Steg / PCP schafft den Turnaround

Die PCP-Gruppe macht unterdessen nur noch 100 Millionen Franken Umsatz, verdient dafür aber Geld. Weber: "Wir haben es geschafft".
 
Manche Gründer von Online-Elektronik-Händlern haben einen Hang zum Risiko. So investierte Competec-Gründer Roland Brack 2012 als erster Online-Händler der Schweiz in ein vollautomatisiertes Lagersystem. Das "Autostore" System wird seither systematisch ausgebaut und ein weiterer, noch grösserer Schritt steht erst bevor.
 
Auch PCP-Gründer Lorenz Weber scheut das Risiko nicht. 2014 übernahm er den stationären Händler und PC-Bauer Steg mit 170 Mitarbeitenden und 17 Standorten. "Wir haben alles in die Waagschale geworfen," so Weber zu inside-channels.ch. PCP.ch und Steg machten damals zusammen einen Umsatz von 160 Millionen Franken.
 
Weber hat gewusst, dass er sich einen Turnaround-Job angelacht hat. "Steg hat schon ab 2012 Verluste geschrieben", so Weber in einem Telefongespräch. Was er aber nicht erwartet hatte, war, dass die Nationalbank nur drei Monate nach der Übernahme den Frankenkurs freigeben würde. Der Kurs des Euro sackte ab und Herr und Frau Schweizer pilgerten alsbald für jegliche Einkäufe nach Deutschland. Weber: "Wir mussten also noch mehr sparen."
 
Der mit 38 Jahren immer noch recht junge Unternehmer hat unterdessen nach eigenen Angaben den Turnaround geschafft. "2017 ist das erste profitable Jahr seit der Übernahme," sagte Weber zur 'Luzerner Zeitung'. Der Umsatz der Gruppe betrug letztes Jahr gemäss Weber noch rund 100 Millionen Franken. Der Weg zur Profitabilität war mit harten Massnahmen gepflastert. So wurde die Anzahl der Stellen der PCP-Gruppe von 230 auf 170 reduziert, die Logistik in Schaffhausen zentralisiert und die eigene betriebswirtschaftliche Software auch für Steg eingeführt.
 
Der Retailer als Dienstleister
Zudem hat Weber die nun noch 15 Steg-Filialen umgebaut. Das Sortiment wurde verkleinert und man kann in den Filialen Dienstleistungen beziehen. So gibt es eine Reparaturwerkstatt mitten in der Littauer Filiale, wie Maurizio Minetti in der 'Luzerner Zeitung' beschreibt. Heute erwirtschaftet die PCP-Gruppe rund 20 Prozent des Bruttoertrags mit Dienstleistungen wie Reparaturen. Weber ist überzeugt, dass Dienstleistungen die Zukunft des stationären Handels sind. Einmalig ist auch die Liefergeschwindigkeit von Steg-PCP. Weil er mit Pizzakurieren arbeitet, kann Steg same-day-delivery für rund drei Millionen Kunden in der Schweiz anbieten. Bestellen kann man bis 18 Uhr.
 
Lob der Bank
"Wir haben daran geglaubt, dass wir mit der Infrastruktur von PCP den Dinosaurier Steg fit machen können," so Weber. Der Weg dahin, hat aber – auch wegen des Frankenkurses – länger als erwartet gedauert, sagt der Online-Pionier, den man neben Brack und den Digitec-Gründern gerne etwas übersieht.
 
Doch wie hat Weber das Überleben seiner Firma in der langen Durststrecke finanziert? Die Antwort Webers fällt für den Schreibenden unerwartet aus. Einerseits sei der Preis, den er für Steg bezahlt habe, attraktiv gewesen. Und andererseits habe seine Hausbank, die CS, PCP gut begleitet. Weber: "Ich bin sehr zufrieden mit der Unterstützung durch unsere Hausbank." (Christoph Hugenschmidt)