Datenbank-Migration kommt nicht voran. Die Solothurner Geschäftsprüfungskommission will bis Oktober einen Bericht von der Regierung.
Die Solothurner Open-Source-Strategie steht wieder einmal im Kreuzfeuer der Kritik. Am Wochenende berichtete die
'Solothurner Zeitung', dass die Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Solothurner Kantonsrates die Regierung fragt, ob sie einen "Plan B" habe, "für den Fall, dass das laufende Projekt scheitern sollte". Die GPK verlangt bis zum 1. Oktober einen Bericht über die laufende Einführung der Open-Source-Software. Sie hatte sich bereits Anfang 2010
zu Wort gemeldet.
VerzögerungenDie Solothurner Kantonsverwaltung, die sich vor bald zehn Jahren für die quelloffene Software entschied, gilt zumindest unter Open-Source-Befürwortern als Pionier in der Schweiz. Das Solothurner Amt für Informatik und Organisation (AIO) sieht sich allerdings vermehrt mit Kritik konfrontiert. Vor einem Jahr – im Zuge des Wirbels
um die
ausschreibungslose Microsoft-Vergabe des Bundes – schaltete sich in Solothurn die
kantonale Finanzkontrolle ein.
Fraglich ist etwa, ob der Kanton tatsächlich jährlich eine Million Franken spart. Es gab immer wieder Verschiebungen bei der Implementierung. Der Widerstand einiger Anwender im Kanton ist zudem auch nicht von der Hand zu weisen. Fairerweise muss aber gesagt werden, dass viele Linux-Anwendungen problemlos laufen.
Vor einem Jahr sagte AIO-Chef Kurt Bader zu inside-it.ch, dass alle Geräte zwar auf Open Source laufen,
bislang aber nur 1300 Personen mit der Lösung arbeiten. Bis 2010 sollten dann alle 2000 Verwaltungsangestellten mit Open Source arbeiten. Offiziell heisst es heute, dass die Umstellung bis Ende 2010 erfolgen werde. Die Migration begann 2002 und sollte ursprünglich 2007 abgeschlossen sein.
Datenbank-ProblemMomentan hapert es an der Umstellung der Windows-basierten Datenbank "Konsul" auf das Linux-basierte "Ambassador", wie die 'Solothurner Zeitung' schreibt. Weil die zentrale Datenbank zur Bearbeitung von Regierungsratsbeschlüssen nicht migriert werden kann, wird das ganze Projekt blockiert. "Scheitert Ambassador, macht die flächendeckende Einführung von Linux kaum mehr Sinn", wird Finanzdirektor Christian Wanner zitiert. Das Geschäftskontrollsystem gilt als das Herzstück der Linux-Umstellung, da es die Departemente und deren Mitarbeitende am stärksten vernetzt. Gemäss GPK gibt es noch weitere Probleme, so etwa mit dem Scalix Webmail Client und mit dem Ausdrucken von Dokumenten.
Nun soll eine Expertise, die nach den Sommerferien fertig sein soll, klären, ob die Migration bis Ende 2010 "zu Ende geführt und langfristig erfolgreich nutzbar gemacht werden kann". (mim)
Kommentare:
Wenn man sich nur noch den Usern orientieren würde, käme man aber auch nie voran.
Wie hat es Henry Ford treffend formuliert:
"If I had asked my customers what they wanted, they would have said they wanted a faster horse".
Aber wenn man z.B. die ganzen SAP-Einführungen anschaut - da hat sicher am Anfang auch niemand von den Usern "Hurra, endlich!" geschriehen. Aber deswegen hat niemand auf die Einführung verzichtet - weil die Entscheidungsträger einen Mehrwert gesehen haben.
Ist der nicht ersichtlich, gehen ziemlich schnell die Lichter aus in dem Projekt...die wenigsten Firmen leisten sich "IT-Hobbies" nebenher.
http://www.pro-linux.de/news/1/15764/solothurn-probleme-stark-uebertrieben.html
Fazit: es gibt einige wenige Probleme, die bereits gelöst wurden oder werden. Die Verwaltung spart schon seit Jahren 1,5 Mio. Franken pro Jahr durch die Migration.
Die Lizenzgebühren sind nicht der Hauptkostenfaktor! Hinzu kommt noch, dass wir in der Schweiz nicht genügend Fachkräfte haben, um überhaupt einen vergleichbaren Entwicklungsgleichstand zu MS aufzubauen. Dafür ist die Schweiz doch ein wenig zu klein! Also rein hypothetische Annahmen sind für mich keine Argumente. Was Sie hier zum Vergleich bringen, ist in der Realität beinahe unmöglich. Klar bezahlen auch Kleinunternehmen Steuern in der Schweiz, aber wie viel im Vergleich? Glauben Sie mir, mir wäre es auch lieber, die Schweiz wäre in der IT-Branche so erfolgreich wie MS, Apple usw., aber dem ist nicht so und es gibt auch keine Anzeichen, dass wir es einmal sein werden. Open Source wird da auch nicht so schnell was ändern und mehr Steuereinnahmen wird Open Source uns auch nicht bescheren. Mehr Arbeitskräfte wird Open Source uns auch nicht bringen, wenn überhaupt würde es höchstens eine Umverteilung geben, d.h. mehr Open-Source-Fachkräfte, dafür weniger MS. Der Markt ist bei uns gesättigt. Die Hauptentwicklung von Open-Source-Produkten ist auch im Ausland und daran wird sich auch nichts ändern. Genauso ist es falsch, wenn hier suggestiert wird, dass die Einnahmen der in der Schweiz verkauften Lizenzen nur in die USA fliessen, dafür wird auch hier Steuern bezahlt. MS unterstützt in der Schweiz zahlreiche Forschungen und hat noch kleinere Unternehmen, die auf den ersten Blick nicht zu MS gehören. Ich versteh Ihre Überlegungen sehr gut, aber bei genauerer Betrachtung ist es doch nicht so realistisch.
> bezüglich der Steuern und somit finanziellen Nutzen für den Staat,
> kaum wenn nicht sogar den gegenteiligen Unterschied.
> ihres geringen Umsatzes.
2) Selbst meine 50% Mini-Einzelfirma zahlt Steuern.
3) Was nicht versteuert wird, bleibt grösstenteils in der Schweiz.
Die zusätzlichen Projektkosten sollen aus Einsparungen bei den beteiligten Departementen finanziert werden. Damit ist Fakt, dass unter dem Strich es uns nicht mehr kostet, sondern es mit einer sinnvollen Kostenverteilung geregelt wurde. Die zeitliche Verzögerung beträgt aber nicht Jahre wie in Solothurn, sondern lediglich einige Monate. Bis dahin können aber die Bundesbeamten mit XP ohne Probleme weiterarbeiten und haben keine Druckprobleme, Mail usw.!
Roger Bochinski