"Wir wollen ein Wachstum von bis zu 30 Prozent"

Markus Mahler ist seit Ende 2012 Chef des Elektonikhändlers Brack Electronics mit Sitz in Mägenwil. Im vergangenen Jahr konnte das Unternehmen das geplante Umsatzwachstum nicht erreichen – das soll sich in diesem Jahr ändern.
 
Herr Mahler, Sie sind seit Ende 2012 Chef des Onlineshops Brack Electronics. Wie geht es Ihnen dabei?
 
Mir geht es grundsätzlich gut. Da ich seit über vier Jahren bei der Competec-Gruppe bin (das Mutterunternehmen von Brack, Anm.d.R.), war der Einstieg einfacher. Die Aufgaben haben sich aber grundsätzlich verändert. Früher war ich für Strategie- und Führungsprozesse zuständig, jetzt für operative Geschäfte.
 
Und was haben Sie sich für ein Ziel gesetzt als Chef von Brack?
 
Für mich persönlich war zuerst die Aufgabe, alle Leute und Abläufe so gut wie möglich kennen zu lernen. Für das Unternehmen besteht das Ziel darin, den anvisierten Jahresumatz zu erreichen. Im vergangenen Jahr lagen wir mit einem Wachstum im Endkundenbereich von 10 Prozent unter unseren Erwartungen. Nun wollen wir 20 bis 30 Prozent wachsen.
 
Wie wollen Sie dieses Wachstum erreichen?
 
Wir müssen die Veränderungen, die der Markt durchläuft, mitmachen. Im vergangenen Jahr sind neue Bereiche wie Grill und ferngesteuerte Spielwaren dazu gekommen. In diesem Jahr setzten wir noch stärker auf diese Nischen. Der Preiszerfall in der IT und UE wird anhalten. Umso wichtiger für uns also, neue Nischen zu suchen und vor allem zu finden. Zudem läuft der Trend weg von offline hin zu online – da müssen wir mithalten.
 
Genau, Sie haben ja seit Dezember 2012 eine neue Homepage. Die ist aber immer noch in der Betaversion…
 
…ja, aber nicht mehr lange. Wir wollen die Endversion bis im Juni aufschalten. Das hängt aber von den letzten Tests ab. In der vergangenen Woche ging das Fehler überarbeiten länger als gedacht. Wir arbeiten nun seit zweieinhalb Jahre an unserer Homepage. Wir haben beispielsweise Testings durchgeführt, um zu schauen, auf was die Kunden ansprechen.
 
Was genau haben Sie da getestet?
 
Generell haben wir das User-Verhalten getestet. Wir haben einfach gemerkt, dass man persönlich von einem falschen Bedürfnis aus geht. Im ersten Designentwurf hatten wir nur drei Oberkategorien. Wir wollten es möglich einfach und übersichtlich machen. Die Reaktionen der Kunden waren aber alles andere als gut – die dachten eher, dass wir einen kleinen Shop haben. Nun ist er in sieben Kategorien eingeteilt. Zum Glück, sonst wüssten wir gar nicht, wo wir all unsere Artikel verstauen könnten.
 
Was ist Ihre grösste Sorge bei Brack?
 
Vor rund zwei Wochen stand der "Autostore" in Willisau still. Autostore ist das Herzstück des Logistikzentrums und dient als automatisches Kleinteilelager mit siebzig Robotern. Wenn das nicht läuft, können wir die Bestellungen nicht ausliefern – sozusagen ein Super-GAU. Der Ausfall dauerte einen Tag - das Gefühl, nicht zu wissen, was falsch ist und wo das Problem liegt, ist schrecklich.
 
Und dann?
 
Das Problem war ein Wartungsfehler des Herstellers, und war am Tag darauf behoben. Am nächsten Tag gingen dann aber so viele Bestellungen raus, dass auch alle pendenten Bestellungen aufgeholt wurden. Ich fand es dann im Nachhinein schön, zu sehen, dass wir noch freie Kapazitäten haben. Aber ansonsten mache ich mir eigentlich keine Sorgen.
 
Wenn man jemanden fragt, was Brack ist, wissen die wenigsten die Antwort. Digitec kennen aber alle. Haben Sie keine Angst, dass Sie zwischen den grossen Elektronikhändlern wie Digitec oder Interdiscount zerdrückt werden?
 
Nein, wir wachsen ja immer noch, und ich sehe noch immer ein grosses Potential. Natürlich ist Digitec gross, aber ich glaube nicht, dass wir überfahren werden. Zudem sind wir die einzigen Unabhängigen in dieser Grössenordnung. Die Teilübernahme von Digitec durch die Migros kam für mich überraschend. Ich wünsche mir aber nicht, dass uns das Gleiche passiert.
 
Bei einem Preisvergleich ist Brack immer etwas teurer als die Konkurrenz. Wieso?
 
So gross kann der Unterschied eigentlich gar nicht sein, aber wir legen viel Wert auf unsere Dienstleistung. Wir versprechen unseren Kunden, dass sie am Tag nach einer Bestellung den Artikel erhalten. Deshalb haben wir auch viel in die Logistik investiert. Das widerspiegelt sich dann halt auch im Preis, wir müssen ja auch etwas verdienen.
 
Aber bei Digitec kann ich in einen der neun Läden in der Schweiz vorbeigehen. Den Weg nach Mägenwil machen wohl nicht allzu viele Kunden, um sich beraten zu lassen.
 
Ja das stimmt, wir haben nur den einen Showroom hier. Aber wir haben eine Hotline mit sehr kompetenten Menschen. Es rufen immer mehr Kunden an. Zudem haben wir bereits viele Informationen auf unserer Site. Aber natürlich müssen wir unseren Bekanntheitsgrad vergrössern. Wie Sie bereits gesagt haben, Digitec kennen alle, Brack nicht. Noch nicht. Wir wollen in diesem Jahr vermehrt auf Marketing setzten, insbesondere in Offline-Werbung.
 
Sie haben über 50‘000 Artikel im Lager. Haben Sie ein persönliches Lieblingsgerät?
 
Ich habe seit zehn Jahren einen Weber-Grill, den haben wir seit neustem auch im Sortiment. Zurzeit faszinieren mich zudem die Tablet-Transformers. Das sind Geräte, die man sowohl als Tablet als auch als Laptop benutzen kann. Ihre Perfomance wird immer stärker. Ich denke, ich werde mir nächstens so ein Gerät kaufen. (Interview: Linda von Burg)
 
Foto: Markus Mahler in Mägenwil vor dem Abholschalter.