Schweiz: Online-Shopping im Ausland nimmt zu, trotz Vorbehalten

Mehr Ausgaben und miese Zahlungsmoral im E-Commerce, so eine aktuelle Umfrage.
 
Mehr als die Hälfte der Schweizer Konsumenten hat in den letzten zwölf Monaten mindestens eine Rechnung verspätet bezahlt. Über 50 Prozent davon gaben an, dass ihnen am Fälligkeitstermin Geld für die Begleichung gefehlt habe. Dies geht aus einer Umfrage von Inkasso-Spezialist und Bonitäts-Prüfer Intrum Justitia hervor.
 
In der nach eigenen Angaben repräsentativen Umfrage wurden rund 1000 Schweizern auch zu digitalen Konsumtreibern befragt. Rund ein Drittel gab an, dass soziale Medien ihren Konsum mit der Präsentation von Produkten und Lifestyle befeuere. Verstärkt werde dies durch die Möglichkeit jederzeit online einzukaufen und die Zahlung einfach abzuwickeln. So gab rund ein Drittel an, dieses Jahr mehr online auszugeben als noch im Vorjahr. 27 Prozent hielten fest, die Vorzüge des Online-Shoppings würden dazu verleiten, mehr einzukaufen als notwendig.
 
Zugleich ist die Zahlungsmoral für Online- und Versandhandels-Rechnungen besonders tief: Gleich hinter den Steuerzahlungen liegt die Kategorie auf dem zweitletzten Rang. Nur gerade 56 Prozent bezahlen die Rechnungen immer innerhalb der Zahlungsfrist. Spitzenreiter bei der Zahlungsmoral sind hinter Miete und Hypothek jene Dienste, die beim Konsumenten einfach eingestellt werden können: Internet, TV, Festnetz- und Mobil-Telefonie.
 
Online-Shopping: Trend zum Ausland mit einigen Vorbehalten
Der Trend beim Online-Shopping geht Richtung Ausland: Mittlerweile haben 40 Prozent der Befragten in den letzten zwölf Monaten E-Commerce-Angebote ausserhalb der Schweiz genutzt. Das europäische Ausland ist Spitzenreiter, dahinter folgt China und schliesslich die USA – was mutmasslich mit Aliexpress und Amazon zu tun hat, dies geht aber aus der Studie nicht hervor.
 
Es gibt allerdings Bedenken gegenüber ausländischen E-Commerce-Anbietern: So befürchten jeweils rund die Hälfte der Befragten mangelnde Qualität der Produkte, aber auch eine zu geringe Sicherheit bei der Angabe der persönlichen Daten. Auch die Angst vor Raubkopien und Sorgen um die Umwelt gaben jeweils etwas unter einem Drittel an. Zudem erwarten fast 70 Prozent, dass künftig Zollgebühren die Preisvorteile der ausländischen
Grafik: Intrum Justitia
Anbieter dämpfen werden. Noch 27 Prozent erklärten schliesslich, dass sie ganz grundsätzlich lieber bei einem Online-Händler im Inland einkaufen.
 
"Innovative Zahlungsmethoden lösen langsam die klassische Rechnung ab"
Nicht nur das Kaufverhalten, sondern auch die Zahlungsarten verändern sich laut Intrum Justitia. So gab über die Hälfte der Studienteilnehmer an, dass sie ihre Rechnungen lieber in digitaler als in Papier-Form erhalten würden – die Zahlen beziehen sich auf das Zahlungsverhalten im Alltag, also nicht nur auf E-Commerce.
 
Die neuen Lösungen von Zahlungsanbietern würden häufiger genutzt und würden langsam aber stetig die klassische Rechnung ablösen, prognostizieren die Studienersteller. Dabei gewinnen aber vor allem Zahlungen mit Kredit- und Debitkarten an Fahrt, die schon von 18 Prozent der Befragten täglich genutzt werden. Mobile Payment führt immer noch ein Nischendasein, wie auch die aktuelle Studie belegt: Auch wenn sich die Zahl der täglichen Anwender verdoppelt hat, bezahlen gerade Mal zwei Prozent jeden Tag damit.
 
Im monatlichen Gebrauch sind Rechnungen mit 60 Prozent immer noch am häufigsten. Dahinter folgt das Online-Banking mit 51 Prozent und schliesslich das Lastschriftverfahren mit 42 Prozent. Immerhin fast ein Viertel der Befragten gab an, mobile Payment einmal im Monat zu nutzen.
 
Die Studie (PDF) kann von der Website von Intrum Justitia heruntergeladen werden. (ts)