Neue SwissID-Anbieter erhalten einen 2,6 Millionen Freihänder

Das KAIO will unter anderem eine E-ID. Warum jetzt? inside-it.ch hat nachgefragt.
 
Das Amt für Informatik und Organisation des Kantons Bern (KAIO) hat der frisch gegründeten SwissSign Group den Zuschlag für die Bereitstellung von elektronischen Signaturdienstleistungen und einer E-ID erteilt. Die Leistungen sollen als Grundlage für die öffentliche Nutzung der E-Government-Angebote im Kanton sowie der Authentifizierung von Staatsangestellten dienen. Die SwissSign Group ist Trägerin der SwissID, auf der die neue Lösung basieren soll. Das KAIO erwartet bis zum Ende des Auftrags 2023 rund 420'000 User und 15'000 Signaturen.
 
Der 2,6 Millionen Franken schwere Auftrag wurde freihändig vergeben. Das KAIO begründet dies im Zuschlag auf Simap ausführlich: Die Lösung müsse unter anderem die absehbaren Anforderungen der geplanten E-ID-Gesetzgebung erfüllen, einen "wesentlichen Teil der potenziellen Benutzerschaft" bereits abdecken und keine besondere Hardware voraussetzen. Zudem müsse der Anbieter ein Verrechnungsmodell anbieten, das nicht die Endbenutzer zur Kasse bitte und die Lösung im Sourcing-Modell zur Verfügung stellen.
 
Die Marktanalyse habe nun gezeigt, dass die SwissSign Group als einzige eine Lösung anbiete, die allen Anforderungen genüge. Zu den einzelnen übrigen Anbietern wolle er sich nicht äussern, da die Beschwerdefrist noch laufe, erklärt Thomas M. Fischer, Leiter Stab Amtsleitung des KAIO, auf Anfrage von inside-it.ch.
 
Besonders die breite Kundenbasis des Konsortiums von SBB, Post, Swisscom sowie Schweizer Finanzunternehmen, Versicherungen und Krankenkassen wird vom KAIO hervorgehoben. Allerdings ist die seit Herbst 2017 verfügbare SwissID noch nicht sehr verbreitet und derzeit nur für das Postlogin benützbar. Aber: "Die SwissID befindet sich im Rollout an die Kundschaft der elektronischen Leistungen der SBB und der Post. Bereits damit ist eine weite Verbreitung der Lösung in der Bevölkerung sichergestellt. Die weiteren Mitglieder des SwissSign-Konsortiums wie Swisscom oder Versicherungs- beziehungsweise Finanzunternehmen planen ebenfalls in naher Zukunft die Einführung von SwissID", begründet Fischer den Vorzug von SwissSign.
 
Wichtige Grundlage der Digitalisierung
Man habe sich zum jetzigen Zeitpunkt für die Einführung entschieden, weil die Authentifizierungslösung eine wichtige Grundlage für die weitere Digitalisierung der Leistungen der Kantonsverwaltung sei. Die Fachämter, die derzeit E-Government-Lösungen entwickeln, müssten rasch wissen, wie die zu nutzende Authentifizierungslösung aussehe und wie die Sicherheitsanforderungen abgedeckt würden, so Fischer.
 
Und eben: Zur Zeit komme dafür nur SwissSign in Frage. Sollte sich aber wirksamer Wettbewerb unter Anbietern von E-ID-Lösungen entwickeln, könne der Auftrag vorzeitig beendet und öffentlich ausgeschrieben werden, so das KAIO.
 
Die SwissSign Group ist als Trägerschaft für SwissID erst Anfang März aus der 2011 gegründeten früheren SwissSign AG hervorgegangen. Mitglieder sind SBB, Schweizerische Post, Swisscom, Credit Suisse, Raiffeisen, UBS, Zürcher Kantonalbank, SIX, die Versicherer Axa, Baloise, Helvetia, Mobiliar, Swiss Life, Vaudoise und Zürich sowie die Krankenkassen CSS und Swica. (Thomas Schwendener)