AWS wird zum Hardware-Verkäufer

"Outposts" sollen die AWS-Cloud in die Rechenzentren der Kunden bringen. Den Vertrieb sollen AWS- und VMware-Partner übernehmen.
 
Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, geht der Berg halt zum Propheten, scheint man sich bei Amazon Web Services (AWS) gesagt zu haben. Beziehungsweise wenn der Kunde nicht in die AWS-Cloud will oder kann, kommt die Cloud zu ihm.
 
AWS hat an seiner Konferenz re:Invent in Las Vegas angekündigt, ab der zweiten Hälfte des nächsten Jahres eine voll integrierte Hard- und Softwarelösung zu liefern. Die "AWS Outposts" sollen es Kunden erlauben, eine kleine AWS-Cloud im eigenen Rechenzentrum zu betreiben. Zielkunden sind Unternehmen, die nach besseren Möglichkeiten suchen, vor Ort laufende Applikationen nahtlos mit Cloud-Ressourcen zu verbinden. Eine nahtlose Integration würden zwar auch bestehende Produkte anderer Hersteller versprechen. Diese würden aber den Ansprüchen der Kunden nicht genügen, behauptet AWS. Das einzig Wahre für diesen Zweck sei die AWS-eigene Infrastruktur.
 
Diese AWS Outposts verwenden von AWS selbst designte Hardware. Die Racks sind konfigurierbar und enthalten alle notwendigen Compute-, Storage- und Netzwerkressourcen sowie die Software. Wer sie herstellen wird, wurde von AWS nicht bekannt gegeben. Geliefert, auf Wunsch installiert, verwaltet und gewartet werden sie von AWS. Der Vertrieb soll aber über Partner laufen, und zwar einerseits über AWS- und andererseits über VMware-Partner.
 
Mitstreiter VMware
VMware? Dies liegt daran, dass VMware stark an der Entwicklung der Outposts beteiligt war und ebenfalls ein grosses Interesse daran hat, sie an die Kundschaft zu bringen. Eine der beiden Varianten, in denen die Outposts geliefert werden sollen, ist nämlich zum Betrieb der VMware Cloud on AWS konzipiert. Diese Variante, genannt VMware Cloud on AWS Outposts, beinhalte ein komplettes Software Defined Datacentre à la VMware auf AWS. Zur Ausstattung gehört vSphere, NSX, und vSAN. Gemanaged wird der VMware-Outpost über die gleiche Konsole, wie VMware Cloud on AWS.
 
Die zweite Variante ist die native Version von AWS Outposts. Kunden können dafür die genau gleichen APIs und Kontroll-Interfaces nutzen, wie für AWS-Cloud-Services. Gegenwärtig haben einige Pionierkunden Outposts im Einsatz und können Elastic-Compute- und Elastic-Block-Store-Services darauf laufen lassen. Wenn die Outposts generell erhältlich werden, oder zumindest in den Monaten danach, so AWS, werden auch Datenbankservices, Services für Container, Kubernetes und MapReduce sowie die Machine Learning-Plattform SageMaker hinzukommen. Auch für AWS Native-Outposts gibt es vorintegrierte Software von VMware. Die "Cloud Foundation for EC2" beinhaltet NSX, vRealize und AppDefense. (hjm)