Einflussreiche Zeitung hinterfragt IBMs Watson

Seit 2011 propagiert IBM das AI-System Watson als Maschine, die in ganz unterschiedlichen Anwedungsszenarien erfolgreich eingesetzt werden kann. 2012 nannte IBM das System einen "technologischen Durchbruch" in der Medizin. So soll Watson insbesondere auch bei Krebsbehandlungen eingesetzt werden.
 
Der Vorteil von IBMs KI-System ist, dass die Maschine praktisch beliebig viele Texte beliebig schnell lesen und analysieren kann. Die Idee ist, dass Krebs-Spezialisten Watson mit Daten zu einer Krebserkrankung füttern und Watson dann, gestützt auf die riesige Menge von Daten aus der Krebsforschung, eine Behandlung vorschlägt.
 
Nun äussert sich das einflussreiche 'Wall Street Journal' in einem langen und prominent platzierten Text sehr kritisch zu Watson in der Krebsbehandlung. Obwohl IBM bis 2015 rund 15 Milliarden Dollar in die Entwicklung von Watson gesteckt habe, gebe es keine einzige Studie, die die Wirksamkeit des KI-Systems in der Krebsbehandlung nachweise. Und über ein Dutzend IBM-Partner und Kunden hätten Projekte für die Krebsbehandlung in Zusammenhang mit Watson gestoppt oder verkleinert, so die Zeitung.
 
Die Vorschläge von IBMs KI-System deckten sich oft mit den Vorschlägen der behandelnden Teams und hätten deshalb keinen Einfluss, zitiert die Zeitung einen Watson-User. Zudem sei es schwieriger als erwartet, mit der Flut von neuen Erkenntnissen in der Krebsbehandlung Schritt zu halten. Ein anderer Gesprächspartner aus dem US-Gesundheitssystem monierte, dass Watson manchmal falsche Empfehlungen liefere. Die Versprechungen bezüglich KI und Krebsbekämpfung hätten sich noch nicht realisiert. (hc)