ICT-Reseller-Index: Wolken ziehen auf

(Source: Proseller AG, 2018)
Nach einem schwachen August sollte es im September wieder bergauf gehen. Der Trend zu mehr Dienstleistungen und rückläufigem Handelsgeschäft wird sich fortsetzen.
 
Business as usual… Das Handelsgeschäft beim Reseller wird zunehmend zum Beiwerk und die Dienstleistungen rund um die Digitalisierung sind ermutigend. Für die Reseller-Kunden ziehen aber neue Gewitterwolken auf, wenn Amerika die Datenleitungen kappen oder der EU weitere Länder unkoordiniert abhanden kommen sollten. Das zunehmend unsichere, politische Umfeld erfordert für ICT-Funktionen deshalb eher regionale und nationale Partnerschaften, um dauerhaft unabhängig und stabil zu bleiben. "Think Swiss" wird zukünftig wieder stärker gefragt sein.
 
Der August 2018 liegt mit 54 Punkten um sechs Prozent unter dem Juli-Wert und mit minus 13 Prozent weiter deutlich unter dem August vom Vorjahr. Auch dieser Berichtsmonat setzt, wie seine Vorgänger, den Trend mit rückläufigem Handelsgeschäft beim IT-Reseller fort. Wie im Juli-Report bereits prognostiziert, ist auch der August 2018 ein typischer Sommermonat mit saisonal bedingtem schwächerem Geschäftsverlauf. Wie befürchtet unterstützte das sehr warme Wetter diesen Trend.
 
Wolken am Horizont müssen erkannt werden
Statistisch gesehen geht es mit dem September nun üblicherweise wieder bergauf. Der generelle Trend zu mehr Dienstleistungen beim ICT-Reseller und einer sich weiter verlagernden Prozessabwicklung in die Cloud oder zu Outsourcing-Partnern wird sich aber bis auf Weiteres fortsetzen. Wo es hier in den nächsten Jahren zu einem neuen Plateau kommt, ist noch nicht zu erkennen.
 
Die Geschichte zeigt aber auch, dass Zentralisierung und Dezentralisierung sich immer in einer Pendelbewegung abwechseln. Der in den letzten 20 Jahren dominante Trend zur Zentralisierung von IT-Prozessen ist deshalb kein Naturgesetz, nur weil er schon länger läuft.
 
Die aktuellen Diskussionen um Datenhoheit, Datenmissbrauch, globale Monopolisierung auf wenige – in der Regel amerikanische oder chinesische Unternehmen – aber auch der Brexit und die chaotische Regierung in den USA führen langsam zu einem Umdenken. Inzwischen ist allen klar, dass die Datenverarbeitung und -speicherung ein erfolgskritischer Faktor ist, den man nicht beliebig ins Ausland oder zu internationalen Grosskonzernen verlagern darf. Wenn Amerika und China sich öffentlich auf sich fokussieren, dann sollten bei den Schweizern die Alarmglocken läuten. Wer Macht hat, der wird diese auch irgendwann einsetzen.
 
Der Zugang zu Servern im Ausland und auch die generelle Verfügbarkeit
Umsatzanteil: aktueller Monat (aussen) vs. Dezember 2014 (innen). (Source: Proseller AG, 2018
von Technologie aus dem Ausland kann sehr schnell und plötzlich zu Ende sein. Zumindest das Risiko sollten alle kennen und sich auf ein solches Szenario einstellen.
 
Vierte Phase der digitalen Transformation vordenken
Im letzten ICT-Reseller-Report hatten wir berichtet, dass die meisten Unternehmen mit ihren ICT-Dienstleistern zusammen in der dritten Phase der digitalen Transformation angekommen sind. Nach technischer Aufrüstung (Phase I) und dem Umbau von Prozessen (Phase II) kämpfen nun die meisten mit dem Faktor Mensch.
 
Dieser muss sein Verhalten oder noch besser seine Einstellung ändern, um die neuen, digitalen Möglichkeiten auch leben zu können. Diese dritte Phase der digitalen Transformation ist ein Change-Management-Marathon. Die Digitalisierung muss nun von einem weiteren Blickwinkel betrachtet werden: Die Perspektive der Partnerschaften.
 
Um sich auf die am Horizont abzeichnenden Wolken bezüglich internationalen Konflikten und möglichen technischen Bruchstellen schon einmal vorzubereiten, sollte jeder Transformationsmanager regelmässig einen Audit betreffend Partnerschaften durchführen. Welcher Partner verfügt zuverlässig über Ressourcen in der Schweiz? Wie abhängig ist dieser von ausländischen Geschäftspartnern und internationalen Konzernvorgaben?
 
Nur wer auch zukünftig auf zuverlässige Partner zurückgreifen kann, wird die vierte Phase der digitalen Transformation überstehen, wenn es darauf ankommt. Es muss nicht regnen, aber wer Gewitterwolken sieht, der tut besser daran, sich einen Regenmantel zu besorgen. Die Schweizer ICT-Reseller und IT-Dienstleister hätten viele gute Regenmäntel im Angebot. (Thomas Czekala)
 
Über den Autor:
Thomas Czekala ist Verwaltungsrat der ProSeller AG.
 
Zum ICT-Reseller-Index:
Der Index wird täglich ermittelt und einmal monatlich für den laufenden Monat fixiert. Er basiert auf den anonymisierten Suchaktivitäten der ICT-Reseller bei Verwendung der Concerto-Software-Suite und repräsentiert damit ein jährliches Einkaufsvolumen von circa 1,5 Milliarden Franken beziehungsweise rund 20'000 Abfragen pro Tag.