So will der Bund künftig IT beschaffen

Der Bundesrat beschliesst die neue IKT-Sourcing Strategie. Die Umsetzung – der noch mit sehr vielen Buzzwörtern gespickten "Vision" – liegt beim ISB.
 
An seiner heutigen Sitzung hat der Bundesrat die Rahmenbedingungen für die Beschaffung und Bereitstellung von IKT-Leistungen beschlossen. Er hat dazu die IKT-Sourcing-Strategie des Bundes für 2018 bis 2023 gutgeheissen und das Informatiksteuerungsorgan des Bundes (ISB) mit der Umsetzung beauftragt, wie der Bundesrat heute mitteilt.
 
"IKT-Leistungen müssen effizient und wirtschaftlich erbracht werden. Es muss eine Kosten- und Nutzen-Abwägung über den ganzen Lebenszyklus berücksichtigt werden", heisst es in der Vision. Weitere Schwerpunkte sind Standardisierung und Vereinfachung. Ausserdem solle Wert auf eine koordinierte, agile, schnelle und nachhaltige Leistungsbereitstellung gelegt werden.
 
Im Bund gibt es die fünf internen Leistungserbringer BIT, FUB, ISC-EJPD, ISCeco und IT EDA.
 
Beschaffung soll agiler und effizienter werden
Der Bund definiert vier Grundsätze: (1) Ein Fokus auf die Geschäftsausrichtung, Innvoationskraft und die Kernkompetenzen. Es müsse eine verbesserte und engere Zusammenarbeit zwischen dem Verwaltungsgeschäft – "Business" – und der IKT-Leistungserbringer erfolgen. (2) Wirtschaftlichkeit und Effizienz sollen gesteigert werden. Lösungen werden von dem Leistungserbringer erbracht, der diese am effizientesten und wirtschaftlichsten über den gesamten Lebenszyklus erbringen kann sowie die entsprechenden Anforderungen erfülle. (3) Es wird die Reduktion von Komplexitäten sowie eine Standardisierung und Bündelung angestrebt. Und, viertens, soll die Leistungsbereitstellung agiler, schneller und nachhaltiger geschehen.
 
Insgesamt sollen systemische Hürden abgebaut, die Zusammenarbeit verbessert und die Flexibilität erhöht werden. Es seien neue Ansätze und auch eine kulturelle Anpassung nötig, ist der Strategie zu entnehmen. Ein weiteres Ziel ist es, sogenannte "Center of Expertise" zu schaffen. Dort soll departementsübergreifend Know-how aufgebaut werden, etwa für spezifische Technologien oder für den Prozessablauf.
 
IKT-Sourcing-Modell homogenisiert Beschaffung
Mit dem IKT-Sourcing-Modell werde die Beschaffung von Leistungen strukturiert und vereinheitlicht. Dabei wird unterschieden, ob die Leistungen intern erbracht oder extern bezogen werden und ob eine Leistung für einen Endanwender erbracht oder einem Leistungserbringer geliefert wird. Zum Modell gehören die drei Kernaspekte "Leistungskategorien", "Steuerung" und "Optionen".
 
Definierte Sourcing-Leistungskategorien würden für ein auf die Bedürfnisse der Verwaltungseinheiten abgestimmtes IKT-Sourcing führen. Jede Kategorie – unterschieden durch Leistungsbezüger oder Ansprüche – beinhaltet gruppierte IKT-Leistungen. Eine Kategorie etwa dient den fachspezifischen Produkten, während eine andere die standardisierten Dienste beinhaltet.
 
Fachliche IKT-Leistungen sollen nahe bei den Departementen erbracht werden und zwar durch Leistungserbringer, die auf die jeweiligen Prozesse ausgerichtet sind. Aufgabenneutrale Leistungen können für die gesamte Bundesverwaltung erbracht werden und zwar von so wenig Leistungserbringern wie möglich. Doppelspurigkeiten sollen so verhindert werden, heisst es im Bericht.
 
Mit der Sourcing-Steuerung sollen klare Rollen und Aufgaben definiert werden. Durch die Regelung der zukünftigen Zusammenarbeit der Akteure – Departemente, Ämter und Leistungserbringer – sollen Doppelspurigkeiten und auch der hohe Abstimmungsaufwand vermieden werden. Zur Sourcing-Steuerung gehören einerseits die Definition des Leistungsbedarf, inklusive Business Analyse, Führung der Projekte, Überwachung der Lieferanten und der Sicherstellung der Integration. Aufgabenneutrale IKT-Leistungen sollen zentral und bundesweit gesteuert werden. Während aufgabenbezogene IKT-Leistungen departementsspezifisch und damit dezentral erbracht werden.
 
Die Sourcing-Optionen sollen die zukünftige Ausrichtung der Sourcing-Leistungskategorien in Bezug auf die interne Leistungserbringung und den externen Leistungsbezug aufgezeigt werden. Die interne Leistungserbringung soll gemäss IKT-Strategie des Bundes komplementär ausgerichtet sein, das heisst in der Regel soll eine identische IKT-Leistung durch genau einen internen Leistungserbringer entwickelt und angeboten werden.
 
Externer Bezug bei Standardsoftware und "Commodities"
Die interne Leistungserbringung soll durch extern bezogene Leistungen ergänzt werden. Dadurch soll die Flexibilität gesteigert werden. "Commodities" sollen, sofern sinnvoll, flächendeckend extern bezogen werden. Als Beispiele werden Büroautomatisation wie SAP, CMS oder Gever genannt, wobei die Wirtschaftlichkeit jeweils abgeklärt und externe Lieferanten entsprechend geprüft werden müssen. (kjo)