Ricoh auf dem Weg zum IT-Service-Provider?

Die Entwicklung der Marktanteile in den Bereichen Multifunktionsgeräte (MFP), Printer und Commercial & Industrial Printing (CIP) von Ricoh in der Schweiz. Grafik: Ricoh
Der Printing-Spezialist kompensiert das schrumpfende Kerngeschäft mit Services… und hat grosse Pläne.
 
Ricoh Schweiz präsentierte heute im nationalen Hauptsitz in Wallisellen Geschäftszahlen und Strategie des Printing-Spezialisten. Schweiz-Chef Daniel Tschudi erklärte am Presseanlass, dass der Umsatz leicht gesteigert werden konnte. Hatte er 2016 global 18,2 Milliarden betragen, so wurden im letzten Jahr rund 18,5 Milliarden Franken umgesetzt. Rund 22 Prozent des Umsatzes generierte der japanische Konzern in Europa.
 
Für die Schweiz gab es wie gewohnt keine konkreten Zahlen, Tschudi bestätigte aber am Rande des Anlasses gegenüber inside-channels.ch, dass der Umsatz von Ricoh Schweiz stabil geblieben sei. Letztes Jahr hatte der Schweiz-CEO Branchengerüchte bestätigt, denen zufolge Ricoh hierzulande einen Umsatz von "über 150 Millionen Franken" macht.
 
Die Stagnation liegt allerdings nicht an gleichbleibenden oder gar schrumpfenden Marktanteilen: "Ricoh hatte noch nie so hohe Marktanteile wie im erste Quartal 2018", so Tschudi. In allen drei Segmenten Multifunktionsgeräte (MFP), Printern und Commercial & Industrial Printing (CIP) verzeichnete Ricoh ein steiles Wachstum (siehe Grafik). So stammte etwa im Kerngeschäft MFP im ersten Quartal des laufenden Jahres rund 29 Prozent der in der Schweiz verkauften Geräte von Ricoh, wie IDC-Zahlen zu entnehmen ist.
 
Allerdings ist der Markt unter Druck und im Kernbusiness muss Ricoh jährlich einen Schwund von eins bis drei Prozent verkraften. Dies gelinge aber gut, indem man bei den Services im selben Masse zulegen könne, erklärt Tschudi. Der Anteil der Dienstleistungen am Umsatz wurde im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent auf rund 49 Prozent erhöht und zeigt an, wohin die Reise für Ricoh gehen soll.
 
Drei Wege um zu wachsen
Die künftige Wachstumsstrategie von Ricoh beruht auf drei Säulen: Man will im Kerngeschäft weiterhin in die MFPs investieren und sich hier auch weiter auf Printing-as-a-Service (PaaS) konzentrieren. Derzeit beträgt der Anteil von PaaS wie schon im Vorjahr rund 20 Prozent am Gesamtumsatz, wie Tschudi auf Nachfrage bestätigt. Nun soll aber die Kundenbasis von Ricoh zusätzlich erweitert werden, indem man die Anwendungen im CIP-Bereich ausbaut.
 
Besonders interessant ist die dritte Ausrichtung: Ricoh will zum IT-Service-Provider reifen. Die Themen Workplace & Mobility, Datacenter & Infrastruktur sowie Information Management & Business
Ricohs Schweiz-Chef Daniel Tschudi. Bild: ts
Intelligence sollen immer wichtiger werden. So will Ricoh künftig für Transformation und Management von unternehmenskritischer IT verantwortlich zeichnen.
 
Der Sicherheitsaspekt wird hier von besonderer Bedeutung sein, wie am Presseanlass mehrfach betont wurde. Dies liegt gerade auch in Hinblick auf grosse Kunden von Ricoh aus dem Finanz- und Versicherungsbereich sowie dem Gesundheitswesen und Behörden auf der Hand.
 
An mehreren Stellen betonte Tschudi, dass man in diesem Bereich ein aggressives Wachstum anstrebe. Dies muss auch bedeuten – auch wenn das keiner der Ricoh-Manager bestätigen wollte – dass man bei der IT-Integration die Kompetenzen vertiefen muss, was unter anderem auf Akquisitionen in diesem Bereich hindeuten könnte.
 
Ricoh will zum One-Stop-Shop werden
Natürlich darf die Cloud nicht fehlen: Von On-Premise führt auch für Ricoh der Weg in die Cloud, wie Teamleader Solution Consulting, Reto Sube-Neumann, in seiner Präsentation erläuterte.
 
So will der Printing-Spezialist Infrastruktur und Betrieb von Plattformen selber oder von Partnern in den Varianten "Private", "Public" und "Hybrid" anbieten. Damit soll der Kreislauf vom Erfassen und Aufbereiten, über das Strukturieren bis zur Weiterleitung von Druckdaten und Informationen abgedeckt werden.
 
Man verbinde zudem mit Ricoh Smart Integration bekannte Cloud-Dienste wie Dropbox, Google-Drive oder Office365 mit MFP und Datenverarbeitung, so Ricoh. Sprich: Man wird von den Geräten auf diese Cloud-Speicher zugreifen und Scans in MS-Office-Dokumente umwandeln können. Zudem soll in die MFPs ein App-Store integriert werden, über den man die gewünschten Funktionen abonnieren kann.
 
Alle strategischen Bereiche sollen schliesslich zusammengeführt und aus einer Hand angeboten werden können: Die gesamte Informationsinfrastruktur vom Office Printing über Office Services bis zum Commercial Printing. Der "One Stop Approach" sei ein entscheidender Erfolgsfaktor, so Tschudi. (ts)