesen Entdeckungen erlassen die meisten IT-Unternehmen strikte Vorschriften zur Beschränkung der Verwendung von toxischen Wörtern an Channel- und Kundenkonferenzen. Unter den Besuchern dieser Veranstaltungen bricht überall in der Welt grosse Begeisterung aus. (hjm)
 
(Meme: Quelle Imgur.com)