Exklusiv! Microsoft treibt Channel-Konsolidierung voran

Das sagt der Schweizer Channel zu Microsofts Plänen, mit eigenen Cloud-Infrastrukturen in der Schweiz aufzutreten.

 
Microsoft wird spätestens ab 2019 in der Schweiz mit eigenen Cloud-Infrastrukturen auftreten. Welche Auswirkungen wird dies für den Schweizer ICT-Channel haben? Wir haben gefragt, die Schweizer ICT-Branche hat geantwortet.
 
Das Positive zuerst: Dass Microsoft künftig die Daten von Schweizer Cloud-Kunden in der Schweiz vorhalten wird, wird für die Branche im allgemeinen als positiv gesehen. Rund 60 Prozent der 45 Teilnehmer der Onlineumfrage sehen die Auswirkungen für den Channel generell positiv oder eher positiv.
 
Der Grund liegt auf der Hand. Die Kunden werden sich nicht mehr mit der Argument "Daten im Ausland" vor dem Trend zur Cloud "verstecken" können. So schreibt etwa Markus Amrein von Bison IT Services: "Dies wird den Wechsel auf Cloud-Lösungen in der Schweiz massiv beschleunigen. Wenn es plötzlich "alle" machen (siehe O365, welches zu Beginn in der Schweiz extrem Mühe hatte mit der Akzeptanz und nun zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist...) wird dies eine Lawine lostreten, da eines der Hauptargumente (Datenhaltung in der Schweiz), hinter der sich viele CIOs bisher "versteckt" haben, nun hinfällig wird."

Wesentlich gespaltener ist der Channel in der Frage, wie sich Microsofts Schweizer RZ-Pläne auf die eigene Firma auswirken wird. Channel-Player, die in eigene Cloud-Infrastrukturen investiert haben, und das sind nicht wenige, werden ihr Geschäfsmodell hinterfragen müssen und kassieren allenfalls auch schmerzhafte Abschreiber.

 
Andere hingegen dürfen mit stark wachsenden Umsätzen mit Cloud-Dienstleistungen rechnen. So schreibt Gerardo Immordino von Trans4mation Swiss: "Wir werden Kunden adressieren können, die O365/MS365 bzw. Azure wollen, aber bisher verzichtet haben, da nicht aus der Schweiz möglich!"
 
Ein Channel-Player hingegen, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, schreibt klipp, klar und sauer: "Einmal mehr schiesst MS den starken Partnern in den Rücken!". Seine Firma wird Investitionen abschreiben müssen.
 
Die Grafik in Zahlen:
Positiv. Wir werden mehr Business machen können: 46.67 Prozent
Negativ. Wir müssen unser Geschäftsmodell anpassen: 2,22 Prozent
Negativ. Wir müssen eventuell Investitionen abschreiben: 11,11 Prozent
Sowohl positiv wie negativ: 22,22 Prozent
Neutral: 8.89 Prozent
Noch unklar: 8.89 Prozent

Vor Konsolidierungswelle

 
Während die Mehrheit der Schweizer Channel-Player auf mehr Cloud-Business hoffen können, hat die Szene der Service-Provider und ICT-Outsourcer ein Problem. Denn Microsoft wird preislich nicht auf die Partner, die ähnliches selbst anbieten, Rücksicht nehmen, wie Microsoft-Schweiz-Chefin Marianne Janik dem Schreibenden letzte Woche am Rand des Hiag-Events klipp und klar sagte.
 
Man ist sich einig, dass Microsoft Schritt in die Schweiz, den Managed Service Providern helfen wird. Aber wehe den Anbietern, die eigene Infrastrukturen aufgebaut haben. Mehr als die Häflte der Umfrageteilnehmer ist überzeugt, dass es zu einer Konsolidierung unter lokalen Cloud- und Outsourcing-Providern kommen wird. Und lokale Service-Provider werden vermehrt auf eigene Cloud-Infrastrukturen verzichten.
 
So schreibt uns der Chef eines kleinen IT-Anbieters: "Ist schlecht für alle Schweizer PaaS- und IaaS-Anbieter, die an den Microsoft-Plattformen und an der Zusammenarbeit mit MSFT nicht interessiert sind und davon gibt es viele (der Rest tuts zähneknirschend). Am meisten Schaden fügt dem IT-Standort Schweiz allerdings das NDG zu (ähnliche Staatstrojaner und Hintertüren wie in DE und USA sind nun auch hier möglich)." NDG steht für Nachrichtendienstgesetz. (hc)
 
Die Grafik in Zahlen:
Es wird zu einer Konsolidierung unter lokalen Cloud- und Outsourcing-Providern kommen: 37.78 Prozent
Lokale Service-Provider werden vermehrt auf eigene Cloud-Strukturen verzichten: 22.22 Prozent
Die Entwicklung wird dem Cloud-Business noch mehr Schub geben: 17.78 Prozent
Die Entwicklung wird insbesondere Managed Service Providern helfen: 22.22 Prozent