Swiss Testing Days: Wer muss als Speaker bezahlen, wer nicht?

Die Organisatoren von SwissQ müssen sich gegen Vorwürfe und eine Petition eines bekannten Testers wehren.
 
Ist es ein Sturm im Wasserglas oder ein ernsthafter Zoff in der Testing-Community? Diese Frage stellt sich, wer einen aktuellen Blog-Post des in der Szene relativ bekannten Testers Ilari Henrik Aegerter und einen Kommentar-Thread in LinkedIn liest.
 
"Ich habe meine Eingabe zum Swiss Testing Day 2019 zurückgezogen" so der Post des Managing Director, House of Test. Sein Vorwurf, den er an die Konferenz-Organisatoren von SwissQ richtet: "Von jedem Unternehmen, das Dienstleistungen erbringt, wird erwartet, dass es ein Sponsoring für die Konferenz kauft." Dies sei zwingend.
 
Aegerter, der früher bei den Swiss Testing Days involviert war und als Redner und in Workshops auftrat, will aus Prinzip nicht zahlen und glaubt, dass "Pay-to-speak" die Qualität von Konferenzen senke.
 
Nun haben die SwissQ-Konferenzen einen gewissen Status und gelten als unabhängig, auch wenn SwissQ selbst im Testing-Business ist und Aegerter auch Konkurrent. Adrian Zwingli, Gesellschafter und VR-Präsident bei SwissQ, reagiert auf Anfrage von den Vorwürfen sehr überrascht. Er wehrt sich in einer ausführlichen Stellungnahme gegen die Kritik von Aegerter: "Er kennt den Selektionsprozess der Referate und die klare Trennung zwischen inhaltlichen Vorträgen und dem Partner-Track sehr gut".
 
Im Prinzip geht es genau um diese Unterscheidung: Wer liefert primär spannenden Inhalt und wer hat primär Kundenacquise im Blick? Für letztere sei der Partner-Track gedacht, die ersteren treten im Hauptprogramm des Testing Days auf.
 
Natürlich würden Redner von Google, ZKB oder Lego nicht bezahlen für einen Auftritt, so SwissQ.
 
Partner und Test-Dienstleister seien nicht vom Hauptprogramm ausgeschlossen, wenn sie einen inhaltsfokussierten, unabhängigen Vortrag machen. Ob es sich um einen solchen handle, werde von einem Conference Board entschieden in einem vier-stufigen Selektionsprozess. Dieser Prozess habe sich seit zwölf Jahren bewährt, so Zwingli.
 
Was ist nun ein unabhängiger, inhaltlicher Vortrag für das Hauptprogramm und was ein Sales-Pitch im Partner-Track? Die Grenzen seien fliessend, so Zwingli. "Im Sinne der Fairness bitten wir Partner und Dienstleister deshalb, die Conference als Partner zu unterstützen. Das betrifft insbesondere Dienstleister im Testbereich, welche die Konferenz als Verkaufsplattform zu nutzen gedenken."
 
Diese Regeln seien auch Aegerter bekannt und klar kommuniziert, so Zwingli weiter. Sie würden nur die wenigsten Dienstleister betreffen, ausserdem bestünden Ausnahmen und wer nicht einverstanden sei mit dem Conference Board, der könne eine Neubeurteilung verlangen: Man werde seitens der Organisatoren dieses Verlangen "wohlwollend beachten", so Zwingli.
 
Trotz der Gespräche und E-Mails zwischen den Beteiligten zeigt sich Aegerter bislang uneinsichtig und hält daran fest, man habe von ihm "zwingend" ein Sponsoring verlangt. Er hat sogar – ein aussergewöhnlicher Schritt in der IT – eine Petition lanciert. So will er dafür werben, dass kein Test-Dienstleister für einen Auftritt an den Testing Days bezahlen soll. Für sich selbst reklamiert er bei kommerziellen Events nun Spesen als Redner und für Workshops ein Honorar.
 
Von den von Aegerter avisierten 1000 Unterschriften sind bislang 39 zu verzeichnen. Es wird sich zeigen, ob es SwissQ mit der differenzierten Stellungnahme gelingt, die Gemüter wieder zu beruhigen. Gedient ist mit dem öffentlichen Zoff jedenfalls niemandem. (Marcel Gamma)