KI für Jedermann, Infrastruktur überall

(Source: Gartner, August 2018) (Originalbild hier)
Weit verbreitete Künstliche Intelligenz, Biohacking und immersive Erfahrungen dominieren den diesjährigen Gartner Hype Cycle. Andere Hypes sind verschwunden.
 
Der Marktforscher Gartner hat im August die neueste Ausgabe seines "Hype Cycle for Emerging Technologies" veröffentlicht. Der Hype Cycle ist eine Erfindung von Gartner: Auf einer Kurve wird die Wanderung von aufstrebenden Technologien vom Start zum "Peak of Inflated Expectations" (Gipfel der aufgeblasenen Erwartungen) zum "Trough of Disillusionment" (Tief der Desillusion) über den "Slope of Entlightenment" (Anstieg der Erleuchtung) hin zum "Plateau of Productivity" (Plateau der Ergiebigkeit) gezeigt.
 
Nicht jede Technologie durchläuft diesen Zyklus, der ein oder andere Hype verschwindet auch wieder. Neun Technologien, die Gartner letztes Jahr noch gelistet hat, tauchen im aktuellen Hype Cycle nicht mehr auf, wie ein Vergleich von 'The Register' zeigt. So geschehen etwa mit Edge Computing. Andere Trends werden von Gartner umbenannt: Aus den autonomen Fahrzeugen wurde autonomes Fahren Level 4. Damit gemeint sind Fahrzeuge, die unter den meisten, aber nicht allen Bedingungen ohne menschliche Interaktion fahren können und wahrscheinlich in durch Geofencing abgesperrten Gebieten eingesetzt werden, erklärt der Marktforscher in einer Mitteilung.
 
Auch durchläuft nicht jeder Trend den Zyklus gleich schnell: Sowohl IoT-Plattformen als auch virtuelle Assistenten befinden sich laut aktueller Ausgabe knapp hinter der Spitze der aufgeblasenen Erwartungen. Die smarten Assistenten sollen es laut Gartner bereits in zwei bis fünf Jahren zum Plateau schaffen, während IoT-Plattformen noch fünf bis zehn Jahre dafür benötigen werden.
 
Das sind die aktuellen Megatrends
In der aktuellen Ausgabe des Hype Cycles hat Gartner 17 Technologien in fünf grosse Trends gegliedert: Democratized artificial intelligence (AI), digitalized ecosystems, do-it-yourself biohacking, transparently immersive experiences und ubiquitous infrastructure (Etwas weniger elegant in der Übersetzung etwa: Demokratisierte künstliche Intelligenz (KI), digitalisierte Ökosysteme, Do-it-Yourself-Biohacking, offensichtlich immersive Erlebnisse und omnipräsente Infrastruktur).
 
Als eine Entwicklung, mit dem meisten Potenzial für Disruption, nennt Gartner Künstliche Intelligenz, die für immer mehr Anwender verfügbar sein werde. Als Beispiele des Trends der demokratisierten KI seien smarte Roboter und Assistenten, AI in Form von PaaS-Angeboten oder auch autonome Fahrzeuge genannt. Smarte, autonome Roboter, die etwa Zimmerservice leisten oder in Lagern arbeiten können, würden es erlauben, menschliche Arbeitskräfte zu ersetzen, zu unterstützen, oder für mehr wertschöpfende Aufgaben einzusetzen.
 
"Der Übergang von der abgeschotteten technischen Infrastruktur zu Ökosystem-fähigen Plattformen legt den Grundstein für völlig neue Geschäftsmodelle, die die Brücke zwischen Mensch und Technik schlagen", sagt Mike Walker, Research Vice President bei Gartner. Zum Trend der digitalisierten Ökosysteme zählt Gartner digitale Zwillinge, die virtuelle Darstellung eines realen Objekts, oder die Blockchain-Technologie, die das Potenzial habe, Daten- und Ausfallsicherheit in Unternehmen zu verbessern und die Transparenz und das Vertrauen in zentralisierte Systeme zu erhöhen.
 
2018 sei erst der Beginn des "Trans-Human-Zeitalters", schreibt der Marktforscher. Biohacking werde an Popularität gewinnen, etwa im Diagnostik-Bereich. Als Beispiele seien Gehirn-Maschine-Schnittstellen, neuronale Implantate oder auch künstlich hergestelltes Gewebe genannt. Biochips könnten es möglich machen, Krankheiten wie Krebs zu erkennen, bevor der Patient überhaupt Symptome entwickle, schreibt Gartner.
 
Als vierten Megatrend listet Gartner "transparently immersive experiences". Technologie, wie sie in intelligenten Arbeitsbereichen eingesetzt werde, sei zunehmend menschenzentriert; Grenzen zwischen Menschen, Unternehmen und Dingen verschwinden. In einem intelligenten Arbeitsbereich, so die Zukunftsvision des Marktforschers, können elektronische Whiteboards Besprechungsnotizen erfassen, Sensoren helfen, personalisierte Informationen je nach Standort der Mitarbeiter zu liefern, und Büroartikel können direkt mit IT-Plattformen interagieren.
 
Grundsätzlich sei Infrastruktur nicht mehr der Schlüssel zu den strategischen Geschäftszielen. Die wachsende Beliebtheit von Cloud Computing und die stets verfügbare, grenzenlose Infrastrukturumgebung haben die IT-Landschaft verändert. Auch Quantencomputing werde künftig grossen Einfluss auf Optimierung, maschinelles Lernen, Verschlüsselung, Analytik und Bildanalyse haben. Eine zweite neue Technologie in diesem Trend ist die neuromorphe Hardware. Dabei handelt es sich um Halbleiterbauelemente, die von der neurobiologischen Architektur inspiriert sind und eine extreme Leistung für Technologien wie tiefe neuronale Netzwerke liefern können. (kjo)