Netrics im schicken Bieler DataHub

So schön ist es im DataHub. Foto: Netrics
Keine Angst vor Microsoft.
 
Der Cloud-Dienstleister und -Outsourcer Netrics ist in den neuen, anthrazitfarbenen Kubus von DataHub in Biel eingezogen. Während die ersten drei Stockwerke als Rechenzentrum dienen, haben die bald 60 Mitarbeitenden von Netrics eine "komplett neu gestaltete Arbeitswelt" (Unternehmenskommunikation) im obersten Stockwerk bezogen. Tatsächlich erinnern die neuen Büros von Netrics ein bisschen an Googles-Software-Werkstätte am Zürcher Hauptbahnhof. Netrics ist Ankermieter im neuen Bieler Rechenzentrum von Data Hub, so CEO Pascal Schmid in einem kurzen Telefongespräch mit inside-channels.ch.
 
Doch hat ein KMU-Outsourcer und Cloud-Provider wie Netrics überhaupt eine Zukunft? Schliesslich wird Microsoft demnächst mit eigenen Cloud-Infrastrukturen in der Schweiz auftreten. CEO Pascal Schmid sieht die Zukunft von Netrics positiver denn je. Microsofts Pläne seien "eher eine Bereicherung als eine Bedrohung", so Schmid. "Wir können uns gut vorstellen, die Technologie-Bausteine von Microsoft aber auch von AWS zu nutzen."
 
Netrics habe die Entwicklung kommen sehen und in hybride Cloud-Modelle investiert. Schmids Einschätzung des künftigen Cloud-Marktes in der Schweiz ist ziemlich radikal. Er glaubt, dass 85 bis 90 Prozent der Workloads in Zukunft in Public Clouds anfallen. Doch Netrics könne die eigene Infrastruktur auch in Zukunft auslasten, denn "auch der klassische Markt wächst," sagt Schmid. Seine Argumente überzeugen. Dass man die Datenhaltung in der Schweiz anbieten kann, wird künftig kein Argument mehr sein. Hingegen bleibt das Bedürfniss von KMU nach Vertrauen und einer Beziehung zum ICT-Dienstleister auf Augenhöhe. Ein Anbieter, der je nach Bedarf zwischen eigenen Infrastrukturen und günstigeren Public Clouds auswählen kann, wird im Vorteil sein. "Nicht alle Kunden wollen sich selbst mit Microsoft oder AWS herumschlagen," sagt Schmid.
 
Klettern in der Wertschöpfungskette
Wichtig sei, dass Netrics nicht selbst Commodity-Produke wie etwa Infrastruktur für Office 365 aber auch den Azure Stack aufgebaut habe. Hingegen hat der Cloud-Provider in branchenspezifisches Know-how und Software investiert. So peilt Netrics den Health-Care-Markt an und bietet eine Immobilienmanagement-Lösung als Service an. Netrics wolle den Anbietern von Branchenlösungen helfen, ihre Produkte in die Cloud zu bringen. Schmid: "Wir setzen mehr auf bestimmte Branchen und klettern so in der Wertschöpfungskette nach oben."
 
Dass Microsoft zusammen mit Partnern in ein Business einsteigt und dieses dann später alleine macht, sei keine neue Entwicklung und war deshalb vorauszusehen.
 
Microsoft wird die eigenen Rechenzentrums-Infrastrukturen in der Schweiz rasch füllen wollen und deshalb mit tiefen Preisen auftreten. Schmid findet das keinen Nachteil: "Wenn Microsoft günstige Angebote macht, werden auch wir zu tieferen Preisen offerieren." (hc)