Google-Contractors: "Institutioneller Rassismus, Sexismus und Diskriminierung"

Sie bilden die Mehrheit der Google-Mitarbeiter und nun protestieren auch sie. Die Contractors sehen sich als Mitarbeiter zweiter Klasse.
 
Intern protestierende Angestellte sind ein Problem für Arbeitgeber. Öffentlich gegen den Arbeitgeber protestierende Angestellte sind ein grösseres Problem. Und immer neue Angestellte, die wegen immer neuen Themen öffentlich protestieren, sind für das Employer-Branding ein Super-Gau.
 
Und genau dies widerfährt aktuell Google. Erst protestierten die Angestellten dagegen, dass der Konzern bei militärischen Projekten mitmache. Dann gingen sie wegen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz weltweit auf die Strasse. Als dritte Aktion forderten Angestellte, die Pläne für eine zensierte Google-Suche für China zu beerdigen.
 
Nun kommt der vierte Protest innert wenigen Wochen. Diesmal protestieren die Contractors, welche laut 'Bloomberg' mehr als die Hälfte der Google-Angestellten ausmachen. Einige von ihnen schrieben Konzernchef Sundar Pichai und fordern bessere Bedingungen für die Tausenden von Contractors. Dies meldet 'Bloomberg'.
 
Es gibt gleich mehrere Ursachen für die Unzufriedenheit von Software-Engineers, Marketeers und dem Kantinenpersonal: Dazu zählen die nach Protesten neu überarbeiteten Richtlinien zum Umgang mit Anschuldigungen wegen sexueller Belästigung. Die Konzernleitung habe die Contractor in diesen weitgehend ignoriert.
 
Des Weiteren beschweren sie sich im offenen Brief, dass sie relevante E-Mails nicht erhalten und nicht an Meetings teilnehmen dürften. Ein konkretes Beispiel: Während einer Schiesserei bei YouTube seien nur Festangestellte gewarnt worden, Contractors hingegen nicht: Man habe sie "ohne Verteidigung in der Feuerlinie stehen gelassen".
 
Laut 'Bloomberg' sieht das Google ganz anders: die Informationen zur Schiesserei und Warnungen seien an die Arbeitgeber der Contractors gesendet worden. Zudem habe man nach der Schiesserei erst ein Townhall-Event mit Festangestellten durchgeführt und die Contractors zu einem separaten Informationsmeeting eingeladen. Weitergehend kommentierte eine Google-Sprecherin den Brief und die Forderungen gegenüber der Agentur nicht.
 
Die Contractors, welche bei Arbeitsvermittlern beschäftigt sind, sehen dies nur als einen Kritikpunkt von mehreren. Sie fordern in ihrem offenen Brief Zugang zu jobrelevanten Informationen, die bislang nur Festangestellten vorbehalten seien. Zudem wollen sie Gehaltserhöhungen, bezahlte Ferien, bezahlte Krankheitstage sowie einen transparenteren Prozess zur Erreichung einer Festanstellung. Wieviele Google-Contractors die Forderungen unterstützen, ist aber unklar.
 
Zum Status Quo bei Google ziehen sie das härtestmögliche Fazit: "Der Ausschluss von Contractors von wichtigen Mitteilungen und fairer Behandlung ist Teil eines Systems von institutionellem Rassismus, Sexismus und Diskriminierung". (mag)