Micro Focus-Aktien verlieren 55 Prozent innert Stunden, CEO weg

Die Aktien von Micro Focus sanken heute Vormittag um 55 Prozent. Dies nachdem das Unternehmen vor einem unerwartet starken Umsatzrückgang gewarnt hatte und der CEO Chris Hsu zurückgetreten war.
 
Hsu hatte vor deren Übernahme durch Micro Focus die Software-Sparte von HPE geleitet und war erst letzten September CEO geworden. Er wird per sofort durch Stephen Murdoch ersetzt, bislang COO und vor Hsus Antritt bereits CEO von Micro Focus.
 
Die Probleme sollen aus der Übernahme des Softwaregeschäfts von HPE resultieren, melden verschiedene Medien. Es gebe Schwierigkeiten bei der Integration des Software-Bereichs, welche die Einnahmen beeinträchtigen.
 
Kevin Loosemore, Executive Chairman von Micro Focus, sagte, operative Probleme hätten zu einer "enttäuschenden kurzfristigen Performance" geführt, aber er sei zuversichtlich für die Strategie des Unternehmens.
 
Offenbar wurde der Umsatz beeinträchtigt durch geringere Lizenzeinnahmen und eine "Anzahl anderer Faktoren", die laut Management "überwiegend einmalige Übergangseffekte aus der Kombination mit HPE Software waren, und nicht durch grundlegende Probleme mit dem Endmarkt oder den Produktportfolios" entstanden seien.
 
'The Register' liefert etwas konkretere Informationen: Zum einen seien Probleme mit der Einführung eines neuen IT-Systems entstanden, die die "Effizienz unseres Vertriebsteams, unsere Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit Partnern und unsere Rechnungsstellung" beeinträchtigten.
 
Zum zweiten sei ein "höherer Abgang" von Sales-Leuten zu verzeichnen und drittens seien als Folge der Übernahme die Beziehungen zu globalen Kundenaccounts von Ex-HPE-Kunden gestört. Viertens soll es insbesondere in Nordamerika Umsatzprobleme geben.
 
In der Mitteilung von Micro Focus, dem grössten britischen Tech-Unternehmen, findet sich die Aussage, dass die Kostensenkungen dem Zeitplan voraus sei und die Nettoverschuldung den Erwartungen entsprechen. Nun wolle man bei Micro Focus in Sales-Verantwortliche investieren, die Beziehungen zu globalen Accounts verbessern und das neue IT-System besser unter Kontrolle bringen. Dessen Projektverlauf wird offenbar aktuell evaluiert.
 
Bei der Publikation dieses Artikels lag der Preis von Micro-Focus-Aktien noch immer 47,44 Prozent tiefer als am letzten Handelstag. (mag)