Avectris legt kräftig zu und sieht sich auf der Siegerstrasse

CEO Thomas Wettstein. Bild: Avectris
Die Strategie des IT-Dienstleisters scheint zweieinhalb Jahre nach der Unabhängigkeit von Axpo zu greifen. CEO Thomas Wettstein sprach über Ziele und Mittel.
 
Der IT-Dienstleister Avectris hat zur Präsentation der jüngsten Geschäftszahlen und neuer Büroräumlichkeiten in seinen Sitz in Baden geladen. Die Finanzergebnisse des Ende September 2017 abgeschlossenen Geschäftsjahres lägen deutlich über den Erwartungen, schreibt die Firma. Der Umsatz konnte von 62,1 Millionen Franken auf 67 Millionen gesteigert werden. Und auch auf der Gewinnebene sieht es laut CEO Thomas Wettstein gut aus: Man veröffentliche diesbezüglich keine Zahlen, wirtschafte aber profitabel, erklärt er auf Nachfrage.
 
Für das seit Oktober 2017 laufende Geschäftsjahr rechnet das IT-Unternehmen wiederum mit einem Wachstum von rund 20 Prozent. Dies schlägt sich auch auf der Mitarbeiterseite nieder. Den Personalbestand konnte man in den letzten eineinhalb Jahren um rund 50 Personen erhöhen. Mittlerweile arbeiten 250 Personen für das Unternehmen. Entsprechend hat Avectris nun seine Büroräumlichkeiten in Baden vergrössert.
 
Fokus Energiewirtschaft und Mittelstand
Das war nicht immer so: Avectris löste sich im Juni 2015 als eigenständiges Unternehmen aus Axpo. Die IT-Firma, die nach wie vor im Besitz von Axpo blieb, zählte damals 230 Mitarbeiter. Vorerst sank diese Zahl deutlich auf 200. Das Kerngeschäft litt unter der Flut an günstigem Strom und dem entsprechenden Kostendruck auf den Energiefirmen. Grund für die Abspaltung von Avectris war dann auch der Spardruck, der auf Axpo lastete, wie Wettstein erklärt.
 
Und so gab es erst den Aderlass, bevor sich die Firma am freien Markt zu konsolidieren begann und schliesslich den Weg zu den aktuellen Zahlen einschlug. Die Zielsetzung von Wettstein: Avectris soll als führender IT-Dienstleister für Versorger und den Schweizer Mittelstand positioniert werden. Das heisst im Fokus stehen weiterhin Stromversorger, aber auch mittelständische Firmen aus den Bereichen Industrie, Gesundheitswesen sowie Banken und Versicherungen. Mittelstand umfasst bei Avectris ein breites Spektrum von Firmen mit 200 bis einigen Tausend Mitarbeitern, je nach IT-Intensität.
 
Neuausrichtung und alte Stärken
"Gewartet hat man in der Schweiz ja nicht gerade auf einen weiteren IT-Dienstleister", sagt Wettstein. So habe man sich auf seine Stärken besonnen: Langjährige Erfahrung in der Energiewirtschaft und beim Betrieb der Informatik kritischer Infrastruktur. Ausserdem habe man sich als IT-Dienstleister
Referenzkunden von Avectris.
für jene als mittelständisch definierten Firmen positioniert. Hier sei das Gerangel nicht so gross und hier könne man sich mit seinen Partnern als One-Stop-Shop präsentieren.
 
Diese Strategie widerspiegelt sich auch bei den Neukunden: Im Bereich der Energieversorger habe man ein schönes Wachstum erreicht, erklärt Wettstein. Aber auch im klassischen Sourcing habe man einiges vorzuweisen. Der CEO nennt die beiden Versicherer Swica und Generali, welche Avectris als IT-Provider gewählt haben. Für das Kantonsspital Baden betreibt die Firma zudem die Netzwerkinfrastruktur und für Swissphone die Unternehmens-IT. Insgesamt habe man seit der Umsetzung der Strategie 50 neue Kunden gewinnen können, so Wettstein.
 
Von der Security über ERP bis zu IT-Consulting
Ein weiteres Standbein von Avectris sind SAP-Dienstleistungen. Rund 50 Leute arbeiten in diesem Bereich. So gilt denn eine intensive SAP-Nutzung auch als wichtiges Argument, für das Engagement in einem Zielmarkt. Aber man kann bei Avectris auch einen CISO mieten. Acht Personen sind für diesen Bereich zuständig, könnten aber auf weitere Teams und Ressourcen zugreifen, erklärt der CEO. Das unterstreicht nochmals den Fokus auf mittlere Unternehmen, die das Bedürfnis nach einem Security-Chef hätten, aber sich keine entsprechende Position innerhalb des Unternehmens leisten können.
 
Die beiden Bereiche sind Bestandteil eines breiten Portfolios, das von hybriden Cloud-Lösungen, über klassisches Outsourcing und Collaboration bis zu IT-Service-Management und IT-Consulting reiche. Wettstein unterstreicht es nochmals und bestätigt damit, was man immer wieder hört: Man biete alles aus einer Hand, das sei es, was die Kunden wollen.
 
Die 20 Prozent Wachstum im laufenden Jahr seien etwa das was man anstrebt. "Wir können nicht einfach skalieren, wie etwa die Verkäufer von Software", so Wettstein. Man müsse beständig neue Angestellte einarbeiten. Würde man wesentlich stärker wachsen, ginge das auf Kosten der Qualität und der Ruf sei schnell ruiniert. (Thomas Schwendener)