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Donnerstag, 04.10.2007
Ballmer an Partner: "Umarme die Veränderungen"

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Microsofts Botschaft an die Schweizer Informatik-Branche: "Macht mehr Dollars pro Kunde!" Swisscom will Software-Handelsplattform aufbauen.
 
Microsoft-Chef Steve Ballmer (Foto) wird in diesen Stunden unbarmherzig durch Zürich gehetzt. Presseroundtable da ("No comment" zum Thema EU), Vortrag dort, Produkte-Präsentation hier und dazwischen noch eine Kürzest-Diskussion mit wichtigen Partnern. Zum Dessert trifft sich Ballmer heute Abend dann auch noch mit Bundesrätin Leuthard.
 
Die Botschaft am heutigen Anlass mit den wichtigsten Microsoft-Partnern in der Schweiz und Steve Ballmer war in einigen Teilen klar, in anderen dann doch eher wolkig. Beat Sommerhalder, der bei Microsoft für das Partner-und KMU-Business zuständig ist, sagte es mindestens vier mal: In einem reifen Markt wie der Schweiz geht es nicht darum, mehr ("Gold")-Partner zu rekrutieren oder zu hoffen, dass die bestehenden Partner völlig neue Märkte gewinnen würden. Nein, die neuen Märkte sind die alten: den bestehenden Kunden soll mehr Umsatz abgerungen werden. Dies deckt sich mit der Microsoft-Strategie, laufend in neue Geschäftsfelder (Enterprise, Storage, Kommunikation, Security, ...) vorzustossen.
 
Ballmer: "Der Begriff Software wird neu definiert"
Steve Ballmer dann wurde nicht müde, den anwesenden Microsoft-Partnern ins Gewissen zu reden: "Embrace dispruption" (zu deutsch etwa "Akzeptiere radikale Veränderungen"). Langfristig werde sich die Definition, was Software ist, durch "Software-as-a-Service" radikal verändern. Natürlich spricht man bei Microsoft nicht von "Software-as-a-Service" (schon gar nicht vor Partnern) sondern es ist konsequent nur von "Software + Service" die Rede.
 
Die Wandlung in der Art und Weise wie Software angeboten und benützt wird, wird gemäss Ballmer nicht schnell passieren. "Auch in sechs bis acht Jahren werden noch viele Leute mit traditionellen Software-Vertriebsmethoden Geld verdienen." Doch der Wandel wird kommen. Microsoft sieht die Zukunft als Mischung. Es wird PCs mit lokal installierter Software geben, es wird weiterhin die zentralen Installationen in Grossfirmen geben. Dazu wird Software kommen, die irgendwo im Web "wohnt" und per Mausklick von irgendwo her gestartet und benützt wird. Und zu guter letzt wird es eine Reihe von neuen, kleinen mobilen Gerätchen geben, die eben auch Computer sein werden (oder sind).
 
Marge?
Interessant, dass beim heutigen Partneranlass in Zürich Oerlikon das Wort "Marge" kein einziges Mal fiel. Die Microsoft-Partner sollen in der künftigen "Software+Service" zwar Geld verdienen können, dies aber vor allem indem sie gegenüber den Kunden eigene Dienstleistungen (Vertikalisierung, Hosting, ...) erbringen. Das neue Modell heisse, "Software + Services + human Services". Es sei richtig, dass mit der Weiterentwicklung der Software gewisse Dienstleistungen in Zukunft nicht mehr benötigt werden, neue würden hingegen dazu kommen. "Wir bieten heute keine Dienstleistungen an und werden dies auch morgen nicht tun," sagte Ballmer. Microsoft werde auch Dienste wie "hosted Exchange" nicht unabhängig anbieten. "Dein Wort in Gottes Ohr", dürfte da dem einen oder anderen Microsoft-Partner durch den Kopf gegangen sein.
 
Ballmer warnte davor, sich den neuen Modellen, wie Software gekauft, vertrieben und benützt wird, zu verschliessen. Es nütze auch dem Partner nichts, wenn Microsoft die Entwicklungen wie damals Novell verschlafe. "Wenn die Kunden Online-Software wollen, dann werden wir sie anbieten."
 
Keine Zukunft für LARs?
Am anschliessenden kurzen Roundtable mit Matthias Keller (Paninfo), Andreas Kleeb (RedIT), Patrick Püntener (itsystems) und David Brodbeck (Garaio) musste sich Ballmer nur sanfte Kritik anhören.
 
Die Software-Lizenzierung ist zu komplex? Ballmer versprach eine Software, die bei der Lizenzierung helfen wird. Die anwesenden Lizenzierungsspezialisten, deren Business-Modell teilweise auf der Komplexität der Microsoft'schen Lizenzmodelle aufbaut, zeigten sich danach im Gespräch mit inside-channels.ch gelassen.
 
Scheuen aber spontanen Applaus hingegen kam auf Andreas Kleebs Bemerkung hin, das Managemant der Beziehung zu Microsoft sei viel zu aufwändig. "Microsoft spamt uns zu, was überhaupt keinen Marktnutzen generiert," sagte Kleeb. Ballmer notierte und versprach Abhilfe...
 
Zum Schluss dann wieder der eine Satz: "Embrace disruption". (Christoph Hugenschmidt)
 
(Fotos: Martin Stollenwerk. (c) by Microsoft. Steve Ballmer heute morgen in Zürich).