ERP-Nutzer sind an mobilen Lösungen und Blockchain interessiert

Trovarit hat erneut den ERP-Markt im DACH-Raum analysiert, von der Kundenzufriedenheit bis hin zu Markttrends. Eine Grundaussage früherer Reports enthält auch "ERP in der Praxis 2018/2019" und hat nun den Status einer Marktweisheit: Die höchste Kundenzufriedenheit haben ERP-Lösungen mit nicht allzu vielen Funktionalitäten, Branchenlösungen und primär diejenigen von kleineren Anbietern mit überschaubarem und gepflegtem Kundenstamm.
 
Sie schaffen es besser, ihre Kunden zufriedenzustellen, als die grossen Alles-Könner-ERPs wie SAP ERP oder MS Dynamics NAV. Wobei die Zufriedenheit mit den Grossen seit 2016 – der letzten Kundenumfrage – sichtlich gestiegen ist.
 
Ebenso wie 2016 sagen die Kunden, sie seien primär glücklich, wenn sie auf einer neuen Technologiebasis aktuelle Releases nutzen können und die Usability ihres ERPs gut sei.
 
Generell gute Noten über's Gesamte hinweg erhalten wie schon im letzten Report die beiden Schweizer Lösungen "Tosca" von Dynasoft und OpaccERP.
 
Nicht mobil, keine Dokumentation…
Die Kritikpunkte der Kunden an ERP-Lösungen sind ähnlich wie vor zwei Jahren schon: Die Kunden wünschen mobile Lösungen mit App-ähnlichen Funktionen, die Anbieter aber tun sich schwer damit.
 
Das mag an der technologischen Basis mancher Systeme liegen und/oder den beträchtlichen Investitionen, die ein Anbieter für die mobile-Fähigkeit tätigen müsste. Immerhin bilanzieren die Studienautoren eine "Trendwende" hin zu Lösungen, die man mit dem Smartphone oder dem Tablet nutzen kann.
 
Ebenfalls Dauerkritik üben ERP-Nutzer daran, dass die Dokumentation des Anbieters nicht vorhanden oder ungenügend sei; sie meinen damit sowohl die technische Doku inklusive Custom-Entwicklungen als auch die Schulungsunterlagen.
 
Auf die Schulter klopfen können sich viele ERP-Anbieter, wenn es um Funktionalität der Lösung und deren Stabilität geht, ebenso gute Noten erteilen die Kunden für "Engagement" und "Support". Allerdings könnte der Support öfter schneller geleistet werden, wird gewünscht.
 
Auch würden die Projektziele oft erreicht, so die Autoren von "ERP in der Praxis 2018/2019".
 
Sehr unterschiedliche Noten hingegen erteilen die Kunden ihren Anbietern, was das Einhalten von Budgets anbelangt. Hier zeige sich "letztlich ein Spiegelbild der finanziellen Risiken von ERP-Projekten", konstatieren die Autoren.
 
Cloud? Cloud!?
Und wohin soll die ERP-Entwicklung aus Anwendersicht gehen? Die Resultate überraschen wenig: Mehr Daten- und Informationssicherheit ist das Top-Thema, gefolgt von Datenmanagement und Compliance-Fragen, die sich mit DSGVO und andern rechtlichen Neuerungen verschärft stellen.
 
Überraschend hingegen: APIs und Cloud sind gerade mal für ein Drittel der Befragten ein wichtiger Trend. Damit zieht das von grossen Anbietern gepushte Thema zwar auch bei den Kunden an, aber es harzt. So dass man das Fazit der Untersuchung von 2016 hier copy-pasten kann: "ERP aus der Cloud macht im Studiengebiet weiterhin nur in sehr begrenztem Masse Fortschritte". Allerdings prognostizieren die Autoren, dass auch im ERP-Bereich die Cloud an Bedeutung gewinnen werde.
 
Noch überraschender: Das Thema Blockchain wird von ERP-Kunden auf Cloud-Level angesiedelt: 32 Prozent halten Blockchain für einen wichtigen Trend. Aber Erläuterungen und Analysen dazu fehlen im Bericht.
 
Für die Umfrage, die seit 14 Jahren durchgeführt wird, hat der deutsche Marktanalyst Trovarit 2207 Fragenbogen ausgewertet, davon sind 14 Prozent Schweizer. Der Report vergleicht 49 ERP-Lösungen. Eine Zusammenfassung kann gegen Angabe von Kontaktdaten heruntergeladen werden (PDF). (mag)