IBM und Avaloq bauen zusammen eine "Swiss Banking Cloud"

Avaloq lagert den Infrastruktur-Betrieb aus, die RZ in Lugano und Zürich gehen an IBM.
 
IBM und Avaloq haben angekündigt, gemeinsam eine private "Swiss Banking Cloud" aufzubauen. Avaloq wird dabei für seine IT-Services das Infrastructure-as-a-Service-Angebot (IaaS) von IBM nutzen. Es sei Teil der Vereinbarung, dass IBM dem Schweizer Bankensoftware-Anbieter in der Schweiz Private Cloud Infrastructure bereitstelle und im Rahmen der Hybrid-Cloud-Umgebung weltweit Zugriff auf Cloud-Ressourcen ermögliche, so die beiden Unternehmen in einer gemeinsamen Mitteilung.
 
Das bedeutet auch, dass IBM die Avaloq-RZ in Zürich und Lugano mitsamt Belegschaft übernimmt. "IBM unterstützt uns dabei, die Transformation unseres IT-Betriebsmodells zu beschleunigen", kommentiert Jürg Hunziker, Avaloq Group CEO, den Schritt. Sprich: Avaloq verabschiedet sich wohl aus dem Infrastrukturbetrieb und lagert diesen an IBM aus.
 
Das will man bei Avaloq so nicht bestätigen, aber das Unternehmen schreibt, dass die Transformation nicht nur für das Schweizer Banking angedacht sei. Avaloq und IBM planen gemeinsam, "in naher Zukunft" den Wechsel der IT-Infrastruktur und -Prozesse in die Cloud auf weitere Regionen und Unternehmensteile der Avaloq-Gruppe auszuweiten.
 
Strategische Auslagerung der Infrastruktur
Man erhoffe sich keine Einsparungen, sondern möchte Standardisierung und Skalierbarkeit vorantreiben, so Susanne Frei, die bei Avaloq für die Kommunikation des Projektes verantwortlich ist, auf Anfrage von inside-it.ch. Ausserdem entspreche es der Strategie von Avaloq, alles was nicht Kernkompetenz sei, an externe Spezialisten auszulagern. Mittel- und langfristig wolle man das Modell auf die ganze Avaloq-Gruppe ausdehnen, erklärt die Sprecherin. "Da Finanzinstitute von technologiegestützten Veränderungen profitieren möchten, gibt es einen anhaltenden Trend zu Services und cloudbasierten Bereitstellungsmodellen", so CEO Hunziker.
 
"Wir haben uns aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung in der Finanzbranche für IBM entschieden", so der CEO. Ob es Gespräche etwa mit Inventx oder Swisscom gegeben hat, wollte die Avaloq-Sprecherin nicht kommentieren.
 
"Alle Angestellten werden übernommen"
Es gebe keine personellen Veränderungen, alle 23 betroffenen Mitarbeiter würden von IBM übernommen, bestätigt Frei. Betroffen sind neben Lugano und Zürich ein Bürostandort in Nyon. Die Angestellten würden zu denselben Konditionen beschäftigt, erklärt IBM-Pressesprecherin Susan Orozco auf Anfrage von inside-it.ch.
 
"Die Servicebereitstellung für all unsere Bankkunden erfolgt aktuell über unsere Rechenzentren in der Schweiz in Verbindung mit einer speziellen Netzwerkinfrastruktur für Schweizer Banken (BSNI)", so Christian Keller, Vorsitzender der Geschäftsleitung IBM Schweiz.
 
Die Frage, ob man aus den neu übernommenen RZ weitere Kunden von IBM bedienen werde, möchte Orozco nicht beantworten. Man wolle nicht in die Zukunft spekulieren, so die Pressesprecherin.
 
Die "Swiss Banking Cloud" soll ab dem zweiten Halbjahr 2018 für neue Software-as-a-Service- (SaaS) und Business-Process-as-a-Service-Kunden (BPaaS) zur Verfügung stehen, kündigen die beiden Unternehmen an. Die bestehenden Kunden sollen in der ersten Jahreshälfte 2019 auf die neue Plattform migriert werden. (Thomas Schwendener)