Diese Cloud-Dienste wird Microsoft aus der Schweiz anbieten

Wird Azure Schweiz teuer? Was kommt woher? Microsoft Schweiz gibt Auskunft.
 
Bekanntlich will Microsoft schon ab 2019 Cloud-Dienste aus Schweizer RZs anbieten. Erst sollen IaaS- aber auch PaaS-Angebote wie Azure SQL Database lanciert werden. Anschliessen sollen dann in einigen Monaten Abstand Office 365 Schweiz sowie Dynamics Schweiz ausgerollt werden. Dies sagte Primo Amrein, Cloud Lead bei Microsoft Schweiz, zu seinem Partner ProCloud.
 
Die Preise für Office 365 Schweiz sollen gleichbleiben wie die bisherigen Angebote, so Amrein. Für Azure würden man die Preise aber erst kurz vor Launch bekannt geben. ProCloud geht nun davon aus, dass die Kosten für Azure Schweiz rund zehn bis 15 Prozent höher ausfallen dürften, als etwa das Angebot aus Amsterdam und Dublin. Baggenstoss-CEO Michael Kistler teilt diese Einschätzung. Es werde eine Preisdifferenz zu den bekannten Azure Services Preisen geben. Er gehe aber davon aus, dass Azure Services kompetitiv zu anderen Cloud-Anbietern sein werde, so Kistler.
 
Man könne derzeit noch keine Angaben zum Preis machen, darum seien dies Spekulationen, sagt Amrein auf Anfrage zu inside-channels.ch. Aber er gibt Auskunft, welche konkreten Dienste aus der Schweiz angeboten werden. Zwar stehe es noch nicht im Detail fest, aber das Angebot würde sich ähnlich wie in Frankreich ausgestalten: Dort sind die wichtigsten Dienste wie Exchange Online, OneDrive for Business oder SharePoint Online im Land selbst, während Skype for Business aus Irland und den Niederlanden angeboten wird. Auch die Office 365 Dienste werden aus Frankreich selbst oder zumindest Europa angeboten, während Sway und Yammer aus den USA zur Verfügung gestellt werden.
 
Bestehende Office 365 Tenants könnten künftig in die Schweiz verschoben werden. Man müsste aber mit einer Dauer von maximal 24 Monaten rechnen, so Amrein. Die Lizenzverträge würden auch für die Services aus den Schweizer RZ bestehen bleiben, damit sei Irland weiterhin Gerichtsstand. Microsoft verpflichtet sich in den Verträgen, die einschlägigen Gesetze einzuhalten. Entsprechend kommt wie bisher bei Microsoft Online Services auch das schweizerische Datenschutzgesetz zur Anwendung.
 
Neue Schweizer Tochter von Microsoft
Für den Betrieb wurde ein Schweizer Tochterunternehmung gegründet, die im Besitz von Microsoft ist. Die Firma untersteht also Schweizer Recht, so Amrein. Aber als Tochter eines amerikanischen Unternehmens wird der Cloud-Act wohl auch auf die Schweizer Firma und damit auf die hierzulande gelagerten Daten Anwendung finden.
 
In Deutschland bietet, oder besser bot, Microsoft mit der Deutschen Telekom eine Treuhänder-Cloud an, in der der US-Konzern von den Daten ausgeschlossen ist. Dieses Modell hat sich aber als zu teuer herausgestellt, ausserdem waren Kunden unzufrieden mit der Auswahl an Services. Diese ist eingeschränkt, weil es sich um eine isolierte Umgebung handelt. Nun sucht man für das Angebot keine Kunden mehr und plant stattdessen einen RZ-Eigenbetrieb in Deutschland. Das Modell sei für die Schweiz gar nie in Frage gekommen, so Amrein. Deshalb habe der Entscheid auch keine Auswirkungen auf die Schweiz. (Thomas Schwendener)
 
Update 30. Oktober: Artikel mit Statement von Baggenstoss-CEO Michael Kistler ergänzt.