Analytics ein Milliarden­grab? Hadoop bald tot?

Oliver Ratzesberger: "Hört endlich auf, euer Geld für Analytics auszugeben – investiert endlich in Antworten." (Foto: Harald Weiss)
Analytics gelten bei vielen Managern als ein Universal-Tool für alle Business-Probleme. Doch es mehren sich die Anzeichen, dass dem nicht so ist.
 
Analytics sind keine neue Business-Anwendung. Einstmals startete dieser Bereich als Untergruppe von Business Intelligence (BI). Doch immer mehr Daten, bessere mathematische Methoden und vor allem eine rasant zunehmende Rechenleistung haben aus der einstigen Nischenanwendung eine äusserst breit gefächerte Anwendungs-Technologie geschaffen.
 
Zu grosse Erwartungen
Inzwischen aber mehren sich die Hinweise, dass es vor allem bei den Topmanagern in Grossunternehmen einen überzogenen Glauben in die Möglichkeiten von Analytics gibt. So meinte der auf Analytics spezialisierte Software-Anbieter Teradata, dass der Boom bei den Analytics-Anwendungen bislang nur äusserst selten die erhofften Ergebnisse produziert habe. "Hört endlich auf, euer Geld für Analytics auszugeben – investiert endlich in Antworten", sagte der Teradata-COO Oliver Ratzesberger in seiner Eröffnungsrede zur diesjährigen Hausmesse "Analytics-Universe" in Las Vegas.
 
In einer eigenen Untersuchung kommt Teradata zu dem Ergebnis, dass drei Viertel aller Topmanager die bestehenden Analytics-Tools für zu komplex halten. Die Folge sei, dass inzwischen Milliarden bei der Entwicklung unnützer Analytics vergeudet worden seien, da die CIOs mit immer mehr Methoden und Technologien versuchen würden, die Kluft zwischen Erwartung und Machbarem zu schliessen. "Viele CIOs sagen mir, dass sie Produkte wie Vertica, Hana, Greenplum und Hadoop im Einsatz haben, doch damit würden keine Ergebnisse produziert." Ein Grund dafür sei auch die sich rasant ändernde Angebotslandschaft. "IBM hat soeben Netezza 'de-released‘, Vertica wurde zum zweiten Mal hintereinander verkauft, Greenplum ist jetzt Open Source und Hadoop wird über kurz oder lang wieder verschwinden", lautet seine Prognose. Hierzu verweist er auf die Fusion von Hortonworks und Hadoop. "Für mich ist das ein klares Zeichen, dass Hadoop bald am Ende ist", lautet seine Einschätzung.
 
Daten-Analphabeten
Doch nicht nur bei den Technologien gäbe es ein Defizit was Analytics angeht, sondern auch bei den Fragestellungen und Ergebnisinterpretationen. "Bei vielen Usern stossen die neuen Daten-basierten Entscheidungshilfen nicht immer auf das erforderliche Verständnis", sagt Forrester-Analystin Martha Bennet. Sie spricht von einer Art "Daten-Analphabetentum", das weit verbreitet sei. Beispielsweise liessen sich alleine durch die Art der gewählten Grafiken oder mit den jeweiligen Skalierungen unterschiedliche Trend-Eindrücke erwecken, die dann zu falschen Schlussfolgerungen führen können. Bennet spricht hier von einem Mangel an Datenkompetenz bei den Managern, auf den die Unternehmen zunehmend achten sollten.
 
Heterogene Datensilos
Neben den überzogenen Erwartungshaltungen oder fehlerhaften Interpretationen in den Fachbereichen gibt es aber auch IT-interne Ursachen für die schwachen Analytics-Ergebnisse. Laut Ratzesberger ist die Wurzel des Übels eine extrem heterogene Datenlandschaft mit vielen Silos, die kaum oder gar nicht zielgerichtet ausgewertet werden können. "Um relevante Antworten auf die akuten Business-Probleme zu erhalten, muss man zuerst bei den Datenbeständen Ordnung schaffen", lautet sein Rat an die Adresse der CIOs.
 
Hierzu empfiehlt er selbsverständlich eigennützig Teradatas neue Datenplattform Vantage. Das ist praktisch die Nachfolge-PLattform von Teradatas Everywhere, die vor zwei Jahren gelauncht wurde. In Vantage hat man jetzt viele Werkzeuge, Technologien und Anwendungen zusammengefasst, die das Auswerten von grossen heterogenen Datenbeständen erleichtern sollen. Kernstück ist eine relationale Datenbank sowie ein Objekt-Speichersystem, die beide über einen Highspeed-Bus verbunden sind. Hinzu kommen die Aster Graph-Datenbank und eine Machine-Learning-Engine.
 
Für diese Systeme arbeitet man an der Unterstützung von SQL, R, Phyton und JavaScript. Auch eigene und fremde Analytics-Tools sollen unterstützt werden, hierzu gehören unter anderen. Jupyter, R Studio und SAS. Vantages Objekt-Storage unterstützt semi-strukturierte und unstrukturierte Daten und es lässt sich mit Amazons S3 und Microsofts Azure BLOB verbinden. Zwar bestätigt Ratzesberger, dass die Zentralisierung aller Analyse-Funktionen unter dem Teradata-Schirm die Freiheitsgrade verringert, andererseits aber vor allem eine wesentlich geringere Komplexität schaffe. (Harald Weiss)