Software-Industrie: Die Kleinen wachsen nicht mehr

Zur Verdeutlichung sind die Waschstumszahlen der Software-Hersteller, die 2017 um weniger als fünf Prozent zulegten oder sogar schrumpften, rot markiert.
Ein Blick in die "Top 500" von Computerworld zeigt: Eine erstaunlich grosse Zahl der "Local Heros" der Schweizer Software-Industrie stagniert.
 
Letzte Woche erschien die Ausgabe "Top 500" der Zürcher Zeitschrift 'Computerworld'. Die reine Rangliste der IT-Unternehmen sagt wenig aus, denn die aufgelisteten Firmen machen ganz unterschiedliche Dinge. Ist Swisscom (Platz 1) ein IT-Dienstleister, ein Standard-Software-Reseller, ein Outsourcer, eine Telekomprovider, ein Systemintegrator oder sogar ein Cloud-Reseller? Wie gross ist der Outsourcing-Anteil am Umsatz von Avaloq und ist die Ruf-Gruppe ein Systemintegrator (Passagier-Informationssysteme), ein Outsourcer oder doch ein Standard-Softare-Hersteller? Und wie genau ist die SIX Group (Platz 3) einzuordnen?
 
Interessanter wird die Sache, wenn man versucht, Äpfel zu Äpfeln zu legen und einen Blick auf's Ganze zu werfen. Wir haben eine Liste von lokalen Herstellern von Standard-Software und eine solche von Individual-Software-Herstellern gemacht. Unschärfen sind vorprogrammiert, denn wir haben Wiederverkäufer von Lösungen wie SAP oder Microsoft Dynamics ausgeschlossen, auch wenn sie durchaus auch eigene Software entwickeln.
 
Betrachtet man unsere (gewiss nicht perfekte) Liste der Schweizer Standard-Software-Hersteller, lassen sich zwei Schlüsse ziehen. Erstens: Gross wird man nur mit Bankensoftware. Die Top-5 stellen alle Software für Banken her. Auf Platz 6 liegt mit Bison Schweiz ein Unikum, denn Bison macht vor allem Software für die Mutterfirma Fenaco. Zweitens fällt auf, dass viele Firmen, vor allem, aber nicht nur kleinere Software-Hersteller, ein massives Wachstumsproblem haben. Denn wann soll ein Anbieter wachsen, wenn nicht heute in Zeiten der Digitalisierung?
 
Zwei lokale Hersteller, nämlich der Software-Teil der Ruf Gruppe und Acommit wurden unterdessen verkauft. Es würde uns nicht
wundern, wenn es angesichts des schwachen Wachstums vieler kleinerer Hersteller zu einer weiteren Konsolidierung käme.
 
Individual-SW-Hersteller erstaunlich schwachbrüstig
Auch die Zahlen der Individualsoftware-Hersteller (Tabelle in der Mitte) erstaunen, wenn man auch befürchten muss, dass sie nicht immer vergleichbar sind. So wäre die Netcetera-Gruppe viel grösser, wenn man alle Firmen der Flotte und alle Märkte addieren würde.
 
Zühlke und Elca sahnen im Markt der Individual-Hersteller ab. Zühlke dürfte Digitalisierungs-Profiteur sein, während Elca von sehr grossen Deals mit Behörden und Behörden-nahen Unternehmen profitiert. Andere Player hingegen scheinen vom aktuellen IT-Boom nur wenig zu profitieren.
 
Man darf gespannt darauf sein, welche Resultate die wesentlich genauere Umfrage der Universität Bern für den "Swiss Software Industry Survey" erbringen wird. (Christoph Hugenschmidt)