Six will globale und Schweizer Cloud lancieren

Six steigt mit einer eigenen Cloud-Lösung inklusive IaaS, PaaS und Services ins Rennen. Und dies nicht nur für Banken. Der Verantwortliche Henrik Czurda erklärt, was Six genau plant.
 
Six hat Grosses vor: Der Finanz-Infrastrukturbetreiber will ein Cloud-Angebot schaffen, wie es derzeit nur von "globalen Anbietern aus Amerika und China" zur Verfügung gestellt wird. Dies zumindest erklärte Henrik Czurda, Head Bank-driven Innovation bei Six, in einem Interview mit dem Manager-Magazin 'C-Level'. Neben einer "hochsicheren" Schweizer Cloud soll auch eine skalierbare globale Cloud lanciert werden, die strikt vom hiesigen Angebot getrennt werde.
 
Infrastruktur- und Plattform-as-a-Service werden das Fundament der neuen Lösungen bilden. IaaS werde man von einem Technologiepartner beziehen, aber selbst "veredeln", erklärt Czurda gegenüber inside-it.ch. Auf Nachfrage konkretisiert er: "Wir setzen auf der Technologie eines lokalen Cloud-Resellers auf und werden den regulatorischen Teil sicherstellen. Ebenfalls ist die Kompatibilität mit dem Hyperscaler sichergestellt." Auch PaaS werde man mit Partnern angehen und per Design möglichst sicher und zugleich Finma- und BAG-compliant machen.
 
Die globale Cloud bestehe aus reiner Standardtechnologie, skaliere global und bilde ein unlimitiertes Service-Angebot ab, erklärt Czurda. Sie adressiere preissensitive Kunden mit globaler Reichweite wie Grossbanken oder Privatbanken mit internationaler Ausrichtung. Die Schweizer Cloud richtet sich vor allem an regionale Retailbanken sowie Kantonalbanken oder Family Offices. Je nach Bedürfnis könnten die beiden Angebote verknüpft werden.
 
"Wir verstehen uns als Appstore für Finanzplatz-Funktionalitäten"
Zudem will Six Engineering- und Beratungsservices anbieten, die Kunden die technologische Transformation erleichtern sollen. Auch biete man Unterstützung für Partner, die Services in der Six-Cloud anbieten wollen. Der Finanz-Infrastrukturbetreiber sei dabei, ein Ökosystem zu schaffen und Fintechs einzubinden, wie Czurda erklärt. Er vergleicht das Unterfangen mit dem App-Store von Apple. "Wir verstehen uns als Appstore für zukünftige Finanzplatzfunktionalitäten", so der langjährige Banking-Manager. Six stelle dabei die Plattform und die Grundvoraussetzungen wie Service-Beschrieb, Zusammenspiel der APIs, Service-Verrechnung, Applikationsbetrieb und Security bereit.
 
Ausserdem sollen eigene Dienstleistungen von Six in die neue Welt migriert und neue Services geschaffen werden. Vor allem Analytics und KI-Anwendungen seien bei den Kunden sehr gefragt, so Czurda. Ausserdem sei es ein grosses Bedürfnis, die Komplexität von IT und Operations drastisch zu senken und rasch Lösungen für die eigenen Kunden einzuführen.
 
Wachstumsträchtiger Markt… Vorteile für Six?
Ausschlaggebend für den Entscheid, auf eine eigene Cloud zu setzen, war die Verabschiedung des Cloud-Acts in den USA. Dieser verpflichtet US-Unternehmen, Daten an Behörden auszuliefern, auch wenn diese nicht in den USA gelagert werden. Deshalb ist die Regulierung von Seiten Finma und BAG für die Nutzung der Clouddienste restriktiv. Dies habe dazu geführt, dass ausländische Services wenig genutzt wurden und darum der "Investitionsstau" in der Finanzindustrie besonders hoch sei. Der Nachholbedarf sei hier immens, erklärt Czurda.
 
Der Markt wachse zudem in den nächsten Jahren signifikant und man sei auch noch nicht zu spät, ist sich der Manager sicher. Derweil haben auch andere Anbieter Schweizer Cloudlösungen angekündigt: IBM und Avaloq haben im Juni erklärt, bereits ab dem zweiten Halbjahr 2018 gemeinsam eine "Swiss Banking Cloud" anzubieten. Banken-IT-Dienstleister Inventx bietet unter anderem seine "Swiss Financial Cloud" und will Ende 2019 eine "Open Finance Plattform" lancieren, auf welcher Fintechs ihre Dienste anbieten können. Auch Google hat angekündigt beim Ausbau seiner Cloud-Dienste in der Schweiz insbesondere auf den Banken-Sektor abzuzielen.
 
Man sehe Platz für mehrere grosse Player im Markt, sagt Czurda. Der Six-Manager sieht aber auch Vorteile für sein Unternehmen. "Die Banken in der Schweiz hätten gerne eine vertrauensvolle, von ihnen überwachte, kontrollierte und neutrale Infrastruktur für den Finanzplatz. Diese Rolle haben wir ja auch als der zentrale Betreiber der wichtigsten Finanzmarktsysteme." Auch sonst will man sich von Swisscom, Inventx und Avaloq/IBM differenzieren. Die bisherigen Beispiele zeigten, dass alte und eher monolithische Systemlandschaften in neuen Betriebsmodellen angeboten würden statt grundsätzlich zu überlegen, wie man service-basiert ein System effizient neugestalten könne. Mit dieser Einschätzung im Rücken entwickle man nun Services mit den Kunden zusammen und strecke dabei die Fühler auch nach Kunden ausserhalb des Banking-Sektors aus. Auch ausländische Kunden seien an sicheren Services aus der Schweiz interessiert.
 
2019 soll der erste Service ausgerollt werden
Man habe für das Cloud-Konzept bereits die interne Unterstützung erhalten und würde nun die Details konzipieren und die Lösung aufbauen, so Czurda. Zudem laufe derzeit das Partner-Assessment. Six will die grundlegend funktionsfähige Infrastruktur rasch aufbauen und den ersten Service bereits im vierten Quartal 2019 anbieten. Bis das ganze Portfolio stehe, werde es allerdings noch länger dauern. (Thomas Schwendener)