Media-Markt-Schweiz-Chef: Online sind wir schwach

Media-Markt-Schweiz-Chef Martin Rusterholz über "Erlebnisinseln", Preisdruck und neue Ideen. Media Markt will dem Preisdruck in der Branche mit mehr Dienstleistungen begegnen.
 
Der Elektronikhändler Media Markt will dem Preisdruck in der Branche mit mehr Dienstleistungen begegnen. Dazu werden in den grossen Media Märkten in der Schweiz sukzessive Erlebnisinseln und Reparaturstände eingebaut, wo die Kunden Geräte flicken oder konfigurieren lassen können.
 
In der Unterhaltungselektronik herrsche in der Schweiz ein immenser Preiskampf, den es so nirgends in Europa gebe, sagte Media-Markt-Schweiz-Chef Martin Rusterholz heute bei einem Rundgang in der umgebauten Filiale in Dietlikon im Gespräch mit der Nachrichtenagentur 'AWP'. Die Geräte seien hierzulande billiger als in Deutschland.
 
Angeheizt werde der Preiskampf von den beiden "orangen Riesen" Migros und Coop. Zudem übe das Internet Druck aus: In der Schweiz würden 30 Prozent der Geräte online bestellt. Nur in den Niederlanden sei der Anteil höher, sagte Rusterholz. Fast jedes zweite Notebook in der Schweiz werde im Internet bestellt. "Wenn man da nicht dabei ist, ist man weg."
 
Onlinegeschäft verschlafen
Media Markt habe den Onlinehandel bisher verschlafen, gestand Rusterholz ein: Nur 10 bis 15 Prozent des Umsatzes mache Media Markt Schweiz im Internet. "Da sind wir schwach." Absolute Zahlen nannte er nicht. Um Gegensteuer zu geben, hat Media Markt den Onlineshop erneuert.
 
Aber wenn man 85 bis 90 Prozent des Umsatzes mit den Geschäften mache, wäre es fatal, nicht in die Läden zu investieren. "Ich glaube nicht, dass die Läden untergehen werden." Denn es gebe ein paar Dinge, die das Internet nicht könne.
 
So könnten die Leute die Geräte im Laden anfassen und sofort mitnehmen. Zudem könnten sie sich inspirieren lassen. Natürlich werde der Onlinehandel zunehmen, sagte Rusterholz. In diesem Verdrängungskampf will er die Kunden mit neuen Angeboten locken.
 
"Mit den Läden kann ich die Kunden auf allen Kanälen bedienen. Das kann man online nicht. Wir haben 27 Media Märkte. Zudem haben wir Kooperationen mit dem Distributor Also und der Post. Wir haben insgesamt 2'200 Abholstationen in der Schweiz."
 
Kochkurse und Gratis-Kaffee
"Wir wollen den Margendruck mit mehr Dienstleistungen kompensieren", sagte Rusterholz. Neu gibt es beispielsweise einen Beauty Corner, wo man sich die Haare oder den Bart schneiden lassen kann, wie Rusterholz sagte. Auch Geräte wie beispielsweise Föhns könnten dort ausprobiert werden.
 
In einer Showküche würden Kochkurse geboten. An einer Gamerstation könnten Computerspieler die neuesten Spiele auf grossen Bildschirmen ausprobieren. Zudem gebe es eine Kaffeeinsel, wo man Kaffeemaschinen und Kaffeemischungen testen könne.
 
An einem grossen Workshoptisch würden Kurse beispielsweise für Photographie oder iPads geboten. Gewisse Einführungskurse seien gratis. "Wenn der Kunde mehr will, muss er bezahlen", sagte Rusterholz. Wenn man einen Fachmann habe, könne man leichter Fragen stellen, als wenn man ein Youtube-Video anschaue. Für kleine Kinder gibt es eine Betreuung.
 
An der so genannten Smartbar werden Geräte repariert und konfiguriert. Dies gelte auch für Fremdgeräte. Die Zeiten, in denen Media Markt nur ein Gerätehändler gewesen sei, seien vorbei. Der Lieferservice bringe und installiere die neuen Geräte und nehme die alten mit.
 
Die Erlebnisinseln seien ein Test: Man werde schauen, was bei den Kunden ankomme und was nicht, sagte Rusterholz. (sda/hjm)