Swisscom lagert Unify-Business an Swisspro aus

Swisscom lagert das ganze Business mit den UCC-Lösungen von Unify aus. 130 Mitarbeitende wechseln zu Swisspro. Alle beteuern: Swisscom bleibt Unify-Partner.
 
Dass Grossfirmen gewisse Dienstleistungen, zum Beispiel das Putzen von Büros, den Betrieb von Personalrestaurants, die Reparatur von PCs oder den Vor-Ort-Service von bestimmten Geräten auslagern, ist normal. Meistens geht es darum, Kosten (und Löhne) zu senken. Dass eine Grossfirma aber einen kompletten Geschäfsbereich samt Verkauf, Installation und Betrieb auslagert und trotzdem die Verträge mit den Kunden behalten will, scheint uns neu.
 
So geschieht es aber mit dem Geschäft mit den Telekommunikationslösungen (Telefonzentralen, UCC, Call-Center-Lösungen) von Unify. Unify ist die ehemalige Siemens Business Communications. Das Unternehmen wurde 2015 von Atos geschluckt.
 
Swisscom lagert das ganze Geschäft mit den Produkten von Unify zu Swisspro aus. 130 Mitarbeitende wechseln zum bekannten ICT-Dienstleister, der damit über 1000 Mitarbeitende haben wird. Swisscom wird aber weiterhin die UCC-Konkurrenz-Lösungen von Microsoft und Cisco selbst verkaufen und betreiben.
 
Nachfrage nach Unify-Lösungen steigt
Es gehe Swisscom keineswegs darum, aus dem Geschäft mit den Kommunikationslösungen von Unify auszusteigen, beteuern unisono Swisscom-Sprecher Schädeli, Unify-Schweiz-Chef Drazen Andjelic und Bernard Frossard von Swisspro Solutions. "Das Geschäft mit Unify-Produkten zieht wieder an. Das war nicht immer so," sagt Schädeli. Swisscom werde die Kundenbeziehungen behalten, seine Ressourcen bei Swisscom Enterprise aber noch mehr auf den Verkauf der neuen Cloud-Lösungen konzentrieren.
 
Frossard sagt, Swisspro übernehme das ganze Unify-Geschäft. "Wir werden wie eine Abteilung von Swisscom funktionieren," so Frossard. Swisscom beteilige sich aber nicht an Swisspro, beeilt sich der Manager zu betonen. Andjelic seinerseits unterstreicht den Vorteil des Deals für den Hersteller. Swisspro sei flexibler als Swisscom und werde das Wachstum mit Unify-Produkten sowohl besser vorantreiben wie auch verdauen können. Andjelic: "Die Delivery war problematisch". Gleichzeitig werde Swisscom die Kontrolle über die Kundenbeziehungen behalten. Frossard bestätigt, dass er die Verkaufsmannschaft für Unify-Produkte massiv ausbauen will.
 
Swisspro wird einerseits als "externe Abteilung" von Swisscom fungieren, andererseits aber auch das Business Unify-Lösungen im KMU-Umfeld auf eigene Rechnung vorantreiben.
 
Keine Massnahme zur Lohnsenkung
Swisscom-Angestellte haben einen verhältnismässig guten Gesamtarbeitsvertrag. Geht es also darum, möglichst viele Swisscom-Leute aus dem GAV herauszuoperieren, um mittelfristig dann die Löhne senken zu können? Auch diesen Verdacht weist Frossard weit von sich. Die Arbeitsbedingungen und Löhne seien bei Swisscom und Swisspro ähnlich, versichert Frossard. "Auch wir haben gute Anstellungsbedingungen," so Frossard zu inside-channels.ch. (hc)

Unser Kommentar:

"Coopetition" auf die Spitze getrieben
Die Auslagerung eines ganzen Geschäftsbereichs von Swisscom hin zu einem Partner-Konkurrenten erstaunt. Swisscom will zwar nicht aus der uralten Partnerschaft mit Unify (Siemens) aussteigen, aber doch die ganze Arbeit vom Vertrieb über die Einführung der Lösungen bis zum Service auslagern. Der Exmonopolist sorgt dann nur noch für die Internet-Leitung zum Kunden und stellt die Rechnung.
 
Offenbar ist im Geschäft mit Unified-Communication-Lösungen immer noch so viel Marge drin, dass sich Swisscom und Swisspro die Erträge teilen können und trotzdem zufrieden sind.
 
Die neue Konstellation ist ein Kuddelmuddel in Sachen "Coopetition": Swisscom bietet seinen Kunden Lösungen von Unify an, aber auch solche der grössten Unify-Konkurrenten. Installiert und gewartet werden die Anlagen dann von Swisspro, die seinerseits auch Unify im Namen von Swisscom verkauft, aber bei KMU auch auf eigene Rechnung anbietet. Derweilen konkurrenzieren sich die Unify-Mutter Atos und Swisscom im IT-Service- und Outsourcing-Geschäft.
 
Gespannt bin ich darauf, ob Swissom Enterprise Kunden wirklich daran interessiert sind, mit Swisscom einen Vertrag zu haben, der von einer anderen Firma erfüllt wird. (Christoph Hugenschmidt)