Ergon wagt den Generationenwechsel

Gabriela Keller, bald CEO Ergon
Gabi Keller übernimmt die Leitung des Zürcher Software-Hauses, Pat Burkhalter zieht sich auf den Stuhl des VRP zurück. Vier Abteilungsleiter werden Mitglied der GL.
 
Gabi Keller ist ab 1. Juli die neue CEO des Zürcher Software-Herstellers Ergon. Sie folgt auf Patrick Burkhalter, der sich auf den Stuhl des Verwaltungsratspräsidenten zurückzieht. Damit vollzieht das 1984 gegründete Softwarehaus einen Generationenwechsel.
 
Die ETH-Informatikingenieurin Gabi Keller ist seit 1994 bei Ergon und seit 15 Jahren in der Geschäftsleitung. Dass sie Nachfolgerin von Burkhalter wird, ist nicht überraschend. Denn Keller war bisher für Marketing und Personal verantwortlich und hat damit die Kultur der Firma mitentwickelt. Ergon ist einerseits sehr transparent (detaillierte Quartalszahlen werden für alle einsehbar jeweils ausgehängt) und die Lohnstruktur ist einfach, nachvollziehbar und allen bekannt. Die Firmenkultur ist eines der wichtigsten Assets von Ergon, denn es gelingt den Zürchern seit vielen Jahren, talentierte Software-Ingenieure anzuziehen. Er habe nie Probleme, gute Leute zu finden und zu halten, sagte uns Burkhalter mehr als einmal.
 
Sie wolle die Firmenkultur behalten und stärken, so Keller zu inside-it.ch. "Wir suchen eine gute Balance zwischen etwas mehr Strukturen, die eine Firma mit 250 Mitarbeitenden einfach braucht, guten Arbeitsbedingungen und grosser Eigenverantwortung in der täglichen Arbeit."
 
Mitarbeitende stimmten ab
Einzigartig ist Ergon auch, weil die Mitarbeitenden ihren CEO jeweils "wählen". Das stimmt zwar rechtlich nicht ganz, denn der Verwaltungsrat bestimmt bei einer AG die Geschäftsleitung. Aber wie Keller sagt, waren die Mitarbeitenden in den Prozess der Nachfolgeregelung involviert. "Zum Schluss wurden die neue Organisation und die Besetzung der Geschäftsleitung den Mitarbeitenden zur Abstimmung vorgelegt. Die Mehrheit sprach dabei der künftigen Organisation und Geschäftsleitung ihr Vertrauen aus", so Keller in einer E-Mail.
 
Weiterhin keine Offshore-Projekte
Anders als beispielsweise Netcetera (Mazedonien), Adnovum (Ungarn) oder Elca (Vietnam) entwickelt Ergon ausschliesslich in der Schweiz.
Patrick Burkhalter. Noch CEO Ergon
Das wird auch so bleiben. Keller: "Ich bin überzeugt, dass die Nachteile von Offshoring bei unserer Art von Projekten überwiegen. Wir haben talentierte Mitarbeitende und sind gut ausgelastet. Die laufende Digitalisierung zeigt, dass die Schweizer Firmen einen Partner wie uns brauchen, um ihr Geschäft intelligent weiter zu entwickeln."
 
Sauter zieht sich aus der GL zurück
Neben Pat Burkhalter, dessen direkte und unerschrockene Art man in der Schweizer Software-Szene vermissen wird, zieht sich auch der bisherige Verkaufsleiter Alois Sauter aus der Geschäftsleitung zurück. Sein Nachfolger als Chief Sales Officer wird Lukas Ehrensberger.
 
Zudem wird die Geschäftsleitung ausgebaut. Die vier bisherigen Abteilungsleiter Adrian Berger (Finance Solutions), Heiko Faller (Enterprise Solutions), Roman Hugelshofer (Application Security) und Dominik Moser (Telecom Solutions) sind neu auch in der GL. Teddy Graf (CFO) und Hans-Jürg Schneider (COO) behalten ihre Funktionen ebenso wie unser Gastautor Erich Oswald als CTO. (hc)
 
(Interessenbindung: Ohne Ergon und Patrick Burkhalter gäbe es inside-it.ch und inside-channels.ch vielleicht nicht. Denn Ergon ist zusammen mit Netcetera seit 2004 (!) als Technologiepartner für die Technik-Seite unserer Publishing-Plattform verantwortlich.)