Smart City: "Die monetäre Verteilung in den Businesscases ist noch unklar"

Stefan Metzger. Bild: ts
Schranken und Perspektiven: Swisscoms Smart-City-Head Stefan Metzger im Gespräch.
 
Swisscoms Enterprise Business schwächelt und brachte dem Telco im ersten Halbjahr 2018 weniger Umsatz ein, als noch im ersten Semester des Vorjahres. Allerdings zeigte sich der Blaue Riese bei der Verkündung der Zahlen zuversichtlich und verwies auf eine gute Nachfrage nach Cloud-, IoT- und Security-Dienstleistungen im Bereich "Solutions", der zum Grosskundengeschäft gehört.
 
In diesem Bereich ist auch das neue Smart-City-Team angesiedelt, das seit dem 1. März 2018 von Stefan Metzger geleitet wird. Die Abteilung trägt derzeit noch einen unbedeutenden Beitrag zum Umsatz und Gewinn des Blauen Riesen bei. Aber das Thema Smart City sei wichtig, wie Swisscoms Enterprise-Chef Urs Lehner kürzlich erklärte. Man scheint beim Telco einige Hoffnung in das Thema zu setzen.
 
Bei einem Besuch von inside-channels.ch betonte Metzger, dass sich die Abteilung noch im Aufbau befinde. Derzeit umfasst das Kern-Team drei Personen, während insgesamt acht Leute einen Fokus auf das Thema Smart City haben. Man werde noch nicht am Umsatz gemessen, sondern baue ein Ökosystem auf und schaffe Verständnis und Goodwill bei künftigen Kunden und Partnern.
 
"Wir sind noch in der Phase, in der wir das Verständnis für das Thema schärfen", so der ehemalige Leiter des Smart-City- und IoT-Programms der Schweizerischen Post. Es sei aber schon einiges passiert. Während man früher nach den grossen Projekten Ausschau gehalten habe, könne man heute eine Tendenz hin zu kleinen realistischeren Projekten beobachten, die dann auch tatsächlich in die Wege geleitet würden.
 
Daten, Daten, Daten… Sensoren und Analytics
In Mitteilungen von Städten wie Zürich oder Winterthur zu Smart City kriegt man gemeinhin einen bunten Strauss an digitalen Stadtplänen, WLAN-Hotspots oder elektronischen Behördengängen präsentiert. Das Gespräch mit Swisscoms Smart-City-Chef dreht sich hingegen relativ schnell um das Sammeln und Auswerten von Daten. Und mittelfristig geht es natürlich auch darum, mit den Erkenntnissen aus den Daten ein Geschäft zu machen – also die Insights aus den Daten zu verkaufen.
 
Die Daten müssen aber erstmal detailliert gesammelt werden. Von gewöhnlichen Sensoren über intelligente Mäusefallen bis zu klugen Würfeln zeigt das Team eine ganze Armada an Datensammlern. Dabei sei Energieeffizienz besonders wichtig, die sich auch kostenseitig stark bemerkbar mache, erklärt Metzger.
 
Sind die Daten erstmal zusammen, müssen sie natürlich ausgewertet werden, um Schlüsse ziehen zu können. Dazu seien vor allem die Cloud-Infrastrukturen sehr hilfreich. Die technischen Rahmenbedingungen scheinen also nicht schlecht zu sein.
 
Von Swisscoms Kernkompetenz zu neuen Services
"Wir verfolgen derzeit vor allem datengetriebene Ansätze, aber natürlich umfasst unser Portfolio mehr", sagt Metzger. Unter dem Stichwort "Human Smart City" fasst Swisscom acht Bereiche zusammen, von Logistik über Ökonomie bis zur Umwelt.
 
Vertikal unterteilt man beim Blauen Riesen die Architektur von Smart City in drei Ebenen: Im untersten Layer befindet sich die Infrastruktur der Stadt von den Häusern und Strassen bis zu den IT-Netzwerken, die zum eigentlichen Kerngeschäft von Swisscom gehören. Hier dürfte dann auch das Smart-City-Team von Swisscom einige Vorteile für sich verbuchen können, da der Mutterkonzern die Infrastruktur für die Netzwerke oder Data-Processing und -Storage zur Verfügung stellt.
 
Darüber erhebt sich die zweite Ebene, der sogenannte Digital Technology Layer, der im Fokus von Swisscoms Smart-City-Team steht, und folgende Bereiche umfasst: IoT, IAM, KI, AR, Security. Als zentralen Aspekt nennt Metzger die Insight-Plattformen, mit welchen die Basis für die Entscheidungen geschaffen und diese visualisiert werden können.
Darauf schliesslich setzt erst der Service-Layer auf, das was die Einwohner einer Stadt dann vor allem von Smart Cities mitkriegen. Dies sind die Dienstleistungen, die basierend auf der technologischen Grundlage konkret angeboten werden. "In diesem Layer sind wir nicht zu Hause, aber wir können hier gemeinsam mit Partnern Lösungen entwickeln", erklärt Metzger.
 
Man steht in "intensiver Diskussion" für Projekte
Das Team soll vor allem das bestehende Portfolio von Swisscom im Kontext von Smart City ausrollen. Das Hauptaugenmerk liegt deshalb darauf, die Kompetenzen der verschiedenen Abteilungen von Swisscom zusammenzubringen. Konkrete Projekte sind am Entstehen, man führe "intensive Diskussionen".
 
Derweil baut Swisscom auch Partnerschaften in dem Bereich auf. So ist etwa der breit abgestützte Smart City Hub Switzerland auch auf Initiative von Metzger entstanden. Dieser soll das Verständnis für das Thema und Partnerschaften fördern. Es gehe aber auch darum konkrete Projekte anzustossen und diese dann gemeinsam zu skalieren.
 
Wohin fliesst welcher Anteil des Geldes?
Die konkrete Verteilung des Geldes in den Business-Cases liege oftmals noch im Dunkeln. Von den Sensoren über die Auswertung der Daten bis hin zu den konkreten Services sei die Aufteilung des monetären Kuchens oftmals unklar. "Hier müssen wir dringend mit dem ganzen Ökosystem zusammensitzen".
 
Grosse Hindernisse seien zudem die unklaren Rollenverteilungen in Städten und der Partnerlandschaft. Dies verschärfe sich noch durch ein verbreitetes Silodenken und die Konkurrenz zwischen und innerhalb der Städte. "Viele Städte machen derzeit dieselben Erfahrungen mit Smart-City-Projekten, aber an Austausch mangelt es oft", so Metzger.
 
Sein Ausblick ist indes positiv, wie es sich für den Chef einer innovationsorientierten Abteilung gehört: In fünf Jahren werde Swisscom in einem Partnerökosystem leben und klare Business-Cases haben. Und auch den Bürgern werde klarer, was die positiven Aspekte von Datenauswertungen und Smart City sind. Metzger schliesst mit den Worten: "Ich arbeite mit meinem Team daran". (Thomas Schwendener)