Public Cloud benützen, aber Daten behalten

Eine Cloud-Channel-Idee aus Deutschland.
 
Anlässlich der gerade stattfindenden NetApp-Konferenz NetApp Insight in Berlin hatte inside-channels.ch Gelegenheit, mit Lars Göbel, Director Sales und IT Services beim Darmstädter IT-Dienstleister DARZ zu sprechen. DARZ hat eine, wie wir finden, interessante Idee, um dem regionalen ICT-Channel ein Stück des grossen Cloud-Geschäfts zu sichern. Viele Kunden, so hat man sich in Darmstadt gesagt, würden gern die Cloud-Services der globalen "Hyperscaler" – AWS, Softlayer, Azure, Google und Co. – nutzen, wollen ihre Daten aber nicht ausserhalb ihres Landes speichern lassen. Warum also nicht die Datenhaltung von der Verarbeitung trennen? Ein Provider im eigenen Land übernimmt die Speicherung der Daten, die Ressourcen der globalen Player werden nur für die Verarbeitung benützt.
 
DARZ hat auf der Basis von NetApp-Technologie eine Hybrid-Lösung entwickelt, die dies ermöglicht: Daten werden im DARZ-Rechenzentrum gespeichert, für die Verarbeitung beziehungsweise den "Compute"-Teil dieses Infrastructure-as-a-Service-Angebots können die Cloud-Plattformen globaler Player wie Amazon, IBM und Co. benützt werden.
 
Das deutsche Unternehmen will diesen Hybrid-Cloud-Service nicht nur direkt vertreiben, sondern auch ein Ökosystem von Partnern aufbauen. Laut Göbel ist DARZ dabei sehr flexibel und möchte verschiedene Möglichkeiten für den Wiederverkauf beziehungsweise ein "White Labeling" und Reselling der DARZ-Services anbieten. Partner könnten beispielsweise die Einrichtung und das Management übernehmen, auch für mehrere Mandanten. Partner können aber auch die Infrastruktur in eigenen Rechenzentren aufbauen. DARZ würde dabei als Berater helfen. In der Schweiz sei man mit zwei Partnern im Gespräch. Etwa hätten sich Deltalis und swiss fort knox interessiert gezeigt, so Göbel. Beide betreiben physisch besonders gut geschütze Rechenzentren in Bunkern in den Schweizer Alpen.
 
Beim Hybrid-Cloud-Modell von DARZ müssen Daten allerdings zeitweise das regionale Rechenzentrum verlassen, um in einer der grossen Clouds verarbeitet zu werden. Die Übertragung erfolgt verschlüsselt über dedizierte Glasfaseranschlüsse. Beim grossen Provider, so Göbel, befindet sich zudem zu jedem Zeitpunkt nur die kleine Menge an Daten, die gerade von der CPU verarbeitet werden oder im Memory gespeichert sind. Um sie "abzusaugen" müsste
Lars Göbel, Director Sales und IT Services beim Darmstädter IT-Dienstleister DARZ.
ein Angreifer von Anfang an alle diese kleinen Stücke abgreifen und dann auch noch zusammensetzen können. Auch die Security-Experten des Franhofer Instituts, so Göbel, hätten DARZ versichert, dass dies beim gegenwärtigen Stand der Technologie noch nicht möglich sei. Zudem wäre es möglich, noch weitere zusätzliche Security-Massnahmen einzusetzen, zum Beispiel eine Verschlüsselung von CPU und Memory.
 
Einer der ersten Kunden, der Hybrid-Cloud von DARZ benützt, ist das ebenfalls in Darmstadt stationierte Unternehmen Helpium. Dieses ist selbst wiederum eigentlich ein Channelunternehmen mit einer Cloud-basierten Geschäftsidee: Helpium hat einen Markplatz aufgebaut, über den freischaffende IT-Experten IT-Support anbieten können. Die Zielkundschaft sind kleinere Unternehmen und Privatpersonen. Helpium bezieht über DARZ gegenwärtig Compute-Services sowohl von Amazon Web Services als auch IBM Softlayer. (Hans Jörg Maron)
 
Veranstaltungshinweis:
Am 28. Januar 2016 haben Sie etwas vor. Sie wollen nämlich am Nachmittag ins Folium im Zürcher Sihlcity. Dort findet ab 13 Uhr das erste Inside Channels Forum statt. Thema: Der Channel und die Cloud.
 
Einige Beispiele aus dem Programm: Prominente Schweizer VARs (Bechtle, Leuchter, Steffen Informatik, ITpoint, VonRoll Intec, Bison ITS) diskutieren die Frage "How to Survive in Times of Cloud Computing".
Hersteller (Microsoft, IBM, VMware, EMC, u.v.m.) setzen sich auf den heissen Stuhl und Cloud-Spezialistin Professor Stella Gatziu Grivas sagt, was der Markt jetzt von der Branche erwartet.
 
Die Zahl der Plätze ist beschränkt. Es lohnt sich, frühzeitig ein Ticket zu kaufen (100 Franken für Mitarbeitende von Resellern, 500 Franken für Mitarbeitende von Herstellern und Distributoren). Zum Programm geht es hier.