Ispin macht den grossen Schritt nach Europa

Der künftige Geschäftsführer von Ispin Schweiz: Antonio Sirera
Konsolidieren oder konsolidiert werden. Nach dem Einstieg eines deutschen Investors soll der Schweizer Security-Spezialist zum Kern eines paneuropäischen Players werden.
 
Marco Marchesi, Mitgründer und CEO des Bassersdorfers Security-Spezialisten Ispin, hat eine Analyse und einen Plan. Die Analyse: Der Security-Makt wächst zur Zeit extrem schnell, ist aber gleichzeitig stark fragmentiert. Die Folge wird eine starke Konsolidierungswelle sein. Marchesi im Gespräch mit inside-channels.ch: "In der jetzigen Situation kann man entweder warten, bis man selbst konsolidiert wird, oder man setzt sich in den Driver's Seat."
 
Marchesi hat sich für den Fahrersitz entschieden. Doch um im Security-Markt als Konsolidierer zu wirken, braucht es Geld. Und zwar relativ rasch relativ viel. Marchesi: "Ohne einen zusätzlichen Investor wären wir zu langsam, um Marktschancen auszunützen. Kein unternehmergeführtes Unternehmen hat genug Mittel, um jetzt eine "Buy and Build"-Strategie umzusetzen. Wir haben deshalb einen Partner gesucht."
 
Der Partner wurde gefunden. Es ist die deutsche Beteiligungsfirma Capiton. Das Inhaber-geführte Unternehmen verwaltet nach eigenen Angaben ein Volumen von über 1,1 Milliarden Euro und ist an zehn mittelständischen Firmen beteiligt. Auf der Webseite von Capiton findet sich die Kurzdefinition der "Buy and Build"-Strategie: "Sie ermöglicht es, mit einem Unternehmen als Nukleus und durch den Zukauf weiterer Unternehmen der Branche, eine neue, noch schlagkräftigere Unternehmensgruppe zu bilden."
 
Capiton übernimmt die Mehrheit, Management beteiligt sich zusätzlich und Tom Köhler stösst dazu
Capiton steigt mit einer Mehrheit bei Ispin ein. Die beiden Firmengründer, Marco Marchesi und Stefan Näpflin, bleiben beteiligt. Zusätzlich beteiligt sich das Management und mit Tom Köhler steigt ein externer Experte mit europaweitem Netzwerk als Chief Strategy Officer ins Boot. Köhler war bis 2014 GM von Airbus CyberSecurity Deutschland und zuvor als Security-Stratege bei Microsoft und später RSA.
 
Köhler wird Chief Strategy Officer der Ispin-Gruppe, Stefan Näpflin CTO und Marco Marchesi CEO. Marchesi bleibt zudem Verwaltungsratspräsident von Ispin Schweiz, deren Führung an den bisherigen operativen Chef, Antonio Sirera übergeht.
 
"Eine Perspektive
Blick nach Europa: Ispin-Mitgründer Marco Marchesi
für Millenials"
Der Kampf um die knappen Security-Spezialisten entscheidet über die Zukunft einer ICT-Security-Firma. Sirera: "Es herrscht ein Kampf um qualifizierte Leute. Heute will man als Security-Spezialist nicht mehr bei einem Kunden arbeiten, wo man nur wenige Gleichgesinnte hat, sondern lieber bei einem Dienstleister. Man will am Puls der Technologie sein. Die künftige Ispin wird Millenials eine Perspektive bieten. Zum Beispiel wird man eine bestimmte Zeit lang auch im Ausland arbeiten können." Marchesi ergänzt: "Security-Spezialisten sind heikel. Sie wollen sich weiter entwickeln und arbeiten lieber in agilen Firmen. Wir wollen die erste Adresse für hochspezialisierte Fachleute werden."
 
Vor vier oder fünf Jahren wäre Ispin für den jetzigen Schritt noch nicht parat gewesen, sagt Marchesi. Doch jetzt sei die Firma bereit für einen grossen Entwicklungsschritt.
 
Übernahmen werden rasch folgen
Noch ist Ispin erst ein mittelgrosser Schweizer Security-Spezialist mit rund 80 Mitarbeitenden, wie es in der Schweiz noch weitere gibt. Doch mit dem Kapital der deutschen Beteiligungsfirma und der neuen Struktur mit Ispin Schweiz als Kern will man nun auf der Konsolidierungswelle surfen. Marchesi: "Wir haben viel Gespräche mit potentiellen Investoren geführt. Capiton ist unternehmergeführt und passt von der Kultur her."
 
Mit den zusätzlichen Mitteln der deutschen Beteiligungsfirma will er in der Schweiz zur Nummer eins im Security-Business werden und zudem in Europa durch Übernahmen wachsen. Marchesi: "Wir sind mit weiteren Firmen im Gespräch." (hc)