Sommerloch noch nicht ganz überwunden

ICT-Reseller-Index, September 2016. Weitere Grafiken finden Sie auf Concertopro.ch.
Der ICT-Reseller-Index der Disti-Vergleichplattform Concerto zeigt, dass sich die Dynamik nach dem Sommer noch nicht so einstellt, wie aus den Vorjahren gewohnt.
 
Im September sind wir in das normalerweise stärkste Drittel des Jahres gestartet. Mit lediglich 71 Punkten, beziehungsweise einem Wachstum von neuen Prozent zum Sommerlochmonat August, stellt sich diesmal aber leider keine spürbare, mit den Vorjahren vergleichbare Dynamik ein. Der September 2016 liegt mit einem Minus von 23 Prozent folglich deutlich hinter dem Vorjahreszeitraum. Auch vergrössert sich die kumulierte Lücke im bisherigen Jahresvergleich von 15 Prozent im zweiten auf 18 Prozent im dritten Quartal 2016.
 
Etwas mehr Dynamik gegenüber dem Sommerloch entwickeln konnten die Sortimentsbereiche "Komponenten" (+21%), "Peripherie" (+19%) und "Computer" (+17%). Die Bereiche "Software" (+4%), "Verbrauchsmaterial" (+3%) und "Andere Artikel" (-1%) bewegten sich eher flach.
 
Interessanterweise ist die Artikelgruppe "Computer" bei all den schlechten Nachrichten in den letzten Monaten leicht besser in die Jahresend-Rally gestartet und kann kumuliert minimal die Lücke zum Vorjahr reduzieren. Damit steigt auch der Umsatzanteil von Computern im Verkauf beim ICT-Reseller wieder auf 37 Prozent. Wir erinnern uns, dass es im Mai nur noch 33 Prozent waren.
 
Die kürzlich in anderen Medien kommunizierten Zahlen zur sehr guten Entwicklung des Druckermarktes in der Schweiz können wir in den Daten des ICT-Reseller-Index nicht nachvollziehen. Auch alle andere Länder in Europa weisen entsprechend schlechte Entwicklungen vor. Auch der rein qualitative ICT-Index der Swico berichtet eher über eine sehr schlechte Lage mit negativem Ausblick für Imaging/Printing/Finishing.
 
Bekannte Herausforderungen bleiben
Einmal mehr ist also keine Trendwende in Sicht auch wenn alle in der Branche darauf warten. Der Schweizer ICT-Reseller muss sich den bekannten Herausforderungen aktiv und auf Dauer stellen:
  • Preisverfall durch Überangebote und folglich Erosion der Marge
  • Mit den niedrigeren Preisen sinkt die Bereitschaft für teure Hardware-Reparaturen
  • Kunden nutzen zunehmend andere Einkaufskanäle inklusive Grauimporte
  • Früher wichtige Produkte haben ihren Zenit erreicht und verlieren an Bedeutung (z.B. Storage)
  • Es ist kein Artikelbereich für den Händler zu erkennen, der die Absatz-Umsatz-Margen-Verluste irgendwie auch nur annähernd kompensieren könnte.
  • Mit abnehmenden Volumen verschlechtern sich die Einkaufs- und Partnerkonditionen beim Distributor und Hersteller, so dass die Marge zusätzlich schlechter wird.
Wichtig ist somit, die eigene Strategie und das Geschäftsmodell zu überprüfen. Je später aber ein Kurswechsel unternommen wird, desto weniger Optionen ergeben sich und desto schlechter sind die Prognosen. (Thomas Czekala)
 
Der Autor: Thomas Czekala ist Verwaltungsrat der ProSeller AG.
 
Zum ICT-Reseller-Index
Der Index wird täglich ermittelt und einmal monatlich für den laufenden Monat fixiert. Er basiert auf den anonymisierten Suchaktivitäten der ICT-Reseller bei Verwendung der Concerto-Software-Suite und repräsentiert damit ein jährliches Einkaufsvolumen von ca. 1,5 Milliarden Franken bzw. rund 20'000 Abfragen pro Tag.