Wie "gesund" ist das Internet?

Ransomware, Netzsperren und Daten-Lecks. Die Mozilla Foundation hat die "Gesundheit des Internets" unter die Lupe genommen.
 
Wie steht es um die Sicherheit und Offenheit des Internets; Wer kann daran teilnehmen und wer kontrolliert es? Diesen Fragen ist die Mozilla Foundation nachgegangen. Ein ausführlicher "Statusbericht zur Internetgesundheit" gibt Aufschluss.
 
Das Internet sei gesünder, wenn es von vielen kontrolliert wird, glauben die Autoren. Doch dies ist nicht der Fall. Fünf amerikanische Unternehmen bestimmen, wie der Rest der Welt (mit Ausnahme von China), das Internet erlebt. Amazon, Apple, Facebook, Microsoft und die Google-Mutter Alphabet bauen ihre Machtposition immer weiter aus. Dies stelle eine Bedrohung für das Internet dar.
 
Gleichzeitig würden Telekommunikationsunternehmen die Dezentralisierung des Internets gefährden, wenn sie bestimmen, wer welche Inhalte zu welchem Preis oder mit welcher Geschwindigkeit konsumieren kann – Stichwort: Netzneutralität. Ganz ähnlich hat kürzlich auch der WWW-Erfinder Tim Berners-Lee argumentiert.
 
"Wie sollen wir mit einer Welt umgehen, in der eine Handvoll Unternehmen reicher als viele Nationen sind? Können wir durch Peer-To-Peer-Modelle, die Blockchain und neue Ordnungsprinzipien für soziale Medien ein Stück weit die Kontrolle über Web-Technologien zurückerlangen?", fragen sich die Studienautoren.
 
Datenschutz und Sicherheit
Wenn man an die "Gesundheit" des Internets denkt, kommt einem vermutlich zunächst das Thema Security in den Sinn. Es werde immer schwieriger, für einen ausreichenden Datenschutz zu sorgen, heisst es im Report der Foundation. 2017 wurden Datenlecks bei Equifax, Yahoo, Uber noch noch vielen mehr bekannt; die Ransomware WannaCry trieb weltweit ihr Unwesen; eine Sicherheitslücke in den Prozessoren von Intel gefährdet Millionen von Geräten. Gleichzeitig aber wird der Zahl der mit dem Internet verbundenen Geräte immer grösser.
 
Im Bericht wird aber nicht nur schwarzgemalt. Als Fortschritte hebt die Foundation die neue Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) hervor, die Unternehmen zu strengeren Datenschutzbestimmungen verpflichtet. Auch würden immer mehr User von der Zwei-Faktor-Authentifizierung Gebrauch machen und Verschlüsselungsmethoden kommen immer häufiger zum Einsatz, sei es bei Messengerdiensten oder im Internetverkehr.
 
Wie offen ist das Internet wirklich?
Rund die Hälfte der Weltbevölkerung ist mit dem Internet verbunden. Doch es dürfe nicht vergessen werden, dass beispielsweise einkommensschwache Menschen, ländliche Gemeinschaften, Frauen und Minderheiten den Sprung ins Web tendenziell später schaffen. Auch müssten sie hohe Kosten oder schlechte Verbindungen in Kauf nehmen. Ohne zuverlässiges und schnelles Internet verzögere sich der ökonomische Fortschritt, glauben die Autoren. Auch wenn immer mehr Menschen mit dem Internet verbunden sind, habe sich die digitale Kluft als hartnäckig erwiesen.
 
Hinzu komme, dass die Offenheit des Internets ständigen Bedrohungen ausgesetzt ist. Regierungen können Services blockieren oder das Internet lahmlegen, Interessengruppen betreiben Lobbyarbeit, um gewisse Zugänge zu sperren und Konzerne versuchen zu sammeln, was sie nur können: E-Mails, Nachrichten und mehr. Dadurch würde der offene Wettbewerb eingeschränkt und Innovationen Steine in den Weg gelegt.
 
2017 habe sich die Diskussion um das offene Internet zugespitzt. Debatten über Hassreden, Online-Belästigung und Fehlinformationen wurden rund um die Welt geführt. Das deutsche Gesetz gegen Hassrede (das Netzwerkdurchsetzungsgesetz) belegt soziale Netzwerke mit hohen Geldstrafen, wenn sie illegale Inhalte nicht unverzüglich löschen, hat hohe Wellen geschlagen.
 
Obwohl sich das offene Internet als widerstandsfähig erwiesen hat, bleibe die Frage, wie im Spannungsfeld zwischen Meinungsfreiheit und Hass im Netz die offene Natur des Internets aufrechterhalten werden könne. (kjo)