Abgang von Google-Cloud-Chefin sendet keine gute Botschaft aus

In Googles Cloud-Geschäft gibt es einen Führungswechsel. Die bisherige Chefin Diane Greene zieht sich zurück, die Führung übernimmt im kommenden Jahr der frühere Oracle-Manager Thomas Kurian. Er hatte den Oracle-Konzern, bei dem er zuletzt die Produktentwicklung leitete, erst im September verlassen.
 
Nach damaligen Informationen von Medien hatte er unter anderem Differenzen mit Gründer Larry Ellison über die Strategie. Kurian wollte demnach mehr Oracle-Software in Cloud-Services von Konkurrenten wie Amazon oder Microsoft laufen lassen – während Ellison auf die hauseigene Infrastruktur gepocht habe.
 
Greene, eine Mitgründerin von VMware, kam vor drei Jahren zu Google, als der Internet-Konzern das von ihr geführte Start-up Bebop übernahm. Sie schrieb im Blogeintrag zu ihrem Abgang, damals habe sie nur zwei Jahre in dem Job bleiben wollen. Jetzt wolle sie unter anderem Gründerinnen von Start-ups unterstützen.
 
Greene ist seit kurzem auch VR-Mitglied bei SAP.
 
Der IT-Newsservice 'The Information' berichtet zugleich von Spannungen mit anderen Google-Managern. So hätten Greenes Versuche, Cloud-Angebote zum Teil von Werbedeals mit Kunden zu machen, zu Verstimmungen in anderen Sparten geführt, hiess es unter Berufung auf informierte Personen.
 
Alphabet, Googles Mutterfirma, macht bislang 86 Prozent des Umsatzes mit Werbung. Laut 'Wired' hat der Cloud-Bereich von Google unter Greenes Führung zwar Fortschritte gemacht, aber auch Amazon und Microsoft haben ihr Cloud-Geschäft weiterentwickelt. Der Abgang deute darauf hin, dass sich das künftige Prio1-Businessfeld des Konzerns nicht wie erhofft entwickelt. Auch aktuelle Marktzahlen von Synergy deuten darauf hin, dass Google den Rückstand auf Amazon und Microsoft unter Greene nicht wirklich verkleinern konnte (s. Grafik oben).
 
Mit Greene verlässt zudem eine profilierte Tech-Frau das Top-Management des Konzerns und sie will explizit Frauen unterstützen. Das hilft auch nicht, das durch die weltweiten Proteste von Mitarbeitenden beschädigte Google-Image als frauenfreundlicher Arbeitgeber zu verbessern. "Greene sieht wohl bessere Umgebungen für sich", kommentiert 'The Register'. (mag/sda)