Bleibt Bedag ein Stachel im Fleisch von privaten IT-Firmen?

Bedag wird nicht verkauft, aber soll private Anbieter weniger konkurrieren, so der Berner Regierungsrat. Der Berner KMU-Verband ist damit nicht zufrieden.
 
Die Aktien von Bedag gehören zu 100 Prozent dem Kanton Bern und er will sie auch nicht verkaufen, wie der Regierungsrat letzte Woche in einem Bericht an den Berner Grossen Rat mitteilte.
 
Allerdings denkt der Regierungsrat darüber nach, wie die beiden Geschäftsbereiche Infrastruktur und Software getrennt werden können, beispielsweise in zwei Aktiengesellschaften unter einem Holding-Dach.
 
Die Konsequenzen, falls diese Idee Realität würde: Die "Bedag-Rechenzentrums-AG" würde 75 Prozent des Umsatzes mit der Berner Verwaltung machen, möglicherweise 80 Prozent, rechnet 'Der Bund' vor. Das würde Ausschreibungen laut Beschaffungsrecht, beziehungsweise einem EU-Gerichtsurteil, unnötig machen.
 
Die "Bedag-Software-AG" würde bei diesem Konzept laut 'Bund' etwa 50 Prozent des Umsatzes mit dem eigenen Besitzer erzielen, die andere Hälfte auf dem freien Markt.
 
In der heutigen Struktur erzielt Bedag mit Dritten – mit anderen Kunden als dem Kanton Bern – rund 25 Prozent des Umsatzes. Künftig soll dieser Anteil laut Regierungsrat auf maximal 20 Prozent des Umsatzes absinken. Damit soll die kantonale Firma weniger dominant auf dem Berner Markt als bislang auftreten.
 
Inwiefern ist der Verband Berner KMU zufrieden mit der Absicht des Regierungsrats? Der Verband hatte im Vorfeld kritisiert, dass Bedag im Kanton Bern praktisch ein Monopol für grössere IT-Dienstleistungen habe und entsprechend den Markt wie die Preise prägen könne. "Private Anbieter haben kaum Chancen, der öffentlichen Hand IT-Lösungen anzubieten", lautete der Vorwurf.
 
Und der Gewerbeverband bleibt auch jetzt kritisch: "Der Vorschlag des Regierungsrats löst das grundsätzliche Problem der ungleich langen Spiesse nicht," so Nina Zosso, Leiterin Kommunikation beim Verband Berner KMU, auf Anfrage von inside-channels.ch.
 
"Bedag wurde gegründet, um die IT-Bedürfnisse der kantonalen Verwaltung abzudecken. Mittlerweile hat die Firma ihren Wirkungskreis weit über den Kanton Bern und die Verwaltung erweitert. Das finden wir problematisch", so Zosso.

Es gebe für den Verband zwei mögliche Lösungen: "Entweder wird Bedag mit anderen Informatikanbietern auf dem Markt gleichgestellt, das heisst, der Kanton Bern unterstellt alle Informatikdienstleistungen dem öffentlichen Beschaffungsrecht, oder die Firma wird verkauft".
 
Für Matthias Stürmer, Leiter der Forschungsstelle Digitale Nachhaltigkeit der Universität Bern, wäre die vom Regierungsrat angestrebte Lösung "ein sinnvoller Kompromiss". Entsprechend lässt er sich im 'Bund' zitieren. Die Aufteilung sei auch ordnungspolitisch sinnvoll.
 
Einer der lautstärksten Kritiker der Bedag-Eigentumsverhältnisse, GLP-Grossrat Michael Köpfli, überlegt laut Berner Medien nun, den Bedag-Verkauf erneut auf die Traktandenliste des Grossen Rats zu setzen.
 
Die Analyse der "Holding-Idee" soll bis Ende 2019 abgeschlossen sein, die Resultate müssen Berner Regierungsrat und Parlament dann prüfen. (mag)