Box will die "alten Vendors" auch in der Schweiz herausfordern

Per Stritich. Bild: Box
inside-channels.ch hat den DACH-Chef befragt wie der Anbieter von Cloud-Content-Management das anstellen will.
 
Im Juli letzten Jahres eröffnete Box eine Niederlassung in München und rückte damit näher an den Schweizer Markt. Mit Per Stritich ernannte der Anbieter von Cloud-Content-Management einen DACH-Chef mit 15 Jahren Führungserfahrung in der Software- und Cloud-Branche. Die Schweiz sei ein sehr, sehr wichtiger Markt beteuert Stritich im Gespräch mit inside-channels.ch. Konkrete Kunden könne er nicht nennen, aber man zähle bereits grosse Versicherer und Pharma-Unternehmen dazu.
 
Mittlerweile hat Box nach eigenen Angaben rund 80'000 Enterprise-Kunden und 3000 Partner weltweit. Im Fiskaljahr 2017 verzeichnete das kalifornische Unternehmen einen Umsatz von rund 400 Millionen Dollar. Von den rund 1800 Mitarbeitern beschäftigt Box etwa 150 in Europa, der Grossteil davon arbeitet in London.
 
Storage ist laut Stritich nur ein kleiner Teil des Angebots. "Wir sind die Schweiz des Content-Managements", so der ehemalige SAP-Manager. Man arbeite quasi neutral mit verschiedensten Anbietern zusammen und integriere Box als Layer in alle bestehenden Anwendungen. So könne man den Kunden intelligente Workflows und ein nahtloses digitales Erlebnis garantieren, wie das offizielle Wording des Unternehmens lautet. Das heisst etwas vom Marketing-Speech entschlackt: Box bietet Lösungen in den Bereichen Collaboration, Mobility, Security sowie Dateifreigabe und -Verwaltung,
 
Fokus auf Compliance im DACH-Raum
"Wir fordern die grossen alten On-Premise-Vendors heraus und das geht ziemlich gut", so Stritich. Man wolle den Kunden in die Cloud helfen. Dabei unterscheide man sich zum einen von den ganz grossen Storage-Anbietern, aber auch der Vergleich mit Dropbox sei unpassend. Neben der breiten Palette unterscheide man sich aufgrund eines Fokus auf Business-Kunden, Consumer ständen eher im Hintergrund.
 
Vollständig überzeugen kann die Aussage derweil nicht: Zum einen bietet etwa auch Dropbox bei einem sehr ähnlichen Pricing verschiedene Tools für Business-Kunden. Und Microsoft, strategischer Partner von Box, hat kürzlich angekündigt, dass man für OneDrive for Business Firmen ab 500 Mitarbeiter von Konkurrenten abwerben wolle – Box wird dabei explizit genannt.
 
Man lege aber einen Fokus auf Compliance-Anforderungen im DACH-Raum, schreibt Box in einer Mitteilung. Die Daten für Schweizer Kunden liegen in einem AWS-Rechenzentrum in Frankfurt am Main, das dem C5-Sicherheitsstandard des BSI entspricht. Und man biete eine Softwarelösung, um die Daten der neuen DSGVO entsprechend zu managen. Entsprechend liegt einiges Gewicht auf stark regulierte Branchen wie Banken, Versicherungen und Life-Science.
 
"Partner verdienen natürlich Geld"
"Der Channel liegt uns sehr am Herzen", erklärt Stritich im Gespräch. Rund 75 Prozent der Verkäufe in der DACH-Region werde über Partner abgewickelt. Drei der weltweiten Verbündeten werden von Box als strategisch betrachtet: IBM, Microsoft und Fujitsu. Es gebe weitere spannende Partner in der hiesigen Region, aber auch hier nennt der Country Leader keine konkreten Namen. Man könne in zwei bis drei Monaten jedoch neue Partnerschaften in der Region ankündigen.
 
Die Partner würden mit Box natürlich auch Geld verdienen können, verspricht Stritich. Sie könnten nicht nur mit der Software Umsatz machen, es gehörten allerhand Beratungs-Services dazu, zudem habe Box 17 Module. Ein Cloud-Produkt lasse sich ausserdem schneller implementieren als On-Premise-Lösungen und die Addons kämen schneller dazu, meist schon im ersten Jahr. "Als Partner hat man einen schnelleren Revenue-Stream", verspricht Stritich.
 
Künftig wolle man mit den Partnern noch mehr zusammenwachsen. Ansonsten stehe Wachstum in der Region und weltweit im Vordergrund. "Wir sind ein Digitalisierungsprojekt, das in den Vorständen eigentlich ganz hoch priorisiert sein müsste", erklärt Stritich die Perspektive der Firma. (Thomas Schwendener)