Abraxas vertreibt jetzt Abacus (ja, genau)

Was lange währt, wird endlich gut? Vielleicht. Abraxas bietet ab sofort Software von Abacus an. Und inside-channels hat gefragt, warum.
 
Abraxas und Abacus gehen eine Kooperation ein, dies gibt Abraxas bekannt. Und die Mitteilung erscheint am selben Tag, an dem sich Abacus mit dem Kanton St. Gallen und den 69 Gemeinden nach jahrelangem Beschaffungsstreit in einem Vergleich geeinigt haben.
 
Einen direkten Zusammenhang gebe es nicht, so Abraxas-Sprecher Markus Kaufmann, die Partnerschaft sei kein Teil des Vergleichs zwischen den Gemeinden, dem Kanton und Abacus. Aber nach dem Vergleich sei es möglich gewesen, sachlich über eine Partnerschaft zu sprechen. Aus Abraxas-Sicht mache der Deal auch Sinn: "Eine solche Partnerschaft wurde von Kunden schon früher gewünscht. Abacus bietet eine am Schweizer Markt gefragte Software, die unser Portfolio ergänzt. Gleichzeitig stärkt die Vereinbarung den ICT-Standort St. Gallen und Ostschweiz", so Kaufmann zu inside-channels.ch.
 
Konkret wird Abraxas (inklusive die vormalige VRSG) nun zum Vertriebspartner und Integrator für Abacus im Bereich Finanzapplikationen (Fibu, Kreditoren, Debitoren, CRM, E-Banking) sowie deren Lohn-/HR-Lösungen.
 
Daniel Senn, Mitglied der Abacus-Geschäftsleitung, ergänzt, "Abraxas hat das Recht, alles von Abacus zu vertreiben, aber nicht die Pflicht."
 
Senn stimmt Kaufmann in der Standortfrage zu und sagt, wichtig sei auch, dass Abraxas samt der früheren VRSG und Abacus nun wieder miteinander reden. Senn ergänzt "die Partnerschaft kann für auch uns interessant sein". Er nennt als Beispiel die Immobilienverwaltung für Gemeinden, welche im Abraxas-Portfolio noch fehle.
 
Ein wichtiges Indiz für das Potential der Zusammenarbeit zeigt sich laut Senn schon bald: Im ersten Quartal 2019 müssen die vier grossen Städte des Kantons – St. Gallen, Rapperswil-Jona, Wil und Gossau – im Rahmen des Vergleichs die Beschaffung von Software-Lizenzen für die Finanz- und Lohn-/HR-Software für den Betrieb bei Abraxas ausschreiben. In diesem offenen WTO-Verfahren kann auch Abacus offerieren, ebenso wie diverse Mitbewerber in diesem Bereich. Abacus werde offerieren, so Senn. Und falls man eine oder mehrere der Ausschreibungen auch gewinne, werde die Partnerschaft enger werden, sonst kaum, glaubt Senn.
 
Nicht nur Ostschweiz im Portfolio
Abraxas hat die Absicht, Abacus in der ganzen Schweiz anzubieten. Dies im Rahmen einer neuen Mehrproduktestrategie, so Abraxas-Sprecher Kaufmann. Die von der früheren VRSG in die Fusion eingebrachte Gemeindelösung wird von Abraxas beibehalten. "Es stirbt nichts", so Kaufmann, "das bisherige Angebot wird ergänzt mit der Abacus-Lösung". Details zur Vereinbarung will er nicht machen, es sei "ein partnerschaftlicher Vertrag".
 
In Konsequenz habe Abraxas bereits begonnen, intern die nötigen Abacus-Kompetenzen aufzubauen. "Beratung können wir heute schon bieten. Und mit externen Partnern erfüllen wir auch Integrationsbedürfnisse", so Kaufmann. Es werde aber noch dauern, bis alles in der eigenen Suite integriert verfügbar sei. Man wolle Ende 2018 drei dedizierte Abacus-Spezialisten im Einsatz haben und bis dann sollen die Abraxas-Spezialisten für Gemeindelösungen zusätzlich bezüglich Abacus-Schnittstellen etcetera fit sein. Dies zeige auch, dass Abraxas überzeugt sei, mit der Partnerschaft seine Marktposition zu stärken ebenso die Wachstumsambitionen. An den Worst Case – Abraxas investiert in Knowhow, findet aber keine Kunden – glaubt Kaufmann nicht.
 
Was heisst denn nun "Mehrproduktestrategie" bei Abraxas? "Die Partnerschaft mit Abacus ist nicht exklusiv", hält Kaufmann fest. Es könnten im Laufe der Zeit auch andere Produkte anderer Anbieter dazu kommen, wenn sich dies aufdrängt. "Das hängt von unseren Kunden ab – sie entscheiden, welche Lösung sie bevorzugen." (Marcel Gamma)
 
(Interessenbindung: Abacus und Abraxas sind wichtige Werbekunden unseres Verlags.)