Prantl: UBS kauft Abacus, Topsoft die Cebit (und andere Prophezeiungen)

Kolumnist Urs Prantl wirft einen Blick darauf, was im kommenden Jahr die Schweizer IT-Branche umtreiben wird.
 
Auch wenn ich mich von Berufs wegen mehr mit langfristigen Visionen beschäftige, für einmal wage ich dennoch einige (nicht ganz ernst gemeinte) Prognosen für das kommende Jahr. Trotzdem, um das gleich klarzustellen. Meine Vorhersagen basieren auf sorgfältigen Beobachtungen aktueller Trends und Entwicklungen im IT-Markt Schweiz. Etwaige Ähnlichkeiten mit bereits in diesem Jahr gesehenen Ereignissen sind dabei durchaus gewollt und untermauern meine Behauptungen mehr, als dass sie sie in Frage stellen.
 
Doch nun genug der Einführung. Was wird nächstes Jahr alles passieren?
 
UBS kauft Abacus
Nachdem das Jahresergebnis 2018 ermittelt wurde, bricht in der obersten Geschäftsleitung der UBS Panik aus. Digitale Produkte von – teilweise viel kleineren Mitbewerbern und Fintech-Startups – nehmen ihr die Butter vom Brot und lassen den Jahresgewinn einbrechen. Kommt hinzu, dass der Bank die Ideen für innovative Produkte (die noch erlaubt sind) ausgegangen sind und damit auch die Pipeline völlig leer ist. Vor diesem Hintergrund, und um ihren massiven Rückstand in der Digitalisierung aufzuholen, kauft sie in Rekordzeit den Hersteller von Finanz- und ERP-Software Abacus zum sagenhaften Preis von 450 Millionen Franken. Als Referenz gilt der Kauf von Bexio durch die Mobiliar. Durch geschicktes Verhandeln gelingt es Claudio Hintermann und seinen Partnern, einen zusätzlichen Aufschlag von gut 20 Prozent auszuhandeln. Die vielen Abacus-Händler und -Berater sind über die Akquisition weniger glücklich, müssen sie doch jetzt auch noch Bankprodukte an die Frau und an den Mann bringen.
 
Swisscom zieht sich aus den IT-Business zurück
Der Bund als Haupteigentümer von Swisscom entscheidet im Parlament, dass das Unternehmen den vielen privaten IT-Buden in der Schweiz ab sofort keine Konkurrenz mehr machen darf und verabschiedet dazu ein neues Gesetz. Dieses wird bereits auf den 1.7.2019 in Kraft gesetzt, so dass sich die Swisscom bis Ende des Jahres von all ihren IT-Geschäftszweigen und -Töchtern trennen muss. Davon profitiert vor allem die grossen, finanzkräftigen IT-Dienstleister, welche Swisscom beerben. Innerhalb des Unternehmens wird eine intensive Strategiediskussion über den Kern seines Geschäfts lanciert. Bis Ende des Jahres liegen noch keine brauchbaren Ergebnisse vor.
 
Media Markt wird schweizweit zur Nummer 1 im Online-Handel
Schweizer Konsumenten besinnen sich anders, wenden sich von Digitec-Galaxus und Brack ab und kaufen auf einmal wie wild nur noch bei Media Markt online. Die Umsätze der Platzhirsche brechen innert weniger Monate komplett ein, während derjenige von Media Markt explodiert. Bis heute kann sich niemand erklären, wieso das passierte. Auch Thomas Lang nicht.
 
Wir bekommen einen 8. Bundesrat für Digitalisierung
Die Digitalisierung nimmt im ersten Halbjahr massiv an Fahrt auf. Kurz bevor der Schweiz eine feindliche Übernahme durch die EU droht, welche dazu ein völlig neues, komplett digitales Geschäftsmodell entwickelt hat, zieht das Parlament die Notbremse. In Rekordzeit wird eine Verfassungsänderung durchgeboxt, welche einen 8. Bundesrat für Digitalisierung (CDB = Chief Digital Bundesrat) installiert. Am 8. September 2019 wird der geänderte Artikel 175 der Bundesverfassung von Volk und Ständen wuchtig (85 Prozent der Stimmenden und alle Stände sagen Ja dazu) angenommen. Bereits zwei Wochen später wird Dr. Thomas Flatt mit der Unterstützung aller Parteien in sein neues Amt gewählt.
 
