Comparex Schweiz ist überschuldet

Bislang keine Auswirkungen auf das Kundengeschäft. Wegweisende Generalversammlung findet am 10. Dezember statt.
 
Der seit über einem halben Jahr dauerende Konflikt zwischen dem Surseer Softwarehersteller Bison und dem deutschen PC-Ware-Konzern hinterlässt seine Spuren. Comparex Schweiz, der im Surseer Enterprise-Gebäude stationierte IT-Dienstleister, der nach wie vor zu 30 Prozent Bison gehört, ist dermassen überschuldet, dass nun erste Massnahmen fällig werden.
 
Der Verwaltungsrat von Comparex Schweiz hat heute gemäss einer Mitteilung die Aktionäre der Gesellschaft zu einer ausserordentlichen Generalversammlung am 10. Dezember 2010 eingeladen. Aktueller Anlass sei, dass die Gesellschaft infolge der Geschehnisse um den 13. April 2010 eine bilanzielle Überschuldung ausweise und daher nach Schweizerischem Obligationenrecht Handlungsschritte erforderlich seien, schreibt Comparex. Der Leipziger IT-Konzern PC-Ware, der 70 Prozent der Anteile besitzt, habe dem Verwaltungsrat seine "uneingeschränkte Unterstützung bei allen für die Beseitigung der Überschuldung erforderlichen wirtschaftlichen und finanziellen Schritten zugesichert". Ziel sei es, Comparex Schweiz "nachhaltig zu alter Stärke zurückzuführen". Das Unternehmen beschäftigt momentan 80 Personen.
 
Wie real die Sanierung oder der drohende Konkurs sind, bleibt unklar. Comparex Schweiz wollte sich nicht zu konkreten Fragen äussern. Zum jetzigen Zeitpunkt könne man keine weiteren Aussagen tätigen, heisst es aus Sursee. "Grundsätzlich sei aber festgestellt", schreibt Comparex in einer Stellungnahme, "dass Gegenstand der Generalversammlung geeignete Handlungsschritte sein werden, um die bilanzielle Überschuldung der Gesellschaft kurzfristig und nachhaltig zu beheben. Unsere Mehrheitsgesellschafterin, die PC-Ware Information Technologies AG, hat uns die uneingeschränkte Unterstützung bei der Umsetzung dieser geplanten Handlungsschritte zugesichert." Im Klartext: PC-Ware bereitet eine Finanzspritze vor.
 
Die gemäss Comparex "vorübergehende bilanzielle Situation" werde keinerlei spürbare Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb von Comparex Schweiz haben: "Wir sehen insbesondere keine Auswirkungen auf das Kundengeschäft", heisst es in der Stellungnahme.
 
Zivilklage, Strafklage, Schadensersatzklage
Bei Comparex Schweiz hatten im April auf einen Schlag das ganze Management sowie zirka 180 von 200 Angestellten gekündigt. Sie erhielten vom Minderheitsaktionär Bison Stellenzusagen, und wechselten dementsprechend bald zu Bison beziehungsweise zur neu gegründeten Bison IT Services in Büron. Der Mehrheitsaktionär PC-Ware reagierte mit zivil- und strafrechtlichen Klagen. Die Zivilklagen wurde Ende August vom Luzerner Obergericht abgewiesen. Die gegen den ehemaligen Comparex-Schweiz-CEO Oliver Schalch sowie gegen Bison-Chef Rudolf Fehlmann und drei weitere Personen laufenden Strafverfahren sind hingegen noch hängig. Die Vorgänge haben Comparex offensichtlich stark belastet. Aus diesem Grund soll auch eine Schadensersatzklage gegen Bison gerichtlich eingebracht werden, wie heute erneut betont wurde.
 
Auf der anderen Seite scheint Bison derzeit keine akuten Probleme zu haben. In einer heute verschickten Mitteilung informierte das Unternehmen über die gestrige Kundenveranstaltung im Verkehrshaus Luzern, wo sich Bison erstmals mit einem Informatik-Gesamtangebot präsentiert hat. Bison wollte sich auf Anfrage nicht zur ausserordentlichen GV äussern. (Maurizio Minetti)