Die Cebit wird in die Schweiz verlagert und in die Topsoft integriert
Nachdem die Cebit in Hannover zu Grabe getragen wurde, bewirbt sich die Topsoft um die frei gewordene Marke. Der Deal kommt schnell zustande, so dass bereits die Topsoft vom 28./29. August 2019 zusammen mit der Cebit ausgetragen wird. Die Umwelt Arena in Spreitenbach ist dafür allerdings ein bisschen zu klein, so dass die IT-Messe – sie heisst neu CeTop – auf dem Messekomplex Palexpo in Genf veranstaltet wird. An zwei Tagen besuchen 250'000 Besucher die neue Messe.
 
Bedag bekommt zwei weitere CEOs
Bedag wird mit zwei zusätzlichen Herausforderungen konfrontiert und beschliesst zu deren Bewältigung, nochmal zwei zusätzliche CEO's zu engagieren. Es wären dann bereits vier. Der politische Kampf um die beiden neuen Positionen ist Ende 2019 noch in vollem Gang.
 
Microsoft Schweiz installiert eine Geschäftsleitung aus KI
Microsoft in Redmond entscheidet sich für einen bahnbrechenden Feldversuch im eigenen Konzern. Die bestehenden Geschäftsleitungsmitglieder von Microsoft Schweiz werden alle im Konzern wegbefördert und durch eine KI ersetzt. Die Schweiz hat man einerseits wegen ihrer hohen Digitalisierungskompetenz und ihrer ETHs ausgewählt, andererseits, weil ein Scheitern aufgrund der Kleinheit des Landes keinen allzu grossen Impact auf das Gesamtbusiness von Microsoft hätte.
 
Schweizer Datacenter-Anbieter wachsen zur Nummer 1 im Cloud-Geschäft
Nachdem der Supreme Court in den USA entscheidet, dass die Schweiz aufgrund ihrer Neutralität vom Cloud Act nicht betroffen ist und somit die US Behörden keine rechtliche Handhabe haben, um Daten auf Schweizer Servern konfiszieren zu lassen, brechen alle Dämme. Bis Ende des Jahres migrieren über 80 Prozent aller Dow Jones Konzerne ihre Daten zu Schweizer Datacenter-Anbietern. Um den dadurch gesteigerten Strombedarf decken zu können, muss die Schweiz allerdings fünfmal mehr Strom importieren als noch im Jahr davor. Leider stammt ein Grossteil dieses Stroms aus Atom- und Kohlekraftwerken.
 
IT-Dienstleister liefern endlich, was Kunden wollen
Niemand weiss wieso, aber ab Mitte 2019 liefern IT-Dienstleister Produkte, Lösungen und Services, die ihre Kunden wirklich wollen. Der Kunde steht bei allen Firmen wie von Zauberhand verschoben im Mittelpunkt. Verkäufer und Projektleiter interessieren sich auf einmal für das Business ihrer Kunden und konzipieren und realisieren perfekt passende und extrem nutzenbringende IT-Lösungen. Die Kunden sind begeistert. Die Schweiz gewinnt damit innert kürzester Zeit massiv an Produktivität und an Wettbewerbsfähigkeit und festigt damit ihren Platz als unangefochtene Nummer Eins im internationalen Ranking.
 
Last but not least – Bechtle korrigiert seine Vision um Faktoren
Bereits nach dem ersten Quartal stellt Bechtle fest, dass man sich bei der "Vision 2030" verrechnet haben. Die Fehler werden korrigiert und das Umsatzziel in der Vision 2030 verzehnfacht. Nachdem Swisscom sich von seinen IT-Geschäften trennen muss (siehe oben), gelingt es Bechtle, die Vision 2030 bis Ende 2019 bereits zur Hälfte zu erfüllen.
Freuen wir uns also auf ein extrem spannendes neues Jahr. Ich wünsche allen meinen Lesern an dieser Stelle ein besinnliches Weihnachtsfest im Kreis ihrer Familien und dann einen guten Rutsch in ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr 2019. Es wird uns nicht langweilig werden ;-). (Urs Prantl)
 
Urs Prantl (56) arbeitete über 20 Jahre als Softwareunternehmer. Mit seiner Mission "wir kreieren zukunftssichere Unternehmen" begleitet er als Strategiementor seit Ende 2011 etablierte, inhabergeführte KMU aus der ICT auf ihrem Weg in eine selbstbestimmte und erfolgreiche unternehmerische Zukunft. Er äussert als Kolumnist für inside-channels.ch seine persönliche Meinung.